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Dokumentarfilm

Die Stimme aus

der Unendlichkeit



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„Ich fürchte, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Drucke machen kann: ich selbst“, lautet es in einem Brief des niederländischen Grafikers M.C. Escher aus dem Jahr 1969. Das hat sich der Dokumentarfilmer Robin Lutz zu Herzen genommen und aus zahlreichen Schriften, Briefen, Vorträgen und dem Tagebuch Eschers einen Film gezaubert, der die Lebensreise von Maurits Cornelis Escher (1898-1972) in dessen eigenen Worten und mit dessen Bildern nachzeichnet. Der Schauspieler und Autor Matthias Brandt leiht Escher seine Stimme und taucht so tief ein, als ob Escher persönlich aus dem Raum der Unendlichkeit zu uns spräche.

Die Dokumentation M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit beginnt mit einem kleinen Eklat. Die Rolling Stones wollten für ein Schallplattencover eine Grafik von Escher verwenden und baten um die Urheberrechte. Escher war aber sauer auf die Hippie-Generation, weil die seine Schwarzweißgrafiken zwar liebten, sie aber mit knallbunten Farben versahen und das noch, ohne um Erlaubnis oder nach Urheberrechten zu fragen. Den Frust musste nun ausgerechnet Mick Jagger ausbaden, der seine Anfrage zu salopp formuliert hatte: „Sagen Sie Herrn Jagger, für ihn bin ich nicht Cornelis, sondern M.C. Escher!“ bat er seinen Sekretär, ihm zu antworten. Die Urheberrechte gab es auch nicht.

Escher wurde 1898 in den Niederlanden geboren, wo er verschiedene grafische Techniken erlernte, darunter den Holzdruck. Ab 1921 bereiste er Italien und später Spanien, wo er in der im maurischen Stil der Islamkunst erbauten Alhambra eine Art Erweckungserlebnis hatte. Die wiederkehrenden Motive der arabischen Ornamentik prägten fortan sein künstlerisches Schaffen. Er versuchte Metamorphosen zu bebildern und die Illusion der Unendlichkeit zu erzeugen. Seine Figuren sind meist geometrisch, aber er spielt mit Perspektiven, die in der Realität nicht möglich sind, darunter optische Täuschungen. So sieht auf den ersten Blick alles sehr übersichtlich aus, auf den zweiten erkennt man aber, dass oben und unten oder die Seiten nicht stimmen. Wunderbar zurückgenommene 3D-Animationen ahmen die in den Grafiken angedeuteten Richtungen nach, so dass dadurch ein tieferes Verständnis für deren visuelle Paradoxien entsteht und sich auch der große Erfolg erklärt, weil durch Eschers Einfluss unser Blick und unsere Sehgewohnheiten erweitert wurden, selbst wenn man nie von ihm gehört hat.

Der Film zeichnet anhand von Zitaten, Bildern, historischem Filmmaterial und Interviews mit den beiden Söhnen den Lebensweg Eschers nach, der mit seiner Frau Jetta eine gute Ehe führte, die aber von einer Bipolaren Störung seiner Frau getrübt war. Sie stammte aus Russland und hatte mit ihren Eltern nach der Oktoberrevolution ihre Heimat verlassen müssen. Da sie auch Künstlerin war, verstanden sie sich auf dieser Ebene sehr gut. Für die Söhne waren die depressiven Phasen der Mutter besonders schwer. Die Eschers hatten zwei Weltkriege erlebt, und Escher kam mit faschistischen Regimen nicht zurecht. Deshalb hatte er Italien unter Mussolini verlassen, und als die Nationalsozialisten 1944 seinen jüdischen Lehrer Samuel Jessurun de Mesquita nach Auschwitz deportierten, rettete Escher zirka 450 seiner Werke, die beim Verwüsten von dessen Atelier auf die Straße geworfen worden waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Eschers Popularität zunehmend, und er hatte regelmäßige Einnahmen. Er verstarb 1972 in Hilversum.

*

Der Film entstand in Kooperation mit der Gesellschaft, die sich des Erbes Eschers angenommen hat, The M. C. Escher Company B. B. in Baarn, Holland.



In Ewigkeit miteinander verbunden. Selbstbildnis von M. C. Escher und seiner Frau Jetta | © The M.C. Escher Company B.V.- Baarn – the Netherlands, MFA+ film distribution

Helga Fitzner - 10. Oktober 2019
ID 11738
Weitere Infos siehe auch: https://www.mfa-film.de/kino/id/m-c-escher-reise-in-die-unendlichkeit/


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