Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Johannespassion 2019 (1)

Dass wir dir stets untertan

GAECHINGER CANTOREY im Forum am Schlosspark, Ludwigsburg
Bewertung:    



Nur noch deutlich weniger als 20 Prozent der deutschen Christen besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Selbst zu Ostern sind es gerade knapp 30 Prozent. In den Konzertsälen aber wird beharrlich am Kirchenjahr festgehalten. Die Leitkultur wird nicht befolgt, sondern von säkularen Institutionen in vorauseilendem Gehorsam und im Sinne einer Minderheit konstituiert. Die Passionen werden zu Ostern aufgeführt, als ließe sich schöne Musik nicht ebenso gut im Oktober oder im November hören wie die Frühlingssinfonie oder die Winterreise.

Nicht ganz so konservativ wie jene Programmgestalter, denen zu „Weihnachten“ nur Weihnachtsoratorium und zu „Kindern“ nur Peter und der Wolf oder Der Karneval der Tiere einfällt, ist einer der bekanntesten Chöre Süddeutschlands, die Gächinger Kantorei. Seit drei Jahren nennt sich das von Helmuth Rilling gegründete und fast 60 Jahre lang geleitete Vokalensemble zusammen mit dem Barockorchester der Internationalen Bachakademie Stuttgart Gaechinger Cantorey. Das kommt einer Revolution nahe, zumal es den Chor, der so heißt, gar nicht gibt. Er wird vielmehr stets neu zusammengestellt. Konstant ist nur sein guter Ruf. Der Name ist eine Fiktion wie „Wiener Philharmoniker“ oder „Berliner Philharmoniker“, als hätten die so benannten Klangkörper noch etwas mit den Orchestern von Arturo Toscanini oder Wilhelm Furtwängler zu tun. Das hieße ja, dass die einzelnen Musiker keine individuellen Künstler, sondern reproduzierbare Automaten, Instrumentalistenklone und die Dirigenten, ob Bruno Walter oder Karl Böhm, ob Herbert von Karajan oder Simon Rattle, ihre Dompteure wären.

Helmuth Rillings Nachfolger heißt Hans-Christoph Rademann, und es blieb ihm, da „vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, vorbehalten, im Ludwigsburger Forum am Schlosspark mit Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion in der vierten Fassung von 1749 die Eröffnung der Ostersaison zu verkünden. Der Chor besteht aus sieben Sopranen, sechs Altos – unter ihnen, eher ungewöhnlich, ein Mann –, sowie je sechs Tenören und Bässen. Er ist mit dem Orchester klanglich hervorragend abgestimmt. Die Zusammenführung der beiden Ensembles in der Gaechinger Cantorey hat sich gelohnt. Die Vokalsolisten im nahezu vollen Saal des Forums waren Dorothee Mields (Sopran), Anke Vondung (Alt), die für die erkrankte Wiebke Lehmkuhl eingesprungen ist, der Tenor Nicholas Mulroy als Evangelist und die Bässe Peter Harvey als Christus und Matthias Winckhler als Pilatus. Eindrucksvoll arbeitet Rademann das Zusammenspiel von Gesang mit einzelnen Instrumenten, Instrumentengruppen und dem ganzen Orchester heraus. Auch den vor allem durch die Chöre evozierten dramatischen Charakter der Johannes-Passion unterschlägt er nicht. Mit guten Gründen hat Peter Sellars sie vor ein paar Jahren szenisch umgesetzt.




Gaechinger Cantorey | Foto (C) Holger Schneider

Thomas Rothschild – 22. März 2019
ID 11296
GAECHINGER CANTOREY (Forum am Schlosspark Ludwigsburg, 21.03.2019)
Johannespassion von J.S. Bach

Dorothee Mields, Sopran
Anke Vondung, Alt
Nicholas Mulroy (Evangelist), Tenor
Peter Harvey (Christus), Bass
Matthias Winckhler (Pilatus), Bass
Gaechinger Cantorey
Dirigent: Hans-Christoph Rademann


Weitere Infos siehe auch: https://www.bachakademie.de/de/gaechinger-cantorey.html


Post an Dr. Thomas Rothschild

Konzertkritiken

Opernpremieren

THEATER-THEMEN



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:






MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

BALLETT | PERFORMANCE | TANZ

BAYREUTHER FESTSPIELE

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KONZERTKRITIKEN

LEUTE MIT MUSIK

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2019 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de