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Filmkritik

Der

geklonte

Attentäter



Bewertung:    



Die Filmtechnik ist im Prinzip schon so ausgereift, dass kaum mehr Möglichkeiten für Innovationen bestehen. „Quantensprünge“ wie die vom Stumm- zum Tonfilm, von Schwarz-Weiß zur Farbe etc. dürfte es in Zukunft nicht mehr geben. Einzig die Computertechnik kann noch verbessert werden, wie im Jahr 2009 mit Avatar – Die Reise nach Pandora ein Durchbruch gelang, in dem der Schauspieler Sam Worthington überzeugend einen drei Meter großen blauen Avatar spielen konnte. Seitdem hat sich das Motion Capture Verfahren immer weiter verfeinert, bei dem Schauspieler die Bewegungen vorspielen, vom Computer berechnet und äußerlich fast nach Belieben gestaltet werden können.

Für den Film Gemini Man unter der Regie des Meisterregisseurs Ang Lee spielt der Schauspieler Will Smith einen Attentäter, der plötzlich seinem 25 Jahre jüngeren Doppelgänger gegenübersteht. Dieser ist ein Klon der Filmfigur Henry Brogan, und dafür wurde erstmalig ein Schauspieler komplett vom Computer generiert. Das wird jetzt als die größte Innovation seit längerer Zeit gefeiert, und der Filmverleih Paramount erklärt, wie das technisch umgesetzt wurde: „Gedreht wurde in 3D mit 120 Bildern pro Sekunde, in die Kinos kommen wird das bildgewaltige Filmspektakel als HFR 3D („High Frame Rate 3D“) mit 60 fps („frames per second“). Diese völlig neuartige 3D-Erfahrung mit höherer Bildrate läuft unter dem Logo 3D+. Im Vergleich zu Filmen, die mit den herkömmlichen 24 Bildern pro Sekunde gedreht wurden, wird bei 120 fps eine 35-mal größere Datenmenge verarbeitet, was dafür sorgt, dass selbst die schnellsten Action- und Bewegungssequenzen so plastisch wirken wie nie zuvor: Der Zuschauer wird quasi selbst Teil der Action.“ Dadurch rückt mittels 3D-Brille der Zuschauer in den Mittelpunkt des Geschehens, und es werden Bilder kreiert, die dem menschlichen Sehvermögen so nahe wie noch nie kommen. Der Schauwert ist in der Tat beträchtlich mit tollen Drehorten in Georgia, USA, Kolumbien und Budapest, und die 3D-Version ist unbedingt zu bevorzugen.

*

Henry Brogan (Will Smith) ist einer der fähigsten Attentäter und hat schon 72 Menschen getötet, die gefährliche Terroristen waren. Nun ist er 51 Jahre alt und befindet sich in einer Krise. Er will sich in den Ruhestand verabschieden, doch plötzlich wird er von einem Attentäter gejagt, der genau so aussieht wie er selbst in jungen Jahren. Junior ist die geklonte und „bessere“ Variante von Henry, da alle Zweifel und menschlichen Mängel aus ihm herausgezüchtet wurden. Es dauert eine Weile, bis Henry herausbekommt, wer hinter der verbotenen Technik steht und warum man ihm nach dem Leben trachtet. Henry gilt zwar als der beste Attentäter weit und breit, doch Junior ist ihm haushoch überlegen. Während Henry mit der Agentin Danny (Mary Elizabeth Winstead) vor ihm flüchtet, scheint Junior ihm immer einen Schritt voraus zu sein.

Das Drehbuch entstand in den 1990er Jahren und wurde seitdem von etlichen Autoren immer wieder bearbeitet. Es ging ursprünglich um die Utopie, dass das menschliche Genom dekodiert sei und man dadurch die DNS genetisch modifizieren könne. Seit 2003 gilt aber das Genom offiziell als entschlüsselt, so dass die Utopie bereits Wahrheit geworden ist. Der Film dreht sich jedoch um die ethischen Fragestellungen, die sich daraus ergeben und ist deshalb immer noch aktuell. Clayton Varris (Clive Owen) hat keine Probleme Attentäter so zu züchten, dass sie zu geklonten menschlichen Waffen werden und so Terroristen jagen könnten. Henry findet, dass das zu Recht verboten ist und versucht mit Junior zu reden. Es besteht eine enge Verbindung zwischen den beiden, doch Junior hatte einen idealen „Vater“, der ihn großzog und alle menschlichen „Defekte“ abtrainierte, gleichzeitig trägt er aber die Gene von Henry in sich.

Das ist auch wieder typisch für einen Film von Ang Lee, in denen es immer wieder um Familienkonstellationen geht. Der aus Taiwan stammende Lee ist längst US-Bürger, hat seinen ersten Oscar 2001 für Tiger & Dragon aber noch als bester fremdsprachiger Film aus Taiwan erhalten. Es folgten amerikanische Oscars für die beste Regie 2006 bei Brokeback Mountain und 2013 für Life With Pi. Seine Erzählstrukturen sind selten geradlinig und oft nicht vorhersehbar, und er vermischt gerne Genres und Epochen. Die Handlung von Gemini Man ist für seine Verhältnisse relativ simpel, und er hat sich auf das Ausloten der neuen technischen Möglichkeiten konzentriert. Will Smith liefert schauspielerische Meisterleistungen ab und ist seinem jüngeren Spiegelbild ausgeliefert, das er nicht eliminieren will, wegen dem er aber um sein eigenes Leben fürchten muss. Die Action-Szenen sind klasse und vom Skript her immer gerechtfertigt, dienen also keinem Selbstzweck.



Henry Brogan (Will Smith) und Danny (Mary Elizabeth Winstead) werden von Henrys Klon gejagt | © 2019 Paramount Pictures International

Helga Fitzner - 3. Oktober 2019
ID 11720
Weitere Infos siehe auch: https://paramount.de/gemini-man


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