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Sterben

in Anmut



Friedemann Vogel und Alicia Amatriain in der Wiederaufnahme von John Neumeiers Die Kameliendame | (C) Stuttgarter Ballett

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Mal ehrlich: wer liest heute noch den Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas dem Jüngeren, dem Sohn des Autors der Drei Musketiere und des Grafen von Monte Christo? Der Stoff lebt in Form einer der meistgespielten Opern weiter, als La traviata von Giuseppe Verdi, und wurde mehrmals, unter anderem mit Greta Garbo, verfilmt. Er ist somit eins der wenigen überzeugenden Beispiele für Romanadaptionen, die dem Original überlegen sind.

Vor 40 Jahren hat John Neumeier für die Stuttgarter Compagnie und für Marcia Haydée, die Primaballerina und Nachfolgerin des fünf Jahre zuvor verstorbenen John Cranko in der Titelrolle, das Ballett Die Kameliendame und somit ein abendfüllendes Handlungsballett geschaffen, das sich mit Crankos legendärem Onegin vergleichen lässt. Vor acht Jahren stand es wieder auf dem Spielplan, mit der bezaubernden Sue Jin Kang als Marguerite Gautier und Marijn Rademaker als ihr Geliebter Armand Duval. Inzwischen hat Sue Jin Kang in ihrer Heimat Südkorea Karriere gemacht, und Rademaker ist in die Niederlande zurück gekehrt. In der aktuellen Wiederaufnahme erobern Alicia Amatriain und Friedemann Vogel in den Hauptrollen die Herzen der Zuschauer, was ihnen freilich nicht schwer fällt, weil sie schon seit langem die unumstrittenen Stars der Truppe sind. Wenn Jason Reilly in der sehr viel kleineren Rolle von Armands Vater – den größten Teil des dreistündigen Abends muss er steif im Halbdunkel am Rand der Bühne sitzen – beim begeisterten Schlussapplaus nicht schlechter wegkommt als die sichtlich erschöpfte Alicia Amatriain und der strahlende Friedemann Vogel, beweist das, dass das qualifizierte Stuttgarter Publikum nicht nach Quantität, sondern nach Qualität bewertet.

Der Stoff ist wie für den Tanz geschaffen. Er liefert jede Menge Anlässe für Soli, für Pas de deux und für Ensembleszenen, für Spitzentanz, Hebungen und Sprünge. Ausgangspunkt des Librettos ist das Ende, bei dem eine Auktion von Gegenständen der Verstorbenen angekündigt wird, an die sich nach und nach abgerufene Erinnerungen knüpfen. Jürgen Rose ließ sich dabei für den Bühnenraum des Prologs offenbar von Genrebildern des 19. Jahrhunderts inspirieren, um in der Folge zu jener Reduktion zu finden, die man von ihm kennt.

Als Parallele zur Haupthandlung lässt Neumeier auf einer Bühne auf der Bühne Fragmente aus Manon Lescaut tanzen – einem thematisch verwandten Roman, der bei Dumas beiläufig erwähnt wird. Wie in Verdis Oper bestimmen romantisch-sentimentale Akzente den Charakter des Stücks. Aber Neumeier mischt auch komische Momente in die Choreographie, etwa wenn sich die Gesellschaft über Marguerites Kammerfrau lustig macht, die sich bemüht, deren Tanzschritte nachzuahmen.

Für die Musik hat sich John Neumeier ausschließlich bei Chopin bedient, der von drei Pianisten und dem Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung des Ballett-Spezialisten James Tuggle interpretiert wird.




Friedemann Vogel und Alicia Amatriain in der Wiederaufnahme von John Neumeiers Die Kameliendame | (C) Stuttgarter Ballett

Thomas Rothschild – 18. Januar 2019
ID 11155
DIE KAMELIENDAME (Opernhaus Stuttgart, 16.01.2019)Choreographie und Inszenierung: John Neumeier
Musik: Frédéric Chopin
Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose
Mit: Alicia Amatriain (Marguerite Gautier), Friedemann Vogel (Armand Duval), Jason Reilly (Monsieur Duval) u.a.
Stuttgarter Ballett
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: James Tuggle
Uraufführung am Stuttgarter Ballett: 4. November 1978
Weitere Termine: 20., 24., 26.01. / 03., 05.02. / 13., 19., 21., 27.04. / 25., 26.07.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.stuttgarter-ballett.de


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