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Operette

Aloha


DIE BLUME VON HAWAII

beim Lehár Festival

Bad Ischl


Sieglinde Feldhofer in Paul Abraham´s Die Blume von Hawaii | (C) www.fotohofer.at

Bewertung:    



Fast jeder kennt das Lied „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“, vielleicht auch „Meine Mama war aus Yokohama“ oder „Mausi, süß warst du heute Nacht“. Sie stammen aus der Operette Viktoria und ihr Husar. Deren Komponist aber, Paul Abraham, ist so gut wie vergessen. Das Schicksal vieler Exilanten. Anfang der dreißiger Jahre war der aus Ungarn stammende Abraham Deutschlands erfolgreichster Komponist. 1933, nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, musste er als Jude das Land verlassen. Auf Umwegen kam er schließlich in die USA, wo er an syphilitischer Gehirnhautentzündung erkrankte. Als er 1956 nach Deutschland zurückkehrte, blieben ihm noch vier Jahre bis zu seinem kaum beachteten Tod.

Abrahams seinerzeit populärste Operette neben Viktoria und ihr Husar war Die Blume von Hawaii. Nun hat das Lehár Festival in Bad Ischl, das sich in der idealen Kulisse der kaiserlichen Sommerfrische und von Lehárs Residenz seit Jahren um die Gattung der Operette kümmert, mit einer Neuproduktion und einem eintägigen Symposium an Abrahams Werk erinnert. Die Aufführung ist geeignet, auch Skeptiker gegenüber dem Genre Operette umdenken zu lassen – nicht nur wegen der vom Jazz, genauer: vom Swing beeinflussten schmissigen Musik, sondern auch wegen des Librettos von Imre Földes, Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda. Földes und Grünwald überlebten wie Abraham im Exil, Löhne-Beda wurde in Auschwitz ermordet.

*

Die Blume von Hawaii handelt von der hawaiianischen Prinzessin Laya, die in Paris aufgewachsen ist und nun inkognito in ihre amerikanisch besetzte Heimat zurückkehrt, um dort zur Königin gekrönt zu werden. Nach allerlei Verwicklungen mit zwei Männern, die um sie werben, dem Prinzen Lilo-Taro und dem Kapitän Reginald Harold Stone, und der Intrige des Gouverneurs Lloyd Harrison bekommen Laya und die übrigen Frauen des Ensembles die richtigen Ehemänner und die Hawaiianer die richtige Königin.

Regisseur Thomas Enzinger hat um diese Geschichte einen Rahmen gelegt, in dem der Darsteller des Gouverneurs Mark Weigel Paul Abraham verkörpert und dessen Lebensgeschichte skizziert. Er übertreibt, wie auch die anderen Sängerinnen und Sänger, chargiert bewusst und nimmt sich selbst und das Genre ein wenig auf den Arm. Entsprechend blendet das Bühnenbild von Toto mit viel Farbe, mit Glühbirnen und mit der obligatorischen glitzernden Treppe.

Ein Song wie „Ein Paradies am Meeresstrand, das ist mein Heimatland“ nimmt die Pseudoromantik des Schlagers der fünfziger Jahre vorweg. Vor dem Ende fragt Mark Weigel als Paul Abraham den amerikanischen Jazzsänger Jim Boy, gespielt von Gaines Hall, der das zurzeit viel diskutierte Blackfacing andeutet: „Fühlen Sie, dass sie nicht mehr dazu gehören?“ Und fügt hinzu: „So wie ich.“ Der Jude und der „Nigger“ tanzen im Duo die typischen Schritte des Golliwog. Ein starker Moment.

Die Choreographien von Ramesh Nair, der auch den Sekretär des Gouverneurs John Buffy, die komische Rolle dieser Operette spielt, orientieren sich inklusive Stepptanz an den Revuen der dreißiger Jahre und unterscheiden sich wohltuend vom Schmarren der Fernsehballette. Und gesungen wird in Bad Ischl meist sowieso auf hohem Niveau. Die Operette musste hier nicht erst aus dem Exil heimkehren wie Prinzessin Laya. Sie hatte hier immer eine Heimat. Das war nicht immer so erfreulich wie jetzt mit der Blume von Hawaii. Aber das ist eine andere Geschichte.



Die Blume von Hawaii beim Lehár Festival Bad Ischl | (C) www.fotohofer.at

Thomas Rothschild – 6. August 2018
ID 10831
DIE BLUME VON HAWAI (Kongress & TheaterHaus Bad Ischl, 05.08.2018)
Musikalische Leitung: Gerald Krammer
Inszenierung: Thomas Enzinger
Ausstattung: Toto
Choreografie: Ramesh Nair
Licht: Sabine Wiesenbauer
Besetzung:
John Buffy, Sekretär des Gouverneurs ... Ramesh Nair
Raka, eine junge Hawaiierin ... Susanna Hirschler
Prinzessin Laya (und Suzanne Provence) ... Sieglinde Feldhofer
Prinz Lilo-Taro ... Clemens Kerschbaumer
Reginald Harold Stone, Kapitän der amer. Marine ... René Rumpold
Jim Boy, ein amerikanischer Jazzsänger ... Gaines Hall
Bessi Worthington, Nichte des Gouverneurs ... Nina Weiß
Paul Abraham (und Lloyd Harrison, amer. Gouverneur) ... Mark Weigel
Premiere beim Lehár Festival Bad Ischl: 14. Juli 2018
Weitere Termine: 08., 09., 15., 17., 24., 26.08. / 01.09.2018
Österreichische Erstaufführung der rekonstruierten Fassung


Weitere Infos siehe auch: http://www.leharfestival.at/


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