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Dokumentarfilm

Innenansichten



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Der deutsche Dokumentarfilmer Philipp Majer beobachtet in World Taxi fünf TaxifahrerInnen auf vier Kontinenten. Es handelt sich um Städte, die er relativ gut kennt, darunter Berlin. Die Taxifahrerin Bambi fährt nur nachts und lässt sich von den Gefahren der Großstadt nicht abschrecken. Etliche ihrer Fahrgäste wollen zum Berghain, einem der berühmtesten Technoclubs der Welt. Ansonsten kutschiert Bambi durch bekannte Gegenden, aber auch durch solche, wohin man eher kein zweites Mal möchte. Sie ist alleinstehend und hat einen großen Hund.

Mamadou fährt in der Hauptstadt Dakar. Der Senegalese diskutiert mit drei Frauen auf den Rücksitzen, warum er sich eine zweite Frau zulegen will. Er glaubt, dass seine erste Frau wieder normal wird, wenn er um eine zweite wirbt. Das führt zu einer lebhaften Erörterung insbesondere über das Fremdgehen. Frauen hinterlassen beim Fremdgehen keine Spuren, Männern merkt man es meistens an, verkündet die Fraktion auf der Rückbank [s. Foto unten]. - Wir müssen Brüder und Schwestern werden, meint Mamadou insgesamt und sieht darin Hoffnung für sein Land. Die jungen Leute wollen nur Spaß haben, beklagt er sich, und einige glauben, dass es in Europa besser wäre. Doch dort müssten sie Arbeiten verrichten, die sie in Senegal nicht annähmen. In einem fremden Land finge man immer bei Null an. Für ihn gäbe es nichts Schlimmeres, als im Ausland zu sterben, philosophiert Mamadou.

Die Dreharbeiten in El Paso fanden statt, als es in Las Vegas einen Anschlag mit 50 Toten gab, und die Nachrichten laufen über sämtliche Bildschirme. Taxifahrer Sergio hat Proviant, Getränke und Kleidung zum Wechseln dabei, um auf alles vorbereitet zu sein. Er pendelt oft zwischen El Paso in den USA und Juarez in Mexiko, die nicht weit voneinander entfernt sind. Einige seiner Gäste fahren nach Mexiko in eine Klinik, in der Magenverkleinerungen vorgenommen werden, die in den USA doppelt so viel kosten würden. Man erkennt häufiger die Mauer zwischen den USA und Mexiko, und Sergio erklärt, dass es nur eine Minderheit sei, die sie befürworte. Er selbst ist Mexikaner und stammt aus Juarez, lebt aber in El Paso, weil es da ruhiger ist. Die Mexikaner nähmen aber keinen Amerikanern die Jobs weg, weil sie solche übernähmen, die die Amerikaner nicht wollten, sagt er schnell.

Destan ist ein gesetzter älterer Herr aus dem Kosovo, der mit seinem Taxi in Pristina unterwegs ist und schon mal auf sein Geld verzichtet, wenn er jemanden in Not sieht. Er sammelt Zeitungsausschnitte mit Gesundheitstipps für alle. - Die Unabhängigkeit des Kosovo wurde einträchtig gefeiert, erinnert er sich, aber nun sei es schlimmer als vor dem Krieg. Es gäbe zu viel Korruption und zu wenig Solidarität, aber die Jugend suche immerhin nach Lösungen.

In Bangkok treffen wir auf Tony. Er befürwortet die Rotlichtbezirke nicht, und Prostitution ist in Thailand illegal, aber die Menschen sind arm und haben keine andere Möglichkeit, erklärt er. Er war schon auf Kreuzschiffen unterwegs, und er liebt sein Auto sowie das Taxifahren.

Alle vier Fahrer und die Fahrerin verdienen sich mit dem Taxifahren manchmal eher schlecht als recht ihren Lebensunterhalt. Ihr Beruf verleiht ihnen eine gewisse Unabhängigkeit, und sie bekommen viel von ihrer jeweiligen Stadt und den Menschen mit, Diskussionen über den Fahrpreis inklusive. Leider kommen sowohl die Städte als auch die Persönlichkeiten der Protagonisten zu kurz. Als 2015 der Film Taxi Teheran herauskam, war das der Not geschuldet, weil der iranische Regisseur Jafar Panahi Berufsverbot hatte und nur heimlich in einem Taxi drehen konnte. Da aber die Person des Taxifahrers, Panahi selbst, und die Stadt Teheran den gesamten Film füllten, ergab sich ein sehr differenziertes Bild eines Hauptdarstellers und einer Stadt. Philipp Majer wirft dagegen nur Schlaglichter und zwar auf mehrere Personen und Orte, was etwas zu kurz greift. Es ist aber so interessant und einfühlsam, dass man sich mehr wünscht.



Die drei Frauen aus Senegal sprechen sich deutlich gegen Zweit-Ehefrauen aus. | © Jip film & verleih

Helga Fitzner - 11. Juni 2020
ID 12292
Weitere Infos siehe auch: https://jip-film.de/world-taxi/


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