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"Refugees are in now, aren’t they?", meint der Flüchtling aus Syrien mit einer Mischung aus Belustigung und Resignation. Er lebt seit längerem in einer Flüchtlingsunterkunft nahe der serbischen Hauptstadt Belgrad. Es gab einige, die ihm helfen wollten, herauszukommen – bislang erfolglos. Sein neuer Flirt, ein Firmenanwalt aus Litauen, ist nicht der erste.

Das Drama The Lawyer (Originaltitel: Advokatas) aus dem Jahr 2020 ist der dritte Spielfilm des litauischen Regisseurs Romas Zabarauskas. The Lawyer gilt als der erste baltische Film mit schwulen Liebesszenen. Schon Als wir tanzten (orig.: And then we danced) von Levan Akin überraschte jüngst als Kinofilm mit schwuler Thematik aus Georgien. Die ehemaligen Sowjetstaaten gehören zu den homophobsten EU-Ländern.

*

Der Unternehmensanwalt Marius (Eimutis Kvosciauskas) aus Vilnius ist beruflich erfolgreich und homosexuell. Er umringt sich mit jungen Schwulen und hat bei gemeinsamen Dinnerpartys Spaß daran, Sehnsüchte nach monogamen Beziehungen zu hinterfragen. Er sucht sich jüngere Liebhaber. Als sein Vater stirbt, ist er plötzlich schwer getroffen. Er versucht sich, von seiner Erschütterung mit neuen Flirts abzulenken. Zu Filmbeginn wird gezeigt, wie Marius mit eigenen Vorurteilen und Missverständnissen konfrontiert wird, wenn er einen Transgender-Jüngling anbaggert. In einem Camsex-Chatroom lernt er Ali (Doğaç Yıldız) kennen, einen attraktiven und charmanten Syrer. Wenige Tage später reist Marius von Litauen nach Serbien, um Ali persönlich kennenzulernen. In Marius Hotel teilen beide bald gemeinsame Abendessen und das Bett.

Doch es liegen gesellschaftliche, kulturelle und persönliche Unterschiede zwischen ihnen. Während Marius als wohlhabender und kultivierter Anwalt gesellschaftliche Privilegien genießt, floh Ali vor dem syrischen Bürgerkrieg und lebt mittlerweile im Flüchtlingslager Krnjaca. Das Lager wird in einigen Szenen auch gezeigt. Es drängt sich für den Zuschauer mehrfach die Frage auf, wer hier wen ausnutzen könnte. Wenn Marius Ali dahin drängen möchte, ein Resettlement-Programm als LGBT-Flüchtling zu beantragen, behauptet Ali, er sei bloß bi und das wisse auch niemand. Die beiden Akteure sind im Zusammensein oft etwas schweigsam. In kurzen Dialogen werden Konflikte oft nur angedeutet.

The Lawyer zeigt Vorurteile und Herausforderungen, denen sich schwule Flüchtlinge stellen, die in ein LGBT-freundlicheres Land umsiedeln möchten. Marius sucht etwas naiv das Gespräch mit verschiedenen Organisationen, um seinem jungen Geliebten eine Umsiedelung zu erleichtern. Doch die Mitarbeiterin einer Flüchtlingshilfe (Aiste Gramantaite) erklärt ihm unbeeindruckt, dass auch minderjährige Flüchtlinge, die von Schleppern zwangsprostituiert wurden, keine Sonderrechte erhalten. Auch eine serbische Mitarbeiterin der UN (Aiste Dirziute) enttäuscht Marius. Sie erweist sich trotz ihrer freundlichen Zugewandtheit als nicht korrumpierbar.

Kameramann Narvydas Naujalis setzt die Plattenbauten Neu-Belgrads oder andere Kulissen stilvoll in Szene. Er arbeitet oft mit ruhigen Totalen oder intimen Nahaufnahmen. Für atmosphärische Musik sorgt der zwischen Klassik und Jazz variierende Soundtrack von Komponistin Ieva Marija Baranauskaite.

Trotz einiger erzählerischer Schwächen ist dem erst 30jährigen Regisseur und Drehbuchautor Romas Zabarauskas ein spannender Film gelungen, der authentisch eine Botschaft der Akzeptanz vermittelt.
Ansgar Skoda - 2. März 2021
ID 12777
Weitere Infos siehe auch: https://www.pro-fun.de/shopping/Filme/Spielfilm/THE-LAWYER.html


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