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Filmkritik

Stummer

Widerstand



Bewertung:    



Wenn der amerikanische Soziologe Gordon Zahn der Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter nicht nachgegangen wäre, wäre sie vermutlich in Vergessenheit geraten. In der Biografie Er folgte seinem Gewissen – Das einsame Zeugnis des Franz Jägerstätter von 1984 schilderte Zahn den Widerstand eines Bauern, der sich weigerte, den Eid auf Adolf Hitler und später den Dienst an der Waffe zu leisten. Darauf stand im Dritten Reich die Todesstrafe wegen Wehrkraftzersetzung. Nun hat der als Poet des Kinos geltende US-Regisseur Terrence Malick ein adaptiertes Drehbuch erschaffen und das Sujet in ein imposantes Kino-Epos verwandelt. Der Film Ein verborgenes Leben weist verhältnismäßig wenig Handlung auf und konzentriert sich auf die Persönlichkeiten Jägerstätters (August Diehl) und seiner Frau Fani (Valerie Pachner).

Jägerstätter lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in dem Dorf St. Radegund bei Salzburg. Zu Anfang schafft er es, sich den Fängen der Nationalsozialisten mehr oder weniger zu entziehen, auch wenn er sich viel Ärger mit den anderen Dorfbewohnern damit einfängt. Doch er bleibt seiner Überzeugung und seinem christlichen Glauben treu, und auch wenn seine Frau Fani sehr besorgt wegen der Konsequenzen ist, steht sie ihrem Mann zur Seite. Da Bauern dringend für die Ernährung der Bevölkerung und der Soldaten benötigt werden, sieht Jägerstätter sich auf der sicheren Seite. Er lässt sich zwar auf die Grundausbildung als Soldat ein, wird aber immer wieder nach Hause geschickt, um seinen Hof zu führen. Doch der Krieg dauert an und 1943 wird der Bauer inhaftiert. Entweder er leistet den Eid und wird Soldat, oder er wird hingerichtet. Fani und der Vikar ihrer Gemeinde (Tobias Moretti) fahren noch in die Bezirksstadt, um die Autoritäten davon zu überzeugen, ihren Mann im Lazarettdienst einzusetzen, wo er nicht töten muss. Doch es ist ein aussichtsloses Unterfangen, und selbst die Kirchenoberen haben sich dem Regime ergeben. Franz und Fani sind allein mit ihrem Glauben und ihrer christlichen Lebenseinstellung.

Malick lässt sich viel Zeit, den Gewissenskonflikt Jägerstätters zu inszenieren. Der Preis ist hoch, denn er muss seine Frau und seine drei kleinen Kinder allein zurücklassen. Doch je gnadenloser und grausamer sich das Regime zeigt, desto mehr kommt er zur Überzeugung, ihm widerstehen zu müssen und alles, was sein Leben ausmacht, aufzugeben und seine Frau und Kinder mit einer ungewissen Zukunft zurückzulassen. Die Kameraführung von Jörg Widmer fängt den Zwiespalt sehr gut ein. Auf der einen Seite zeigen die monumentalen Naturaufnahmen das Lebenspendende und die Schönheit der Schöpfung, aber auch die Bedrohlichkeit von Naturgewalten. Die Enge der Kasernen und Gefängnisse stehen im Kontrast zur Weite der Landschaften.

James Newton Howard hat die Filmmusik in einem gemeinschaftlichen Prozess komponiert: „Eine von Terrys ersten Ideen war, die Töne und Geräusche aufzunehmen, die er während der Produktion eingefangen hatte: das Kirchengeläut aus den Dörfern, das Muhen von Kühen, das Blöken von Schafen, das Sägewerk, die Geräusche aus dem Gefängnis und das Mähen auf den Feldern“, erzählt Howard. „Ich habe viele dieser Geräusche aufgenommen und sie musikalisch in die gesamte Filmmusik eingebettet.“

Kurz bevor das Todesurteil verkündigt wird, holt der Richter (Bruno Ganz) Jägerstätter ins Richterzimmer und verdeutlicht ihm die Sinnlosigkeit seiner Sturheit. Sein Widerstand würde keinerlei Wirkung haben und er sowie das Opfer, das er damit gebracht hat, würden in Vergessenheit geraten. Am Ende läutet der Vikar in St. Radegund die Kirchenglocke. Fani und ihre Schwester unterbrechen die Feldarbeit und beten: Auch das ist ein stummer und souveräner Widerstand.




Franz Jägerstätter (August Diehl) und seine Frau Fani (Valerie Pachner) starren auf ein Einberufungsbefehl | © Pandora Film

Helga Fitzner - 30. Januar 2019
ID 11966
Weitere Infos siehe auch: https://www.ein-verborgenes-leben.de/


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