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Die Bettdecken sind zerwühlt. Adrian und Hampus sitzen aufrecht mit nackten Oberkörpern nebeneinander. Ihre Blicke sind starr, weichen einander aus. Sie wirken ratlos und traurig. Unbewegt suchen sie nach Worten für ihre Gefühle. Hampus spricht es aus: „There is no more we.“ Er wird endgültig ausziehen. Später wird er zusammen mit zwei Freundinnen seine Besitztümer aus der gemeinsamen Wohnung holen, auch seine Hälfte des Bettes.

Der schwedische Film Are we lost forever, das Langfilmdebüt von David Färdmar, beginnt unbequem am Ende einer Beziehung. Wir erfahren nichts über die Vorgeschichte von Adrian (Björn Elgerd) und Hampus (Jonathan Andersson) und ihr Kennenlernen. Die beidem gehen im Film fortan getrennte Wege. Es gibt keine Rückblenden. Der Film nimmt meist die Perspektive Adrians ein, dessen Gesichtszüge oft leise Wut, Trauer oder Sehnsucht andeuten. Er ist der Verlassene und scheint narzisstisch gekränkt. Adrian reflektiert über die gemeinsame Beziehung und sucht Trost bei oberflächlichen Begegnungen mit Bekannten. Wiederholt hat er eine leise Hoffnung auf einen Neuanfang. Denn die beiden Hauptfiguren treffen oft wieder aufeinander, teils zufällig und teils geplant.

Die Verletzungen, die sich Adrian und Hampus antaten, werden vielfach nur angedeutet. Adrian ist Modefotograf, und Hampus war scheinbar mal Model. Adrian versucht seine Partner (ausdrucksstark: später Micki Stoltt als Rasmus) zu kontrollieren. Hampus wechselt nach der Trennung von langhaarigen Locken zu einem modischen Kurzhaarschnitt. Die beiden Neusingles wirken recht steif, insbesondere wenn sie um Worte füreinander verlegen sind. Hampus offenbart Adrian theatralisch weinend eigenen Trennungsschmerz, nachdem Adrian seinen Beziehungsstatus auf Facebook änderte. Auch die Räume, in denen fortan befangene Begegnungen gezeigt werden – im Restaurant, im Café, im Fitnessstudio – wirken etwas steril. Es ist jedoch witzig, wenn Hampus bei der Vorstellung gegenüber seinem neuen Freund bald Adrians Vornamen falsch ausspricht und ihn „Adam“ nennt.

Binnen weniger Szenen vergehen längere Zeiträume. So haben ein halbes Jahr später beide neue Partner. Es gibt ein Treffen zu viert. Stimmungen der Distanziertheit, Befangenheit, Entfremdung und Leere werden beleuchtet.

Das oftmals einfühlsame Liebesdrama ist inspiriert von Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe (1973), Richard Linklaters Before-Trilogie (1995-2013) und Abdellatif Kechiches La vie d'Adèle (2013). Anders als diesen Filmen fehlt es Are we lost forever manchmal an Fokussiertheit; vieles erscheint auch etwas artifiziell, etwa der wiederholt geäußerte Kinderwunsch der beiden Hauptfiguren. Zuweilen wirkt die stimmungsvolle Musikuntermalung auch etwas angestrengt.

Der Göteborger Regisseur und Drehbuchautor David Färdmar wurde bekannt mit seinem vielfach ausgezeichneten Kurzfilm My Name is Love (2008), der im Bonusmaterial der DVD ebenso erhalten ist, wie No more we (2018). Dieser Kurzfilm diente Färdmar als Vorlage für seinen Langfilm Are we lost forever. Auch ein Interview mit dem Regisseur und der Kurzfilm We could be parents (2016) bereichern das Zusatzmaterial.

Ein schlussendlich gerade auch für die queere Community sehenswertes melancholisches Trennungsdrama. Es betrachtet die Schattenseite der Liebe, eine im Alltäglichen problemdurchdrungene Neuorientierung nach einem Beziehungsende.
Ansgar Skoda - 20. April 2021
ID 12867
Weitere Infos siehe auch: https://salzgeber.de/arewelostforever


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