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MUSIKFEST BERLIN

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Frank Strobel


Bewertung:    



Der öffentliche Brief „J’accuse…!“ („Ich klage an…!“) von Emile Zola, der in der Dreyfus-Affäre zu einer entscheidenden Wendung führte, klagte 1898 die ungerechte Verfolgung des jüdischen Offiziers Dreyfus an.

Abel Gance drehte 20 Jahre später seinen gleichnamigen Film J’accuse. Da war der Ausspruch längst zu einem geflügelten Wort für eine kritische Stellungnahme geworden. Abel Gance, der im Ersten Weltkrieg aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nur kurzzeitig diente, begann mit den Dreharbeiten zu seinem pazifistischen Werk bereits während des Krieges. Basierend auf dem Theaterstück Miracle à Verdun von Hans Chlumberg erzählt Gance eine Dreiecksbeziehung in den Wirren des Krieges. Der Film ist eine Collage aus den Aufnahmen und dokumentarischen Sequenzen von den Schlachtfeldern nahe Verdun.

Eine die berührende Szene des Films ist die Vision der Auferstehung der Toten. Gance drehte diese mit 2.000 französischen Soldaten. Eine unglaubliche Vorstellung! Die Soldaten standen kurz vor ihrem Einsatz in Verdun, der für die meisten der jungen Männer den Tod bedeutete. In der Szene sind sie bereits tot, stehen wieder auf und klagen die Überlebenden an. Die rekonstruierte und restaurierte Fassung des Stummfilms, die 2007 von Lobster Films Paris in Zusammenarbeit mit dem Eye Film Museum Amsterdam umgesetzt wurde, feierte 2014 im Pariser Salle Pleyel Premiere.

*

Welch großartige Idee, für diesen künstlerisch wie zeitgeschichtlich bedeutenden Film eine moderne Musik zu schreiben. Der Komponist Philippe Schoeller hat sich dabei auf eine spannende Herausforderung eingelassen. Abel Gance, auch als „Genie des erzählenden Blicks“ bezeichnet, war der Meinung, dass man auch sehend hören kann. Wozu also noch eine Musik? Soll die Musik Synthese zwischen Auge und Ohr sein oder sich eigenständig präsentieren? Herausgekommen ist eine Musik für großes Orchester und virtuellen Chor. Virtuell, weil die Stimmenfetzen aus dem elektronischen Plot kommen, der dem Publikum von hinten eingehaucht wird. Das Orchester schimmert und flimmert in geräuschhaften Flächen. Die Dramaturgie sitzt, nach der 1. Szene steigern sich die Aktionen und geben der 2. Szene eine messerscharfe Dramatik. Aber man muss sich einlassen auf diesen bildgewaltigen Film, der ebenso kunstvoll wie langsam mit Kameratechnik, Kadrierung und Licht spielt. Ein willkommener Break für uns reizüberflutete Menschen, die sich normalerweise nicht drei Stunden auf einen Schwarzweißfilm einlassen würden. Und toll in der Kombination mit der zeitgenössigen Musik, welche in dieser Länge für nur wenige genießbar wäre. Aber in dieser Kombination mit dem tollen Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Frank Strobel gerät dieser Abend zum vorläufigen Höhepunkt des diesjährigen MUSIKFEST BERLIN!




Abel Gance, J’accuse, 1918/19, Filmstill | © Lobster Films, Paris

Steffen Kühn - 16. September 2018
ID 10918
MUSIKFEST BERLIN (Konzerthaus Berlin, 14.09.2018)
Abel Gance: J’accuse (Ich klage an (1918/19)
Stummfilm mit Live-Musik für großes Orchester und virtuellen Chor
Deutsche Erstaufführung der rekonstruierten und restaurierten Fassung (2007)

Musik von Philippe Schoeller (2014)
Gilbert Nouno, Réalisation informatique musicale/IRCAM
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Frank Strobel


Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinerfestspiele.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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