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Premierenkritik

Der singende

Mao



Nixon in China an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Matthias Baus

Bewertung:    



Als Achim Freyer in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der Stuttgarter Staatsoper Satyāgraha, Echnaton und Einstein on the beach von Phil Glass inszenierte, bedeutete das für ein breiteres Publikum die Begegnung mit jener repetitiven Musik, die man „Minimal Music“ nannte. Die Serie wurde damals bejubelt wie ein Popkonzert. Inzwischen ist die Anregung in die Filmmusik abgewandert. Auch Ballettchoreographen bedienen sich gerne in ihren Gefilden. Die meditative, manchmal auch einschläfernde musikalische Wiederholung hat Rost angesetzt.

Die Wiederentdeckung von Nixon in China aus dem Jahr 1987 macht nicht nur dies deutlich, sondern auch die Tatsache, dass der Komponist John Adams bei aller Vergleichbarkeit in der Methode harmonisch und erst recht rhythmisch nicht an seine Kollegen Phil Glass oder gar Steve Reich heranreicht. Das Stuttgarter Publikum schert das nicht. Es bedankte sich nach fast vier Stunden mit anhaltender Geräuschentwicklung, die zu verstehen gab, dass ein leises Ausklingen der Musik von den akustisch lokalisierbaren Freunden und Verwandten der zahlreichen Chorsänger nicht geduldet wird. Ob die Impulse, die eigentlich ganz normal aussehende Menschen Tierlaute von sich geben lassen, schmerzhaft sind? Deren Lärmanfälle jedenfalls sind ein Affront gegen die Ohren der Nachbarn.

*

Nixon in China handelt, wenn man dieses Verb denn verwenden will, genau von dem historischen Ereignis, das der Titel benennt: vom Besuch des amerikanischen Präsidenten im kommunistischen Imperium. Eine heutige Variante müsste wohl Trump in Nordkorea heißen. Physiognomische Mimikry wird, jedenfalls in der Regie von Marco Štorman, nicht angestrebt. Die Maskenbildner konnten Urlaub machen.

Zwischen der Musik und dem Text von Alice Goodman gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang. Ob es um Nixon, Kissinger, Mao Tse-tung geht oder um den entführten und ermordeten Behinderten Klinghoffer – die Musik kümmert sich nicht darum. Da passt auch das berühmte Agitationsballett Das Rote Frauenbataillon als Zitat hinein. Die chinesische Originalmusik wurde ohnedies amputiert. Stattdessen experimentiert Adams mit Effekten, etwa dem Raumklang durch die Positionierung der Chorsänger auf den Rängen.

Im dritten Akt schließlich, in dem es kaum noch visuelle Einfälle gibt, wird die Musik doch noch vielfältiger. Anstelle des Nachbaus paradigmatischer und symbolträchtiger Bilder und Fotos, sieht man nun eine surreale Montage mit dem Dirigenten André de Ridder ohne Orchester am Bühnenrand. In durchweg langsamem Tempo führt er zur Melancholie des lyrischen Ausklangs. Die zwei Ks, die uns bei der Bewertung des Werks übrig geblieben sind, fügen wir bei den hervorragenden Interpreten hinzu, allen voran bei Michael Mayes als Nixon, Jarrett Ott als Chou En-lai, Matthias Klink als Mao und Katherine Manley als Pat Nixon. Sie, in der Tat, haben jeden Applaus verdient.




Nixon in China an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Matthias Baus

Thomas Rothschild - 8. April 2019
ID 11340
NIXON IN CHINA (Opernhaus, 07.04.2019)
Musikalische Leitung: André de Ridder
Regie: Marco Štorman
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Sara Schwartz
Licht: Reinhard Traub
Video: Bert Zander
Choreographie: Alexandra Morales
Dramaturgie: Ingo Gerlach
Chor: Bernhard Moncado
Besetzung:
Chou En-lai ... Jarrett Ott
Richard Nixon ... Michael Mayes
Henry Kissinger ... Shigeo Ishino
Nancy T'ang (First Secretary to Mao) ... Ida Ränzlöv
Second Secretary to Mao ... Fiorella Hincapié
Third Secretary to Mao ... Luise von Garnier
Mao Tse-tung ... Matthias Klink
Pat Nixon ... Katherine Manley
Chiang Ch'ing (Madame Mao Tse-tung) ... Gan-ya Ben-gur Akselrod
Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart
Premiere an der Staatsoper Stuttgart: 7. April 2019
Weitere Termine: 12., 20.04. / 03., 09., 11.05.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-stuttgart.de


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