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Dokumentarfilm

Die Kunst

des Brücken-

bauens



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Noch ein Film über Nordkorea? Das wird ja nach Camp 14 - Total Control Zone, Liberation Day, Meine Brüder und Schwestern im Norden und Im Strahl der Sonne inzwischen ein eigenes Genre! Es beweist: Auch der schwerste eiserne Vorhang, der weltweit derzeit noch existiert, ist etwas durchlässiger geworden. Die Regierung in Nordkorea erlaubt zunehmend, wenn auch sehr zaghaft und punktuell, den Besuch von Touristen und Geschäftsleuten im Land, das bis vor ein paar Jahren komplett vom Rest der Welt abgeschottet war. Selbst eine Annäherung an den Erzfeind USA und ein persönliches Treffen der Präsidenten Trump und Kim Jong-Un fand statt – bislang zwar ohne durchschlagenden Erfolg, aber wer hätte das in so kurzer Zeit erwartet?

*

Der norwegisch-deutsche Dokumentarfilm War of Art entstand im Jahre 2017, als zwischen Trump und Kim Jong-Un noch Säbelrasseln herrschte. In diesem Moment höchster Anspannung plant der norwegische Künstler Morten Traavik einen Brückenschlag auf kultureller Ebene. Eine Gruppe von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus westlichen Ländern und China sollte ihre Arbeiten den Kolleginnen und Kollegen der Kunstakademie und der Musikhochschule in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang präsentieren und zum Dialog anregen. Außerdem war ein kreativer Austausch über neue Werke geplant. Tatsächlich gelang es Traavik, die nordkoreanischen ministeriellen Beamten von dem Projekt zu überzeugen, um „das negative Bild, das im Westen von Nordkorea vorhanden ist“, zu korrigieren.

Das Projekt bzw. der Besuch der Künstlergruppe erfolgte natürlich unter strengen Auflagen von nordkoreanischer Regierungsseite. Bekanntermaßen dürfen ausländische Besucher ohne einen Begleiter keinen Schritt allein unternehmen, geschweige denn drauflos spazieren, Alltagseindrücke sammeln oder fotografieren. So stellte sich nach der anfänglichen Euphorie in Pjöngjang, die vor allem auf Neugier beruhte, innerhalb der Künstlergruppe bald schon Ernüchterung ein. Immerhin: Die Irritationen und Enttäuschungen durften während des Aufenthalts der Westler und ihres chinesischen Kollegen genauso gefilmt werden wie die harmlosen Geplänkel und das offizielle Sightseeing, das die Kulturschaffenden zu den Monumenten führte, die der siegreichen Führerdynastie der Kims huldigen.

Natürlich wussten Traavik und die Künstlerinnen und Künstler, auf welches Wagnis sie sich einließen und auf welches brüchige Terrain sie sich während ihres Besuchs begaben. Insofern kamen die Restriktionen und harten Urteile, die die nordkoreanischen Offiziellen über die westliche Kunst fällten – die in ihren Augen vielfach keine Kunst war – nicht völlig überraschend. Aber der Film dokumentiert auch: Wenn man nach einer so weiten Reise voller Ungewissheiten mitten im Schlamassel steckt, der vor allem darin besteht, sich für seine eigene Kreativität, seine Neigungen und letztlich für die eigene Persönlichkeit verteidigen zu müssen, ist das eine stärkere Herausforderung als es sich die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Phantasie ausgemalt hatten.

Was dem Projekt half, und damit auch dem Film zugutekommt, war die kluge Entscheidung Morten Traaviks, ganz unterschiedliche Kolleginnen und Kollegen zu dem totalitären Trip einzuladen: einen Berliner Sounddesigner, einen abstrakten norwegischen Maler, eine britische Performance-Regisseurin, einen chinesischen Kunstfotografen und last but not least einen zum Gothic neigenden Franzosen, der seine Bilder über Körper und Narben meist mit eigenem Blut signiert. Dieser Facettenreichtum an Themen und Temperamenten forderte die Toleranzgrenzen der Nordkoreaner einerseits besonders heraus. Zum anderen aber blieben bei Zensurmaßnahmen von Seiten der Gastgeber – ein Affront, den die Gruppe nach Diskussionen widerwillig, aber der guten Sache willen hinnimmt – immer noch genug Kunstwerke übrig, die für alle präsentabel waren. Die vor Ort entstandenen Werke bekamen zwar nur sehr Wenige zu sehen. Insofern war der kulturelle Dialog sehr begrenzt bzw. nur ein erster Schritt zu einer zukünftigen Annäherung von Künstlern innerhalb der politischen Systeme. Die Reise hat den gegenseitigen Blick auf die großen Unterschiede der Mentalitäten geschärft und eine Ahnung von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der jeweils Anderen vermittelt.



War of Art | (C) missingfilm Verleih

Max-Peter Heyne & Gabriele Leidloff - 11. Juni 2019
ID 11492
Weitere Infos siehe auch: https://missingfilms.de/index.php/filme/10-filme-neu/291-war-of-art


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