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DVD-Kritik

Bittere Ernte



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Sie wurde als Kind vergewaltigt, im Alter von 13 Jahren in die Prostitution getrieben. Sie hatte mehrere misshandelnde Ehemänner und wurde vom FBI wegen Drogensucht verfolgt. Die afroamerikanischen Jazz- und Blues-Sängerin Billie Holiday (1915-1959) hatte nicht nur eine stilprägende Bühnenpräsenz, sondern auch ein tragisches Leben. Der zentralen amerikanischen Sicherheitsbehörde war jedoch vor allem auch ihre Performance des bekannten Protestsongs „Strange Fruit“ ein Dorn im Auge. Die titelgebende Strange Fruit ist der an einem Baum hängende Körper eines Schwarzen. Die Komposition von Abel Meeropol, ein Lied der linken Bürgerrechtsbewegung, ist eine Anklage rassistischer Lynchmorde in den Südstaaten der USA.

Billie Holiday spielte das Lied oft als Abschlusszugabe. Sie machte so auch die Rassentrennung zum Thema, die meist auch während ihrer Konzerte praktiziert wurde und die sie kritisierte. „Strange Fruit“ wich von Holidays eher unpolitischem Standard-Repertoire ab. Ihre Plattenfirma Columbia Records weigerte sich, den Song auf Platte zu produzieren. In Lee Daniels‘ Biopic The United States vs. Billie Holiday verkörpert Hauptdarstellerin Andra Day die Jazz-Ikone emotional eindringlich. Für ihre Darstellung wurde die Contemporary Soul- und R&B-Sängerin Andra Day, die auch auf den Soundtrack viele Songs nah am Original interpretiert, 2021 mit dem Golden Globe und einer Oscar-Nominierung geehrt. Day war auch für ihren selbstkomponierten Filmsong „Tigress & Tweed“, der Holiday im Abspann elegant hymnisch würdigt, für zahlreiche Preise nominiert.

Der Film ist laut Credits von Johann Haris‘ Sachbuch Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs (2015) inspiriert. Er beruht also nicht auf einer Autobiografie der Künstlerin. Weite Teile des Films zeigen den Menschen hinter der Legende als Junkie. Garrett Hedlund mimt Harry Anslinger, den Leiter der amerikanischen Bundesbehörde für Drogenbekämpfung, wenig authentisch und farblos als persönlich Besessenen, der Holiday sogar am Krankenbett heimsucht. Wenig glaubwürdig erscheint auch die Liebesaffäre, die Anslingers schwarzem Agenten Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes) mit Holiday angedichtet wird. Pathos und Kitsch gipfeln in einer Szenenfolge, in der Fletcher selbst einen Heroinrausch erlebt, der ihn kurz auf Holidays brutale Kindheit blicken lässt.

Schlussendlich verdankt der recht langatmige und wenig originelle Film seiner exzellenten Hauptdarstellerin, die ihre Figur zwischen herber Kühnheit und verstörender Selbstaufgabe changieren lässt, dass er trotz allem viele sehenswerte und berührende Momente hat.
Ansgar Skoda - 17. Mai 2021
ID 12917
Weitere Infos siehe auch: https://www.wildbunch-germany.de/movie/the-united-states-vs-billie-holiday


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