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21. Februar 2010, Deutsche Oper Berlin

DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG



Klaus Florian Vogt war zum ersten Mal Walther von Stolzing in Wagners MEISTERSINGERN an der Deutschen Oper Berlin - Foto (C) Alex Lipp

Rosinenpicken (87)

Die sogenannten Wagner-Wochen 2009/2010 an der Deutschen Oper Berlin klangen letzten Sonntag offiziell mit den MEISTERSINGERN aus; sie bestanden fernerhin aus der Premiere des RIENZI (wir berichteten darüber) sowie den Reprisen von TRISTAN, HOLLÄNDER, TANNHÄUSER, LOHENGRIN. Warum der RING - der in zwei Serien in den nächsten beiden Monaten dann noch vonstatten gehen wird - nicht zu den Wagner-Wochen zählte? Keine Ahnung.
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG in der herkömmlichen Produktion Götz Friedrichs und Peter Sykoras sah ich schon paar Dutzend mal, ja und sie unterscheiden sich dann jedesmal "nur" per Besetzungszettel. Diesmal debütierten James Johnson als Hans Sachs, Kristinn Sigmundsson als Veit Pogner und Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing; Letzteren kennen und schätzen und lieben wir aus elitären Nah-Erlebnissen von Bayreuth (Stolzing) oder Hamburg (Parsifal) oder auch, vor nicht allzu langer Zeit, beim DSO hier in Berlin (in Humperdings "Königskinder") sowie von der Lindenoper (Lohengrin)... / Markus Brück freilich, als Beckmesser, lieferte - wie schon in den letzten Jahren - ein schier kabinettstückartiges Fanal an Darstellung sowie Gesang; er scheint im Augenblick, wahrscheinlich weltweit überhaupt, d e r Beckmesser der Beckmesser zu sein!!!


Immer wieder Stein des Anstoßes - Richard Wagners Schmähschrift über DAS JUDENTUM IN DER MUSIK. In seinen MEISTERSINGERN geht es auch, obzwar verschlüsselt, antisemitisch zu, wenn man sich Sixtus Beckmesser als einen Prellbock der Geschichte (in den MEISTERSINGERN) denkt...


Und wie ich jetzt also DIE MEISTERSINGER wieder einmal hörte und auch sah - ja und es laufen neuerdings jetzt immer auch die Texte in den Übertitelungen mit; im Falle Wagners wohl ein einleuchtend-beleuchtender Gewinn für aufmerksame Leser - , stelle ich doch mit Entsetzen fest: DIE MEISTERSINGER sind so peinlich wie nicht minder abgeschmackt, um nicht zu sagen kreuzgefährlich, denn: Sobald ich mir den Beckmesser - und so sehr fern ist der Gedanke nicht - als Juden denke - und die Meistersinger-Flagge mit dem Davidstern (ein sinnstiftender Einfall der Regie) macht diesen Kurzschluss in mir schon perfekt - , sehe ich Wagners Antisemitismus, aus dem Text und aus der dramaturgischen Konstellation des insgesamten Stücks heraus, fast hakenkreuzartiger Weise über alle gute Absicht (Wagners) prangen. MEISTERSINGER waren nicht per Zufall dann die Repräsentationsoper der Nazis; und nicht zufällig gab es in Bayreuth, mitten rein im Zweiten Weltkrieg, "Front"-Vorstellungen derselben, wo die Nazis dann Soldaten aus der Wehrmacht in das Festspielhaus bestellten usw. usf. / Die Prügelszene könnte selbstverständlich auch als Aufruf zum Pogrom verstanden sein; sie wurde ausgelöst durch Beckmessers (entnervenden) Gesang. // Auch Pogners oder Sachsens widerliche national-nationalistischen Verlautbarungen ("deutsch und echt" etc. pp.) lassen doch eigentlich das Blut gefrieren; jedenfalls: Mich kotzte diese ganze Text-Scheiße, wie nie zuvor, dermaßen an, dass ich - nicht nur bei Ablauf jener Prügelszene - heulkrampfmäßig Zustände bekam... [Mein Freund ist jüdischer Abstammung, sein Vater war, gottlob, noch rechtzeitig über den Großen Teich gekommen, er war Geiger; eine Tante John's ging rechtzeitig nach Palästina; und ein weiterer Verwandter John's nahm sich das Leben...]
Katharina Wagner - so begreife/sehe ich das jetzt erst - hat das einzig Richtige mit diesen MEISTERSINGERN angestellt, indem sie sie in Bayreuth ganz und gar zur Sau machte. Das Machwerk darf nie deutschtümelnder Weise übertragen werden. Wenn schon MEISTERSINGER szenisch, dann entweder hart und mit geballter anti-nationaler Konsequenz o d e r halt als Total-Verarsche. MEISTERSINGER volksnah darzustellen (auch die Kupfer-Inszenierung an der Lindenoper ist nicht besser), ist und bleib sehr kontraproduktiv und außerordentlich gefährlich; ja, des Volkes Sinn und Stimme gehen meistens nach dem Maul ...


a. so. - red / 23. April 2010
ID 00000004565
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG (21.02.2010, Deutsche Oper Berlin)
Musikalische Leitung DONALD RUNNICLES
Inszenierung GÖTZ FRIEDRICH
Bühne PETER SYKORA
Kostüme KIRSTEN DEPHOFF / PETER SYKORA
Besetzung: JAMES JOHNSON (Sachs), KRISTINN SIGMUNDSSON (Pogner),
STEPHEN BRONK (Kothner), MARKUS BRÜCK (Beckmesser), KLAUS FLORIAN VOGT (Stolzing), PAUL KAUFMANN (David), MICHAELA KAUNE (Evchen), ULRIKE HELZEL (Lene) u. v. a.
CHOR und EXTRACHOR DER DEUTSCHEN OPER BERLIN
(Choreinstudierung: WILLIAM SPAULDING)
ORCHESTER DER DEUTSCHEN OPER BERLIN

Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de





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