Der Welt entrückt
Die 25. Herrenchiemsee Festspiele
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Bewertung:
Wenn das Schiff über den Chiemsee zur Herreninsel gleitet, breitet sich schon eine heitere, erwartungsvolle Stimmung unter den anreisenden Festspielbesuchern aus. Und erst recht, wenn dann hinter grünen Laubbäumen das Schloss Herrenchiemsee erscheint. Ludwig II. hat es nach dem Vorbild Versailles erbauen lassen. Etwas überkandidelt für einen bayerischen König. Damals war die Bevölkerung auch nicht einmütig begeistert von seinen Architekturprojekten, aber heute ist man natürlich froh um so eine Location. Die größte Attraktion dort: Der Spiegelsaal. Mit 17 großen Wandspiegeln, 33 prunkvollen Deckenlüstern, goldverzierten Stuckarbeiten, monumentalen Deckengemälden und einer Länge von 98 Metern übertrifft die Galerie sogar ihr französisches Vorbild.
Wer dort auf dem Podium steht, darf sich schon erhaben fühlen.
Das Konzept der Festspiele sieht vor, dass sowohl junge Talente als auch arrivierte Künstler und Künstlerinnen zu sehen und zu hören sind.
So wie am vergangenen Sonntagabend mit dem arrivierten Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Enrico Onofri als auch dem jungen Pianisten Arsenii Moon:
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Unter dem Titel „Europäische Linien“ waren Werke von Mozart, Chopin und Mendelssohn Bartholdy zu hören.
Rasant ging es los mit Mozarts sog. Prager Sinfonie, die so heißt, weil sie 1797 dort uraufgeführt wurde. Er hatte kurz zuvor seinen Figaro in der tschechischen Hauptstadt dirigiert, und ganz Prag war fortan im „Figaro-Taumel“. Sehr zufrieden bemerkte er damals: „Meine Prager verstehen mich.“ Und das kann man auch von der Zuhörerschaft im Schlosssaal sagen, denn die Sinfonie stieß auf großen Zuspruch.
Dann der Höhepunkt des Abends: Chopins Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1. - inspiriert dazu wurde der damals erst 20-jährige Komponist von einer jungen Sängerin, die er sehr verehrte und die mit ihm gemeinsam in Polen aufgetreten war.
Dem Soloklavier sollte eigentlich die Hauptrolle zugestanden gewesen sein, aber die Musikerinnen und Musiker des Münchener Kammerorchester hatten es an diesem Abend etwas "überdeckt". Das war schade, denn Arsenii Moon spielte absolut - er wurde 1999 in St. Petersburg geboren, begann mit sechs Jahren Klavier zu studieren und gab mit zehn Jahren sein Debüt mit der St. Petersburger Philharmonie. Inzwischen wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein großes Talent machte sich dann vor allem in der Zugabe deutlich, einem Solostück: La Campanella geht auf Paganini zurück, wurde aber erst durch die virtuose Klavierbearbeitung von Franz Liszt berühmt. Es gilt als eines der technisch anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur. Dem Applaus zufolge war sich das Publikum bewusst hier einem aufgehenden Stern am Pianistenhimmel gelauscht zu haben.
Nach der Pause dann Mendelssohn Bartholdys Italienische - inspiriert von Goethes Italienischer Reise schuf der Komponist diese Sinfonie im Rausch seiner Reiseeindrücke, was vor allem im furiosen Finale zu spüren ist und zu dem das Orchester noch einmal grandios aufspielte.
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In der Pause sollte man es nicht versäumen in den wunderschönen Schlosshof zu treten. Elegant im Frack spielen dort Alphornbläser klassische Weisen.
Und wenn man dann wieder auf dem Schiff durch die Dunkelheit zurück ans Festland gleitet, hat man die Gewissheit, ein Gesamtkunstwerk erlebt zu haben.
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Isabella Schmid - 21. Juli 2026 ID 15953
25. HERRENCHIEMSEE FESTSPIELE (Spiegelsaal, 19.07.2026)
Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie Nr. 38 D-Dur KV 504 Prager
Frédéric Chopin: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11
Felix Mendelssohn Bartholdy: Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90 Italienische
Arsenii Moon, Klavier
Münchener Kammerorchester
Dirigent: Enrico Onofri
Weitere Infos siehe auch: https://herrenchiemsee-festspiele.de
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