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MUSIKFEST BERLIN

Ensemble intercontemporain

Matthias Pintscher


Bewertung:    



Alban Bergs Vier Stücke gefallen sich in einer Gestik der Andeutungen. Zaghafte, dünne Texturen kommen von Klarinette und Klavier. Aufblitzende und ins Leere laufende Aktionen verlangen vom Zuhörer viel Fantasie. Im etwas technisch und schmucklos geratenen Boulez Saal kann sich das Stück nicht so recht entwickeln. Jedes Nebengeräusch ist hörbar und lenkt von dem zarten Gespinst Bergs ab.

Gérard Grisey Stück Vortex Temporum kommt besser mit dem Saal zurecht. Expressionistisch wie in Ravels Daphnis et Chloë beginnt das Stück – flimmernd und äußerst dynamisch. Durch microtonale Strukturen erhält das Stück viel Farbe und steigert sich recht schnell zu hoher Dynamik. Im 1. Satz verzaubert Dimitri Vassilakis am Klavier das Publikum dann mit einem extrem schroffen Klaviersolo. Erstaunlich, was man aus einem konventionellen Konzertflügel herauskitzeln kann. Grisey arbeitet wie sein Lehrer Messiaen mit mathematischen Reihen. Zeit zu dehnen ist neben den eigentlichen Klangereignissen das Merkmal dieses Stückes. Aber beide Stücke schlagen sich noch mit romantizistischen Überresten herum.

Nicht so Pierre Boulez. Sein Le Marteau sans maître lebt von der Freiheit des Ausdrucks, nicht ohne eine gewisse rationale Struktur zu berücksichtigen. Matthias Pintscher und sein Ensemble intercontemporain sind hervorragende präpariert für einen Kosmos an Klängen. Vibraphon, Xylorimba, Rahmentrommel, Bongos, Maracas, Klanghölzer, Glocken, Triangel, mehrere Tamtams und vieles mehr gehören zum exotischen Schlagwerkarsenal: „Bestimmte klassische Besetzungen unserer Tradition sind dermaßen belastet mit ´Geschichte´ und ´Geschichten´, dass man die Fenster zur Welt weit aufstoßen muss, um nicht an Ihnen zu ersticken.“ Diese herrliche Aussage von Boulez beschreibt am besten, wie man sich Le Marteau sans maître vorstellen muss. Boulez hat für drei kurze surrealistische Gedichte von René Char extrem verdichtete musikalische Klangflächen geschaffen. Wie Kristalle funkelt die Musik in den einzelnen Teilen. Leider lässt Pintscher den Pausen zwischen den Stücken sehr viel Raum, so dass die Spannung des Gesamtwerkes etwas leidet. Schade vor allem für die ausgezeichnete Mezzosopranistin Salomé Haller, die sich in jedem Teil erst mal wieder ran arbeiten und sich neben den Klangereignissen Raum schaffen muss.

Steffen Kühn - 11. September 2018
ID 10904
MUSIKFEST BERLIN (Pierre Boulez Saal, 10.09.2018)
Alban Berg: Vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5
Gérard Grisey: Vortex Temporum für Klavier und fünf Instrumente
Pierre Boulez: Le Marteau sans maître für Altstimme und sechs Instrumente nach Texten von René Char
Salomé Haller, Mezzosopran
Dimitri Vassilakis, Klavier
Ensemble intercontemporain
Dirigent: Matthias Pintscher


Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinerfestspiele.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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