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Hollywood

„Auf das

wunderbare

Leben“



Bewertung:    



Lily (Susan Sarandon) hat alles, was man sich an materiellen Dingen nur wünschen kann, ein herrliches Haus am Meer, eine kostbare Einrichtung mit Traumküche, und mit Paul (Sam Neill) einen fantastischen Ehemann, der sie liebt. Das Glück könnte perfekt sein, doch Lily hat ALS, eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu fortschreitender Muskellähmung bis hin zum Tod führt. Deshalb hat Lily ihre Familie eingeladen, um mit ihr ein letztes Wochenende mit ihr zu verbringen, solange es ihr noch so gut geht, dass sie sich einigermaßen bewegen kann. Blackbird – Eine Familiengeschichte wurde von dem dänischen Drehbuchautor Christian Torpe verfasst, als amerikanische Adaption seines erfolgreichen dänischen Vorläufers Silent Heart von 2014. Die Regie übernahm der südafrikanische Regisseur Roger Michell, der keinen Film über das Leiden, sondern einen über das selbstbestimmte Sterben drehte. Denn die Entscheidung über den Freitod ist schon vor Beginn der Familienfeier gefallen.

Eigentlich sind die erwachsenen Töchter, die brave Jennifer (Kate Winslet) und die wilde Anna (Mia Wasikowska), darauf vorbereitet gewesen, dass sich ihre Mutter nach dem Treffen das Leben nehmen wird. Doch dann brechen Konflikte auf, alte Familienthemen und dann doch die fehlende Bereitschaft der Töchter, ihre Mutter gehen zu lassen. Im Laufe des Wochenendes nähern sich vor allem die entfremdeten Schwestern einander an, Jennifer ist in ihrer Ehe nicht glücklich, und die leichtsinnige Anna hat viel durchgemacht, was sie noch nicht überwunden hat. Letztendlich geht es aber um die Mutter, die entschlossen ist, sich selbst vor einem schrecklichen Siechtum zu bewahren und in Würde gehen zu können, mit der dann doch sehr radikalen Entscheidung der Selbsttötung. Auf die Frage, ob sie keine Angst habe, antwortet Lily: „Jetzt, wo wir einen Termin festgelegt haben, kann ich mich an Stelle des Sterbens mehr auf das Leben konzentrieren.“ Sie kann sich noch einmal eng mit ihrem herangewachsenen Enkelsohn Jonathan (Anson Boon) verbinden, der ihr seine Zukunftspläne anvertraut, die sie scherzhaft verspricht, mit ins Grab zu nehmen.

Aufgrund des Fortschreitens der Krankheit wird einfach Weihnachten vorverlegt, und neben den Streitigkeiten gibt es auch viel Harmonie in der Familie.

*

Mit Susan Sarandons überragender Leistung in der Hauptrolle brillieren hochkarätige Stars wie Sam Neill, Kate Winslet und Mia Wasikowska als engste Familienmitglieder. Den Enkel, gespielt von Anson Boon, kann man sich getrost schon vormerken, der ist so grandios, dass wir sicher bald mehr von ihm zu sehen und zu hören bekommen. Rainn Wilson als Schwiegersohn macht aus seiner Rolle als Schwächling das Beste, und Bex Taylor-Klaus als Annas Freundin Chris, von der man nicht genau sagen kann, ob sie männlich oder weiblich ist, bringt die Genderthematik mit ein, als Erinnerung, dass es auch eine Außenwelt gibt, wenngleich es sich bei dem Film um ein Kammerspiel handelt. Lindsay Duncan als Lilys beste Freundin bringt Gefühl und eine Rätselhaftigkeit ins Spiel.

Der Film soll zwar in Connecticut, USA, spielen, wurde aber in England gedreht. Das Haus wirkt teuer, aber nicht protzig, sehr sauber, gestylt und steril. Das Leiden der Kranken wird fast ausgespart, sie braucht Zeit beim Treppensteigen, und ihr fällt ein Weinglas hin, aber viel mehr ist da nicht. So fehlt der baldigen Selbsttötung die Dringlichkeit. Der Fokus liegt vielmehr auf der Problematik der Endgültigkeit. Das Konzept des selbstbestimmten Sterbens wird von allen verstanden, wenn es aber an die Umsetzung geht, schaffen sie es doch nicht, damit umzugehen. Diesen Prozess zeigt der Film. Ist die Liebe am Ende stark genug, der Mutter/Ehefrau/Freundin das Leiden zu ersparen und sie mit vollem Herzen gehen zu lassen? Diese inneren Konflikte beherrschen den Film durch ganz alltägliche Tätigkeiten, wie Kochen und Aufräumen, hindurch. Lily muss noch in der Lage sein, sich die tödlichen Mittel selber verabreichen zu können, weil aktive Sterbehilfe in Connecticut strafbar ist. Zum Schluss toastet Lily auf das wunderbare Leben. Und am Ende erfahren wir noch eine Geschichte, die das Leben erst recht feiert.



Lily (Susan Sarandon) in der Mitte umrahmt von ihren Töchtern Jennifer (Kate Winslet) und Anna (Mia Wasikowska) und Anhang | © Leonine Film

Helga Fitzner - 23. September 2020
ID 12485
Weitere Infos siehe auch: https://www.leoninedistribution.com/filme/156094/blackbird-eine-familiengeschichte.html


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