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nachDRUCK # 5

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Festival

Klangvolle

Lamentos,

Gebete und

Wiegenlieder



Liebfrauenkirche in Oberwesel | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Sommerzeit ist Festival-Zeit: Oft locken die Sommermonate zu Veranstaltungen an ausgewählten Orten. So lud das RheinVokal-Festival am vergangenen Sonntag zu einem abendlichen Konzert in die Liebfrauenkirche in Oberwesel. Der gotische Sakralbau ist seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Diese Marienkirche beherbergt nicht nur zahlreiche sehenswerte Wandbilder aus dem frühen 16. Jahrhundert, auch von außen ist die „rote Kirche" als verputzter, rot gestrichener Bruchsteinbau eindrucksvoll. Hoch und schlank über die Dächer Oberwesels hinausragend, gehört die nahe der Loreley am Fuße der Schönburg gelegene Kirche zu den bedeutendsten hochgotischen Gebäuden von Rheinland-Pfalz.

Im eindrücklichen Raumklang des hochstrebenden Kirchenschiffes konnte man dem RheinVokal-Konzert Himmelstränen mit zahlreichen geistlichen Kompositionen aus dem italienischsprachigen Raum um 1600 lauschen. Die Werke waren in großen Teilen der Epoche des Barock zuzuordnen und handelten davon, wie Menschen auf das Leid Christi reagieren. Die klare Stimme der Französin Claire Lefilliâtre schallte während der barocken Lamento-Gesänge spannungsvoll durch das Kirchenschiff und vermittelte anrührend menschliche Affekte. Neben Monteverdis “Salve Regina“ interpretierte die auf Barockmusik spezialisierte Sopranistin Hieronymus Kapsbergers zärtliches Wiegenlied “Figlio dormi“ und Girolamo Frescobaldis Lamento “A piè della gran croce“, das die Klage der Maria Magdalena unter dem Kreuze Christi widergibt.

*

Expressiv vorgetragen wurde auch Tarquinio Merulas “Hor che tempo di dormire“. In der Canzonetta spirituale pendeln Continuo-Stimmen fast durchgehend zwischen zwei Halbtönen. So werden in dieser musikalischen Umsetzung eines Wiegenlieds Mariens eingebettete Vorausahnungen von der Passion Jesu atmosphärisch unterstrichen. Weitere Spannungsmomente boten Giovanni Felice Sances Vertonung des Stabat mater, das von der klagenden Muttergottes unter dem Kreuze ihres Sohnes handelt. Auch zwei weitere Marienklagen - Domenico Mazzocchis “La Maddalena ricorre alla lagrime“ und Claudio Monteverdis “Lamento della Maddalena” – trug Lefilliâtre auf anrührende Weise mit ihrem reifen, expressiv leuchtenden Sopran vor. Ihre Stimme war oft dunkel gefärbt, gut disponiert und stets eindringlich. Lefilliâtres starkes stimmliches Ausdrucksspektrum wurde bereichert durch Soli und Begleitung zweier Instrumentalisten. Die Französin Lucile Boulanger musizierte ausdrucksstark an historischen Streichinstrumenten wie der Diskant- und der Bassgambe. Stéphane Fuget, Leiter des Ensemble Les Epopées (wie sich das Musikertrio auch nennt), setzte an einer Orgel und am Cembalo Akzente.   

Ein insgesamt recht stimmungsvoller Abend mit sphärischen, affektgeladenen Klängen, leise schwelenden Harmonien und vielen eher selten zur Aufführung gebrachten Kompositionen. Die kunstvoll dargebotenen Vokal- und Instrumentalwerke verleihen geistlicher Trauer, Klage und Schmerz - in der majestätisch-ehrwürdigen Liebfrauenkirche - ein würdevolles und erhebendes Antlitz.



Abschlussapplaus für das Ensemble Les Epopées beim RheinVokal-Konzert Himmelstränen in der Liebfrauenkirche in Oberwesel | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 16. August 2018
ID 10850
Das Konzert Himmelstränen wurde aufgezeichnet und wird am 29. Oktober 2018, 20.03 Uhr auf SWR 2 gesendet.  

Weitere Infos siehe auch: https://www.rheinvokal.de/


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