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DVD-Kritik

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Flackerne Glühbirnen, laut tickende Uhren, von Kameramann Thomas Kiennast in Großaufnahme gefilmt, schaffen eine bedrohliche Atmosphäre. Verzerrte Details im beengten Raum verstören, während Erzählzeiten zusehends verschwimmen. Was ist real, was nur Wahnvorstellung?

Um 1938 gehört der feingeistige und arrogante Josef Bartok mit seiner Frau Anna zur gehobenen Gesellschaft Wiens. Die Vorzeichen der Okkupation durch Nazi-Deutschland tut er trotz wohlmeinender Warnungen zunächst ab. Bevor er mit seiner Frau in die USA fliehen kann, wird er verhaftet und im Luxushotel Metropol untergebracht. Isolationshaft und Folter sollen ihn zwingen, Zugangsdaten durch von ihm verwalteter Konten preiszugeben.

In einem unbeobachteten Moment findet der zusehends verwahrlosende Gefangene während einer Vernehmung ein Buch mit Schachpartien. Er spielt diese Partien auf Badezimmerbodenfliesen mit Brotkrumen nach, um seinen Verstand zu beschäftigen. Bald wird sein Versteck gefunden und die psychische Folter wird zerstörerischer. Später ist der sichtlich traumatisierte, verschwitzte und desorientiert-fahrige Bartok mit einem Passagierschiff auf den Weg über den Atlantik in die USA und trifft hier auf einen Schachweltmeister, den er herausfordert.

*

Es ist großes Schauspielerkino, das Schachnovelle (jetzt auch auf DVD) bietet:

Oliver Masucci (Enfant Terrible) mimt Bartok als schneidigen Lebemann, der zusehends ohne Ansprechpartnern oder Ablenkung und in fortwährender Angst psychisch und physisch verkümmert. Albrecht Schuch (Lieber Thomas; Systemsprenger) gibt seinen Counterpart, den anfangs höflichen, jedoch schwer einschätzbaren Gestapo-Leiter Franz-Josef Böhm. Man möchte dem kultivierten Böhm nicht zutrauen, eiskalt-sadistisch Folterknechte zum Comedian Harmonists-Schlager "Ich wollt ich wär ein Huhn" Druck ausüben zu lassen. Birgit Minichmayr verkörpert schließlich in einer Nebenrolle Bartoks lebensfrohe und sinnliche Frau Anna, mehr Vision als Wirklichkeit.

Philipp Stölzls Schachnovelle war 2021 sieben Mal für den Deutschen Filmpreise nominiert. Seine Verfilmung des Klassikers von Stefan Zweig (1942) erhielt immerhin den Preis für das beste Kostümbild (Tanja Hausner). Zweigs Buch ist bis heute als Schullektüre im Deutschunterricht beliebt. Der jüdische Autor wurde in den letzten Jahren verstärkt "wiederentdeckt". So thematisierte beispielsweise Maria Schraders Biopic Vor der Morgenröte die Exiljahre Zweigs in den USA und dabei auch die Entstehung von Schachnovelle. Dieses wohl bekannteste Werk Zweigs, nur 68 Seiten dick, erschien 1942 posthum, nachdem der Autor sich zusammen mit seiner Frau Lotte im brasilianischen Petrópolis das Leben nahm. Der intensive, detailreiche Film setzt der Novelle mit neuen Akzenten und Ideen ein bitter-beklemmendes Denkmal.
Ansgar Skoda - 13. August 2022
ID 13751
DVD-Link zu Schachnovelle


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