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73. BERLINALE

BERLINALE SPECIAL

Superpower


Bewertung:    



Die BERLINALE-Leitung hat sich vor dem Festival „mit den Menschen in der Ukraine und den mutigen Protestierenden im Iran, die sich gegen ein brutales undemokratisches Regime zur Wehr setzen“ solidarisch erklärt und hat mit Veranstaltungen und in der Filmauswahl sowie „Schwerpunkte zu Iran und Ukraine“ gesetzt.

Einer der Filme, die schon vor seiner Aufführung viel Wirbel verursacht hatten, ist der US-amerikanische Beitrag Superpower des Dokumentarfilmers Aaron Kaufman und des Schauspielers und Produzenten Sean Penn. Von Penn ist bekannt, dass er sich in seinem Heimatland innenpolitisch engagiert (für die Bürgerrechte und die Partei der Demokraten) und sich für verschiedene Hilfsprojekte – darunter auch von ihm selbst gegründete – zugunsten von Flüchtlingen starkmacht. Schon im Jahre 2021 fasste er mit dem Dokumentarfilmer Kaufmann den Plan, ein Porträt über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu drehen – immerhin war der mal ein Kollege von Penn im ukrainischen Fernsehen, wo er in einer Satiresendung den Präsidenten spielt, bevor er im Mai 2019 tatsächlich dazu gewählt wurde.

Trotz der angespannten Situation im ukrainisch-russischen Grenzgebiet im Winter 2021/22 und Warnungen vor einer Reise in die Ukraine machen sich Penn und Kaufmann im Februar 2022 auf den Weg nach Kiew, um Selenskyi dort persönlich zu interviewen. Etliche Gespräche US-amerikanischer Staatsbeamter über die Außenpolitik der USA gegenüber der Ukraine und Russland hatten sie damals schon im Kasten. Der besondere Clou des Films besteht darin, dass die Regisseure just am Tag des Überfalls der russischen Armee auf die Ukraine eine Verabredung mit Selenskyi haben und sich quasi im Herzen des Geschehens befinden – ein Geschehen, von dem niemand ihrer ukrainischen Kontaktleute geglaubt hat, dass es eintreten würde.

Nachdem die amerikanische Filmcrew hilflos mitansehen (und –hören) musste, wie Raketen in Kiew einschlagen und ein russischer Panzerkonvoi auf dem Weg in die Hauptstadt ist, treffen sich Penn und Selenskyi auch tatsächlich im Kellergeschoss des Präsidentenpalastes. In der knapp 15-minütigen Unterredung ist Penn von der Entschlossenheit und dem Mut des unwillkürlich zum Kriegshelden heranwachsenden Selenskyis tief beeindruckt – der seinerseits die Chance sieht, mittels Penns Popularität auf die prekäre Situation seines Landes aufmerksam zu machen.

Penn und Co flüchten zwar 2 Tage später aus Kiew Richtung Polen – mit Koffern an einem kilometerlangen Autocorso von Flüchtlingen vorbei -, besuchen die Ukraine aber im Sommer 2022 nochmals. Dabei dokumentieren sie Bilder der sinnlosen Zerstörungen durch die russische Artillerie, aber auch die Standfestigkeit und den Willen zum Widerstand gegenüber den Besatzern. Der Film ist wie die meisten zeitgenössischen amerikanischen Dokumentarfilme für ein ungeduldiges, heimatliches Publikum nahezu atemlos geschnitten, mit vielen Nachrichtenbildern und mit Penns direkt in die Kamera gesprochenen Kommentaren garniert.

Dieses bisweilen hektische Konglomerat gönnt den Zuschauern kaum Zeit zum Verdauen und Reflektieren und nimmt den Interviews mit Selenskyi leider auch ein Stück weit ihre Besonderheit, da sie inmitten des Bilderstakkatos kaum Platz zur Entfaltung haben. Dass Penn wie ein Ko-Star neben Selenskyi wirkt – angesichts seiner abenteuerlichen Erlebnisse in Kiew ist es verzeihlich. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Film sich an ein amerikanisches Publikum richtet, dass noch weniger als die meisten von uns über die Hintergründe des lange gärenden Konfliktes in Osteuropa weiß. Aber auch unter diesem Gesichtspunkt hätten Kaufmann und Penn auf viele News-Schnipsel verzichten sollen. Viel Neues lernen wir durch den Film nicht, aber ein paar starke Momente bleiben.



Superpower | (C) The People's Servant LLC 2022

Max-Peter Heyne - 28. Februar 2023
ID 14071
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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