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Unsere neue Geschichte (Teil 30)

Ein afrikanischer

Traum



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Die Dokumentation The Great Green Wall stammt von dem australischen Filmschaffenden Jared P. Scott, und darin nimmt uns die malische Sängerin und Aktivistin Inna Modja mit auf eine Reise entlang der Sahel-Zone. Südlich der Sahara gelegen ist sie von Dürre bedroht, und seit 2007 existiert ein Projekt zur Wiederaufforstung und Renaturierung. Von Senegal im Westen soll quer durch den Kontinent eine 8.000 Kilometer lange „grüne Mauer“ aus Bäumen gepflanzt werden, die sich bis zur Ostküste erstreckt. Seit den frühen 1970er Jahren machen sich die Auswirkungen des Klimawandels in Afrika bemerkbar; die Bilder von Dürren und toten Tieren in vegetationslosen Gegenden gingen und gehen um die Welt. Insbesondere die Filmaufnahmen von den hungernden Menschen in Äthiopien und anderen Ländern haben sich in den 1980er Jahren in das kollektive Gedächtnis gegraben, und die Not ist seitdem nicht weniger geworden.

Es hat immer wieder Versuche gegeben, der Klimakatastrophe durch entsprechende Maßnahmen Einhalt zu gebieten. Anfang der 1980er Jahre setzte Thomas Sankara tatsächlich umfängliche und nachhaltige Maßnahmen durch und inspirierte viele AfrikanerInnen. „Wir müssen den Mut haben, die Zukunft zu erfinden“, wird Sankara (1949-1987) im Film zitiert. Er war von 1983 bis zu seiner Ermordung Präsident von Burkina Faso. Die Idee zu einer länderübergreifenden Initiative geht auf diese Zeit zurück, die von der afrikanischen Bevölkerung selbst geplant und durchgeführt wird. Es sind 21 Länder beteiligt, aber erst knapp 15 Prozent umgesetzt. Das meiste davon wurde mit Entwicklungshilfegeldern finanziert, die dort sinnvoll investiert wurden. Neben den fehlenden finanziellen Ressourcen der AfrikanerInnen gibt es zahlreiche andere Gründe, die die Umsetzung verhindern oder verlangsamen.

Die Reise beginnt im Senegal, wo Inna Modja auf Colonel Papa Sarr trifft, den örtlichen technischen Projektleiter vom Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung in Senegal. „Die Sahel-Zone ist noch nicht ganz zur Wüste geworden", erklärt Sarr. „Die grüne Mauer wird ein Mosaik aus renaturierten Landstücken sein.“ Hier wird die Senegal-Akazie gepflanzt, die an das Klima gut angepasst ist. 2,5 Millionen Bäume werden pro Jahr gepflanzt, aber das kann nur in der Regenzeit zwischen August und September geschehen. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit“, weiß Sarr und ist um so zufriedener mit dem trotzdem stattfindenden Fortschritt im Senegal.

Inna Modja fährt weiter in ihre Heimat Mali. Hier geht es mit dem Projekt kaum weiter, weil sich der Norden durch einen Putsch 2012 abspalten wollte. Es gibt zwar eine Waffenruhe, aber die ist brüchig. Modja besucht ihre Familie, die für malische Verhältnisse wohlhabend ist und liberal scheint. Die junge Inna wurde Aktivistin, nachdem sie von einem Familienmitglied genitalbeschnitten wurde und setzte das in ihren Liedern um. Sie beging Aufklärung (in Mali werden 80 Prozent der Mädchen verstümmelt). Sie scheint es ihrer Familie nicht übel genommen zu haben, (vielleicht weil ungeschnittene Mädchen kaum einen Ehemann bekommen können), und die Tradition und der insgesamt funktionierende Familienzusammenhalt hat seine eigene Wertigkeit. Modja schließt sich auch immer wieder mit anderen MusikerInnen zusammen, um gemeinsam über Missstände aufzuklären und doch Mut zu machen.

Der Tschad-See erstreckt sich über die vier Länder Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun, und 30 Millionen Menschen sind von seinem Ökosystem abhängig. Aber er ist zu 90 Prozent verschwunden. Die Naturkatastrophe hat Armut und Hunger zur Folge, was kriegerische Auseinandersetzungen fördert, nicht nur um Nahrung und Wasser, auch um Macht. Die gewalttätige Vereinigung Boko Haram hat Zulauf, viele Menschen werden aber auch entführt. Modja besucht ein Waisenhaus, in dem die Kinder der Opfer wie auch die geflüchteten Kinder von Boko Haram aufgenommen werden. Die jugendlichen Mädchen berichten von Zwangsehen mit drei Kämpfern, und die Jungen von den vielen Menschen, die sie töten mussten. Trotz allem haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Als sie im Chor ein Lied von Inna Modja singen, ist die sehr gerührt.

Die Pflanzaktion schafft Arbeitsplätze, restauriert die Natur, fördert die Wirtschaft und die sozialen Strukturen. Doch leider wird sie nicht so betrieben, wie es nötig wäre. Niger hat z.B. die jüngste Bevölkerung Afrikas, weil die Frauen durchschnittlich sieben Kinder bekommen. In einer Geburtsklinik wohnen wir dem Wunder der Geburt bei, und Modja kann den Menschen schlecht sagen, weniger Kinder zu bekommen, ist sie doch selbst das sechste von sieben. In Afrika sind eine Milliarde Menschen unter 15 Jahre alt. Die Gesamtsituation ist verheerend, und Niger ist das Drehkreuz für MigrantInnen, die nach Europa wollen. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, dann werden im Jahr 2050 rund 60 Millionen AfrikanerInnen auswandern müssen mit all den Folgen, die das auch für Europa hat.

Die Hungersnot kostete in Äthiopien allein in den 1980er Jahren 400.000 Menschen das Leben. Der Film zeigt abschließend das heute schon weitflächig begrünte Land, das sich erholt hat. Die Gemeinden haben allerdings auch 30 Jahre lang daran gearbeitet, sie können das aber nicht alleine machen, es muss eine panafrikanische Bewegung dahinter stehen, damit die Initiative fortgesetzt werden kann. Der Film wurde deshalb von der UN unterstützt, vor der Modja auch eine Rede hält.

Die Musik ist in Afrika ein bestimmender Faktor, selbst beim Bäumepflanzen singen die Menschen. Modja fördert mit ihrer Musik die Widerstandskraft, plädiert für Selbstbestimmung und dafür, das eigene Schicksal aktiv in die eigene Hand zu nehmen. Es ist auch ein Versuch, die Menschen von der Migration abzuhalten und ihnen Alternativen in Afrika zu bieten. - Modja hat einen Teil der Filmmusik selbst komponiert, und sie musiziert mit vielen Künstlerinnen: Didier Awadi, Songhoy Blues, Betty G, Waje, Positive Black Soul, Big Makhou Djolof und vielen anderen. Es wird in verschiedenen Sprachen und mit modernen sowie traditionellen Instrumenten gespielt. Modja hat eine CD zu Gunsten des Projektes produziert. Auch wenn der Film schreckliche Dinge anspricht, wird er von einer unverwüstlichen Kraft und Hoffnung getragen und hält an dem afrikanischen Traum fest.



Inna Modja vor Ort in der Sahel-Zone | © Tim Cragg Great Green Wall Ltd.

Helga Fitzner - 22. Oktober 2020
ID 12545
Weitere Infos siehe auch: https://www.weltkino.de/filme/the-great-green-wall-2


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