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Skandinawisches Kino

Konfrontation

mit der Sterb-

lichkeit



Bewertung:    



Mitten in einen großen Erfolg ihrer jüngsten Ballettinszenierung gerät wegen Kopfschmerzen die Welt der norwegischen Regisseurin Anja (Andrea Bræin Hovig) aus den Fugen. Ein Besuch beim Arzt ergibt einen Hirntumor, und nach einigen weiteren Tests und Gesprächen heißt es, dass sie noch rund drei Monate zu leben habe. Der Film beginnt ohne Umschweife mit dieser Ausgangslage, und von da aus wird nicht nur eine Krankengeschichte, sondern auch die Wiederentdeckung und Rückeroberung der Liebe inszeniert. Die norwegische Filmemacherin Maria Sødahl schrieb das Drehbuch zu Hope selbst und verarbeitet darin autobiografische Ereignisse:


„Mir wurde durch die Todesnachricht, die ich erhielt, eine zweite Chance eröffnet, etwas über die Liebe zu lernen. Es passierte einfach. Ein Crashkurs, beim dem die Hauptfiguren sich gar nicht darüber im klaren sind, dass sie Teil einer Liebesgeschichte werden.“


Die Anja im Film ist mit dem deutlich älteren Tomas (Stellan Skarsgård) liiert, der drei Kinder mit in die Beziehung brachte. Drei weitere gemeinsame Kinder gesellten sich dazu, der Jüngste ist zehn Jahre alt. Bei der Organisation der Großfamilie und den Karrieren der Eltern ist irgendwann die Liebe auf der Strecke geblieben. Doch nun ist Anja auf Tomas angewiesen, denn das kann sie nicht allein durchstehen. Sødahl hat die Filmhandlung auf wenige Tage komprimiert. Die Diagnose kommt kurz vor Weihnachten und wird dem Rest der Familie zunächst verschwiegen. Dramaturgisch geschickt finden die Arztbesuche zwischen den Jahren statt, wenn das Personal reduziert ist und auch keine SeelsorgerInnen zur Verfügung stehen. Die Operation wird schließlich für den 2. Januar angesetzt. Wie viel Leben, Nöte und Liebe in eine so kurze Zeitspanne passen, ist schon erstaunlich, wenn man dann auch noch Weihnachten, Silvester und sogar eine Hochzeit feiert.

Natürlich kommen die Ängste und Beschwerden vor, die Nebenwirkungen der Medikamente, die Einschränkung der Sicht und die Härte das der Familie mitteilen zu müssen und den Schmerz der Kinder auszuhalten. Aber Anja ist eine Kämpferin, und auch wenn sie Tomas, oft unbegründet, beschimpft, ist der ein Fels in der Brandung, der seine eigenen Seelennöte mit sich selbst ausmacht. So steht in der Mitte eine wunderbare Beziehungsgeschichte unter schlimmen Umständen. Die fantastische Andrea Bræin Hovig steht im Mittelpunkt der Handlung und trägt den Film, Weltstar Stellan Skarsgård ist schauspielerisch unterfordert, verleiht seinem Charakter aber trotzdem Tiefe, obwohl er eher eine Randfigur ist. Mehr wollen wir an der Stelle auch gar nicht vorwegnehmen.

Durch den ganzen Film zieht sich die titelgebende Botschaft der Hoffnung, des Lebensmuts, des Zusammenhalts und der Liebe, wobei die Auseinandersetzung mit der Krankheit so authentisch ist, dass es schon unter die Haut geht.

Die SkandinavierInnen gehen insgesamt mit einem guten nationalen Selbstbewusstsein an ihre Filmproduktionen heran, allerdings dominieren auch dort männliche Regisseure, beklagt Sødahl, die durch ihre Erkrankung ihre Entschlossenheit nicht eingebüßt hat:


„In Norwegen, wo die Filmindustrie hauptsächlich von der Regierung, unserem Steuergeld, gefördert wird, sollte idealerweise unsere Gesellschaft sowohl vor als auch hinter der Kamera repräsentiert werden. Kunst sollte unser Leben in all seinen Formen, Altersgruppen und Hautfarben widerspiegeln, nicht nur die Gleichstellung der Geschlechter. Für mich sind das zeitlose Werte, nach denen man streben muss. Das bedeutet, dass ich als Frau im Filmgeschäft nie aufhören werde, mich selbst und alle meine Kolleginnen herauszufordern, mit größtmöglichem Mut unsere Geschichten zu erzählen, sowohl künstlerisch als auch thematisch.“



Anstoßen im noch ahnungslosen Familienkreis am Heiligabend: Ada (Dina Enoksen Elvehaug), Martin (Einar Økland), Henrik (Eirik Hallert), Julie (Elli Müller Osborne), Anja (Andrea-Braein-Hovig), Isak (Daniel Storm Forthun Sandbye), Tomas (Stellan Skarsgård), Simon (Steinar Klouman Hallert), Erlend (Alfred Vatne Brean) | © Arsenal Filmverleih

Helga Fitzner - 25. November 2021
ID 13323
Weitere Infos siehe auch: https://www.arsenalfilm.de/hope/index.htm


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