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Premierenkritik

Freiheit

über alles



Carmen an der Oper Leipzig | Foto (C) Tom Schulze

Bewertung:    



"Frei will ich sein, frei selbst noch im Tod", singt Carmen kurz bevor sie von Don José getötet wird. Diesen Satz kann man als Sinnbild für die Hauptfigur in George Bizets populärster Oper ansehen, die am Freitagabend ihre Premiere an der Leipziger Oper feierte.

Denn Freiheit ist Carmens höchstes Gut, das sie mit allen Mitteln zu verteidigen gedenkt. Frei in der Gestaltung ihres Lebens, frei in der Liebe. Doch dieser unbedingte Freiheitsdrang hat seinen Preis.

Regisseurin Lyndy Hume inszeniert ihre Carmen als selbstbestimmte Frau, weit weg von anrüchigen Femme fatale-Bildern. Das ist zwar keine umstürzende Neudeutung der Figur, aber auch nicht vollkommen abwegig, wird die Freiheit von ihr doch mehrfach gepriesen.

Zusammen mit Bühnen- und Kostümbildner Dan Potra reduziert sie die Gestaltung der Spielfläche auf ein Minimum: Zwei verschiebbare Wände, eine flexible Treppenkonstruktion und hin und wieder ein paar Tische und Stühle reichen vollkommen aus, um das Drama wirkungsvoll ins Szene zu setzen. Bei der Schmugglerszene in den Bergen öffnen sich die Wände zum nachtschwarzen Sternenhimmel, ehe sie sich am Ende zur "Falle" verengen und der Tod unausweichlich ist. Die Kostüme gehen zwar in eine eher traditionelle Richtung, wirken jedoch im Zusammenspiel mit dem dezenten Bühnenbild nicht klischeehaft.

Wallis Giunta ist nicht nur optisch mit ihren roten Haaren weit entfernt von gängigen Carmen-Klischees, vor allem auch stimmlich ist sie eine vollkommen andere Carmen als man sie gewohnt sein mag. Frisch, frech, selbstbewusst und frei in der Darstellung (man könnte auch sagen extrem cool und tough), mit hellem, klug eingesetztem, jugendlichem Mezzo-Timbre, ohne unschöne Brusttöne und weitab jeglicher matronenhafter Schwere zeichnet sie ein großartiges und eindrucksvolles Rollenportrait und beweist damit, dass eine Carmen nicht unbedingt ein dramatisch-ausladender Mezzo mit vamphaftem Auftreten sein muss. Warm und trotzdem schlank in der Mittellage, strahlend und kraftvoll in der Höhe und unglaublich wandelbar, so klingt eine moderne Carmen!

Umso ungünstiger fällt das Urteil für Leonardo Caimis Don José aus. Darstellerisch ist er zwar weniger der schüchterne Soldat als vielmehr ein imposantes Mannsbild, gut aussehend und kernig, glaubhaft in seiner absoluten Verzweiflung im Finale, doch stimmlich offenbart er an diesem Abend leider einige Schwächen. Sein sonst so strahlender, höhensicherer und schmelzender Tenor (mit dem er in Leipzig zuletzt in Turandot begeisterte) hat hörbare Schwierigkeiten mit der Höhe, die Stimme klingt eng und die Intonation ist unsauber. Das ist unglaublich schade, weil seine Stimme eigentlich perfekt für diese Rolle ist.

Olena Tokar singt mit ihrem wundervoll ausdrucksstarken, ausgeglichenen und ungemein berührendem lyrischen Sopran eine zu Herzen gehende Micaëla. Sehr mädchenhaft und manchmal fast schüchtern ist ihr Spiel.

Gezim Myshketa singt den Escamillo mit kraftvoll-dramatischem Bariton, auch wenn man ihm den Macho, dem Carmen sofort verfällt, nicht recht abnehmen kann.

Bianca Tognocchi und Sandra Maxheimer glänzen in ihren kurzen Szenen als Frasquita und Mercédès. Ebenfalls darstellerisch wie stimmlich gut aufgelegt sind als Zuniga, Sven Hjörleifsson und Jonthan Michie als Schmuggler Remendado und Dancairo.

Chor und Kinderchor (Choreinstudierungen: Thomas Eitler-de- Lint, Sophie Bauer) sind sehr präsent und gefordert, sei es als Wachen, Schmuggler oder als Zuschauer beim Stierkampf.

Matthias Foremnys Dirigat ist leicht und läuft nie Gefahr, die Sänger mit Klangwellen zuzudecken. Musikdramatische Effekte lässt er geschickt aufleuchten und das Gewandhausorchester bringt das besondere Flair der Partitur trotz einiger minimaler Ausrutscher schön zum Klingen.

Eine revolutionierende Inszenierung ist das nicht, aber trotzdem in jeder Hinsicht plausibel und szenisch bestens gemacht, entsprechend fällt der Applaus fürs Regieteam am Ende eher brav aus. Wallis Giuntas Debüt ist glänzend gelungen und wird von den Zuschauern (neben Publikumsliebling Olena Tokar) kräftig beklatscht und bejubelt.



Carmen an der Oper Leipzig | Foto (C) Tom Schulze

Eva Hauk - 1. Dezember 2018
ID 11077
CARMEN (Oper Leipzig, 30.11.2018)
Musikalische Leitung: Matthias Foremny
Inszenierung: Lindy Hume
Bühne und Kostüme: Dan Potra
Choreinstudierung: Thomas Eitler-de-Lint
Einstudierung Kinderchor: Sophie Bauer
Dramaturgie: Nele Winter
Besetzung:
Carmen ... Wallis Giunta
Don José ... Leonardo Caimi
Micaëla ... Olena Tokar
Escamillo ... Gezim Myshketa
Frasquita ... Bianca Tognocchi
Mercédès ... Sandra Maxheimer
Remendado ... Sven Hjörleifsson
Dancairo ... Jonathan Michie
Zuniga ... Sejong Chang
Moralès ... Franz Xaver Schlecht
Lillas Pastia ... Jean-Baptiste Mouret
Komparserie und Chor der Oper Leipzig
Gewandhausorchester Leipzig
Premiere war am 30. November 2018.
Weitere Termine: 15., 22., 27.12.2018 // 02., 23.02. / 03.03.2019


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper-leipzig.de


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