Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Neues deutsches Kino

Rotschopf

im Galopp



Bewertung:    



Der Regisseur Erik Schmitt hat sich mit seinen Kurzfilmen den Ruf erworben, ein deutscher Michel Gondry (Vergiss mein nicht!, Science of Sleep – Anleitung zum Träumen, Abgedreht, Der Schaum der Tage) zu sein. Tatsächlich nutzt Schmitt wie Gondry die ganze Palette traditioneller, inzwischen hundert Jahre alter Tricktechniken und Kamera-Spielereien, um visuelle Eindrücke zu erschaffen, die in Erstaunen versetzen und Vergnügen bereiten, ohne deswegen überholt zu wirken. Wenn Schmitt wie bei Berlin Metanoia (2015) überhaupt einmal digital generierte Tricks anwendet, geht sogleich ein Gutteil des Charmes seiner fantatsievollen Geschichten verloren. Als Schmitts erster Spielfilm angekündigt wurde, stellte sich also die Frage, ob er den hohen Grad an Verspielt- und Versponnenheit sowie das Tempo seiner Kurzfilme wie Nashorn im Galopp (2012) oder Telekommando (2013) würde halten können. Ersteres lässt sich klar mit Ja beantworten, Letzteres eher mit teils-teils. Mit Sicherheit aber ist Cleo einer der visuell originellsten Spielfilme des neuen Jahrtausends, der für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen etwas anbietet. Das schafft außer Schmitt auch kaum jemand in der deutschen Filmszene.

*

Wie schon in Nashorn im Galopp spielt die mit feuerroter Löwenmähne gesegnete Marleen Lohse die Hauptrolle, und auch thematisch bleibt Schmitt sich treu: Neben Lohse spielt die deutsche Hauptstadt eine Hauptrolle als Ort der Magie (!) und geschichtsträchtiger Ereignisse, die an vielen Ecken und in tiefen Schichten Geheimnisse hinterlassen haben. Die Mitzwanzigerin Cleo (Lohse) ist eine Einzelgängerin und Tagträumerin mit viel Fantasie. Am liebsten wünscht sie sich die Zeit zurückdrehen zu können, um den frühen Tod ihrer Eltern ungeschehen zu machen. Sie erfährt von einer magischen Uhr, die bei einem Raubzug der Gebrüder Sass in den 1920er Jahren erbeutet wurde und seither verschollen ist.

Als Cleo eines Tages den attraktiven und smarten Abenteurer Paul (Jeremy Mockridge) kennenlernt, der eine Schatzkarte ersteigert hat, hofft sie, die magische Uhr irgendwo in Berlin zu finden. Die beiden begeben sich auf eine turbulente Schatzsuche kreuz und quer durch die pulsierende Großstadt und bitten eigenwillige Gestalten wie den einbeinigen Günni (Heiko Pinkowski) und den pyromanischen Zille (Max Mauff) um Hilfe, um den sagenhaften Sass-Schatz mit der magischen Zeitreise-Uhr zu finden. Die Suche führt schließlich zum Teufelsberg, ein verrücktes Überbleibsel des letzten Krieges, der sich als wahrhaftiger Zauberberg entpuppt, schlummern in dessen Schichten doch das, wonach die bunte Truppe um Cleo fahndet.

Das hohe Tempo und das beeindruckend ironisch gefärbte, visuelle Feuerwerk der ersten zwanzig Minuten des Films kann Schmitt leider nicht über die gesamte Länge des Films halten. Nicht nur gibt es einen wilden Ritt durch die Jugend der Titelheldin wie auch der Berliner Historie, es treten auch berühmte Gestalten der angerissenen Epochen wie Einstein, Schliemann und Max Planck, auf, die nur für Cleo sichtbar sind. Mit der sich rasch anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Cleo und Paul wird die Geschichte zwar um einen romantisch-sentimentalen Mehrwert bereichert, aber auch zunehmend ausgebremst. Und Tändeleien und Längen ist man als Fan des hochtourigen Kurzfilmers Schmitt nicht gewohnt. Dabei gibt die Schatzsuche ein wunderbares Konstrukt für einen übergreifenden Spannungsbogen ab, wird aber zu wenig genutzt. Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten bzw. dem Juwel vom Nil (USA, 1984/1985) wurden die Frotzeleien zwischen dem Forscherpaar und der Abenteuergeschichte überzeugender miteinander verschränkt.

Doch so ein Vergleich ist erstens ungerecht und zweitens Jammern auf hohem Niveau. Anzumerken bleibt aber, dass auch die wunderbar skurrilen Nebenfiguren einschichtig und daher etwas blass bleiben. Der Einfallsreichtum (Drehbuch: Schmitt und Stefanie Ren), die pointierte Kameraführung (Johannes Louis) und der elegante Schnitt (David J. Rauschning) sorgen dennoch für flotte Unterhaltung. Und dann ist da noch Rotschopf Marleen Lohse! Sehr zu Recht erhielt Cleo den LEO (den Preis der Kinder- und Jugendjury) beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern und den Preis für das beste visuelle Konzept beim renommiertesten Kinder- und Jugendfilmfestival der Welt, nämlich im tschechischen Zlin.



Cleo | (C) Verleih Weltkino/Detailfilm

Max-Peter Heyne - 26. Juli 2019
ID 11589
Weitere Infos siehe auch: https://cleo.movie/


Post an Max-Peter Heyne

Dokumentarfilme

Neues Deutsches Kino



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



 

FILM Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

BERLINALE

DOKUMENTARFILME

DVD

EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM
Reihe von Helga Fitzner

FERNSEHFILME

FEUILLETON
Beiträge zu Film und Festivals

INTERVIEWS

NEUES DEUTSCHES KINO

SPIELFILME

TATORT IM ERSTEN
Gesehen von Bobby King

UNSERE NEUE GESCHICHTE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2019 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de