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Premierenkritik

Die Wahrheit

auf dem

Prüfstand



La verità in cimento am Theater und Orchester Heidelberg | Foto (C) Sebastian Bühler

Bewertung:    



Antonio Vivaldi war nur sieben Jahre älter als Georg Friedrich Händel. De facto waren sie Zeitgenossen. Beide haben zahlreiche Opern geschrieben. Von Händels Opern aber gab es in der vergangenen Saison weltweit 134 Produktionen und 428 Aufführungen, von Vivaldis Opern hingegen gerade 5 Produktionen, davon 3 von Orlando furioso, und 82 Aufführungen. Man könnte mutmaßen, dass es an den nicht gerade atemberaubenden Libretti und den zahllosen Wiederholungen liegt, wenn das nicht ebenso für die meisten Barockopern, auch und gerade jene von Händel, zuträfe. Ihre Texte dienen weniger der Vermittlung von Informationen als der Singbarkeit (ein entscheidendes Argument für die Aufführung in der Orginalsprache). „Prima la musica, poi le parole.“

Das Theater Heidelberg zeigt jetzt im Rokokotheater Schwetzigen La verità in cimento. Diese wiederentdeckte Oper Vivaldis steht zurzeit nur noch in Zürich auf dem Spielplan. Das Theater im Schwetzinger Schloss gibt den kongenialen Rahmen für eine Barockoper ab. Besser: es gäbe ihn ab. Denn die Regisseurin Yona Kim hat die Handlung, wie sich‘s gehört, in die Gegenwart verlegt. Aber die Handlung wird nicht durch Kostüme zu einer gegenwärtigen. Es ergibt sich das Paradox, dass die Inszenierung den historischen Raum mit seiner übrigens hervorragenden Akustik und die historischen Instrumente nicht etwa nutzt, sondern ihnen widerspricht. Auch die Verlegung von einem orientalischen Serail in eine westliche Großbürgerwohnung bürdet dem Libretto über die ökonomischen Folgen einer Kindsvertauschung einige Verrenkungen auf. Vater Mamud erklärt: „Unbedacht ist, wer liebt, was Nachteile bringt“, und der Ablauf scheint ihm recht zu geben. Gegen das Lob der Untreue und des Materialismus hat das Libretto wenig vorzubringen. Immerhin macht diese Oper sehr deutlich, was hinter dem Gerede über Identität steckt: die Sicherung des Erbes.

Yona Kim verteilt das kleine Ensemble mit ausschließlich hohen Stimmlagen, das bei der Zugabe beweist, dass es auch ohne szenische Anstrengung auskommt, mitsamt Statistinnen, die bei der Verneigungschoreographie von einer aus der Seitenkulisse ragenden sichtbaren Hand angeleitet werden, über die dreigeteilte Bühne. Wenn die Dienstmagd und Ex-Geliebte Mamuds Damira, die ihren unehelichen Sohn reich verheiratet sehen möchte, ihren wahre Charakter enthüllt, nimmt sie ihre Perücke und ihre Oberkleidung ab. Hatten wir das nicht schon einmal? Für Soloarien schließen sich die hinteren Vorhänge und lassen die Sängerin oder den Sänger allein auf der Vorderbühne zurück.

Musikalisch freilich ist diese Oper jede Aufführung wert. Sie erfreut mit einer Fülle berauschender Melodien und mit Koloraturen, die Eigengewicht gewinnen: Prima la musica. Ob die reichlichen und hörbaren Kürzungen ein Plus sind oder ein Zugeständnis an ein ungeduldiges Publikum, das keine zweieinhalb Stunden ohne einen Blick auf das Smartphone aushält, sei dahingestellt. Die Wahrheit steht auf dem Prüfstand.




Francisco Fernández-Rueda (als Sultan Mamud) und Franziska Gottwald (als Damira) in La verità in cimento am Theater und Orchester Heidelberg | Foto (C) Sebastian Bühler

Thomas Rothschild – 1. Dezember 2018
ID 11076
LA VERITÀ IN CIMENTO (Rokokotheater Schwetzingen, 30.11.2018)
Musikalische Leitung Davide Perniceni
Regie: Yona Kim
Bühne: Jan Freese
Kostüme: Falk Bauer
Dramaturgie: Thomas Böckstiegel
Besetzung:
Melindo ... David DQ Lee
Zelim ... Philipp Mathmann
Sultan Mamud ... Francisco Fernández-Rueda
Rosane ... Francesca Lombardi Mazzulli
Damira ... Franziska Gottwald
Rustena ... Shahar Lavi
Statisterie des Theaters und Orchesters Heidelberg
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Premiere am Theater und Orchester Heidelberg: 30. November 2018
Weitere Termine: 03., 06.12.2018


Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterheidelberg.de


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