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26. Februar 2009, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

PAULUS von Mendelssohn



Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1947)

200 Jahre Felix Mendelssohn Bartholdy (II)

PAULUS ist noch spannender und schöner als ELIAS. Spannender, weil Mendelssohn hier eine Handlung installiert - die ist zwar auch in dem ELIAS da, aber halt nicht so spannend (wie im PAULUS) mitzuhören, mitzulesen - ; schöner, weil es in dem PAULUS irrschöne Choräle gibt... die, also die Choräle, nimmt Janowski dann in seiner Interpretation durchs Rundfunk-Sinfonieorchester und den Rundfunkchor Berlin (Johannes Prinz hatte ihn einstudiert) aufs Drastische zurück, das heißt er schenkt ihnen den Frieden und die Ruhe, die sie von dem "Rest" der Handlung in die Höhe heben, und sie klingen fast, als wären's irrlichterne Wolkenrufe; weicher, leiser kann man sie nicht wiedergeben.

Die Zentralgewalt, also das überwiegend forsch Vorantreibende dieser Aufführung, obliegt - nicht anders übrigens als im ELIAS - dem das Werk fast vollständig vereinnahmenden Chor. Da gibt es derart einschneidende Stellen, dass es einem körperlicherseits fast selber zuzusetzen droht; ein Beispiel:

Dieses "Steinigt ihn!" - es kommt in vielen abendländischen Vokalwerken seit Bach so vor - erzeugte, in der Tat, in mir die Suggestion von körperlichem Schmerz. Der Rundfunkchor schleudert es derart hart, brutal und ohne jede Gnade auf den (ahnungsslosen) Zuhörer herab, nein, er bewirft ihn regelrecht damit... dass ich mich unversehens an den Kopf zu fassen und zu prüfen, ob mir da ein Blutloch, eine Wunde durch ein auf mich ein katapultiertes Wurfgeschoss entstanden war, genötigt sah; so sehr geschmerzt, also mit dieser Ballkraft, hatte ich eine tonale Vollattacke nie vorher erlebt.

Und immer wieder dieses generelle Ätzen in dem Massenpart. Diese Soprane (Rundfunkchor Berlin) sind einzigartig, und du hörst sie meilenweit aus dem Gemisch der Stimmgewaltigen heraus. Sie reißen dir das Stirnband eins-zwei-drei in Fetzen, und du stehst ganz plötzlich, wenn dich diese Eiseshöhe, also wenn sie lautvoll auf dich niedersaust, im Freien... so geschockt bist du, also im ersten Augenblick!


So sieht Detlef Roth aus, wenn er den Amfortas in Herheims großtuerischer und nervös machender Inszenierung PARSIFAL bei den Bayreuther Festspielen gibt, da machte er (also Detlef Roth) im letzten Jahr, ganz nebenbei bemerkt, die beste der Figuren. Ja und so ähnlich (also wie auf diesem Bild hier) könnte ja auch PAULUS ausgesehen haben. Niemand weiß das so genau. - Foto (C) 2008 Bayreuther Festspiele

Ja, die Solisten - also außerhalb des Rundfunkchores - haben es nicht leicht, den vorgegebenen HypQualitäten zu entsprechen: Sunhae Im oder Detlef Roth (als Paulus) können da am ehesten noch mithalten. Dass Christoph Genz, der die Tenorparts übernommen hatte, uneinschätzbar bleiben muss, mag der fast vollständigen Indisponibilität des Sängers nachgeschuldet sein. Und Anke Vondung (Alt): passabel.

Auch das fiel auf: Marek Janowski ließ den PAULUS ohne Orgelfundamente musizieren. Das verlieh ihm, auch, dann diese anmaßende Schlankheit, die dem Werk nicht unentsprechend ist.

Sehr aufgewühlt und irgendwie doch völlig durcheinander geht man nach dem PAULUS heim:

Der freiwillige Atheist versucht sich vorzustellen, wem er jetzt noch wie-warum-was glauben sollte oder wollte oder was weiß ich...

Nicht auszudenken, was dem Mendelssohn für Opern bald geraten wären, wäre er ein bisschen älter noch geworden - wenigstens so alt wie Wagner.


PAULUS von Felix Mendxelssohn Bartholdy (26.02.2009)
Sunhae Im (S)
Anke Vondung (A)
Christoph Genz (T)
Detef Roth (B)
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Johannes Prinz)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Marek Janowski


Andre Sokolowski - red. / 26. Februar 2009 http://www.andre-sokolowski.de
ID 4217

Weitere Infos siehe auch: http://www.rsb-online.de





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