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Herlitzius'

Rolle



Evelyn Herlitzius ist Elektra in der Staatsoper im Schiller Theater | (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Mit Elektra von Strauss/Hofmannsthal kannst du nichts falsch machen: geniale Musik, genialer Text - wer's laut und herzhaft mag, ist hier zumeist auf das Genialste aufgehoben. Ja und falls sie dann auch noch mit adäquaten Stimmen (Titelrolle sowie Klytämnestra und Chrysothemis) besetzt sein sollte: Solch ein Opernglück könnte für Alle wohl nicht größer sein!

Jetzt hat die Staatsoper im Schiller Theater auf Patrice Chereau's 2013 erstgezeigte Aix-en-Provencer-Inszenierung (die seither bereits in Mailand und New York und Helsinki und Barcelona lief) zurückgegriffen und verneigt sich eingestandner Maßen so vor einem der wohl größten und auch vielseitigsten Regisseure der zurückliegenden 50 Jahre; er verblich, erst 68 Jahre alt, nach der französischen Premiere dieser Produktion, und so gesehen dürfte die Elektra wohl die allerletzte Arbeit dieses großartigen Vielkünstlers gewesen sein.

*

Die legendäre Inszenierung punktet durch Personenführung. Der Antikenthriller wird zum Film. Überdimensionale Nahaufnahmen - und auch wenn du noch so weit weg von der Bühne sitzt, kriegst du doch jede Pore (ganz gefühlter Maßen) vollscharf und in kapitaler Metergröße mit. Ein Kammerspiel vom Feinsten. Hierin haben Alle Spaß sich mimisch und beweglich einzubringen:

Evelyn Herlitzius (als Elektra) ist hier Tierfrau noch und noch; kaum dass man irgendeine "weiche" Ader an ihr spürt. Das abgefuckte Menschpaket besteht nur noch aus Rache, Rache, Rache... Es ist IHRE Rolle! Gibt es eine bessere für sie? (Schwer vorstellbar.)

Adrianne Pieczonka's Chrysothemis kommt als die Fleisch gewordene Aus-/Abgestoßenheit in diesem hochkomplexen Drama mit Musik zum Vorschein. Ihr Sopran ist glockenhell und winselt weder um Verzeihung noch um schwesterliche Anerkennung. Was sie will, könnte die Andere wohl nie begreifen.

Waltraud Meier - sie wird immer schöner! - hat inzwischen einen völlig neuen Prototyp der Klytämnestra (fern der durchschlagskräftig deklamierenden und karikierend keifenden Ex-Prototypen à la Reinhild Runkel und Jane Henschel usf.) kreiert. Die Stimme Meiers wirkt mitunter schwach und leise, doch ihr Schauspielern ist einzigartig; man muss hingucken und ist total von ihrer fraulichen Präsenz gebannt.

Die Staatskapelle Berlin vollführt einen Kammermusikabend in Großbesetzung. Selten war es mir vergönnt, so viele Feinheiten und auch Detailversessenheiten dieser ungebändigtsten von allen Strauss-Musiken live denn angeboten zu bekommen. Daniel Barenboim (der, nach Jahrzehnten, nun das zweite Mal Elektra in der Hauptstadt dirigiert) drosselt ihr Tempo ungemein, ja und wahrscheinlich liegt es wohl auch daran, dass das Feine, Detallierte derart gut gerät.

Frenetische Tumulte.




Waltraud Meier und Evelyn Herlitzius in Elektra in der Staatsoper im Schiller Theater | (C) Monika Rittershaus

Andre Sokolowski - 30. Oktober 2016
ID 9646
ELEKTRA (Staatsoper im Schiller Theater, 29.10.2016)
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Patrice Chéreau
Regiemitarbeit und szenische Einstudierung: Vincent Huguet und Peter McClintock
Bühnenbild: Richard Peduzzi
Kostüme: Caroline de Vivaise
Licht: Dominique Bruguière
Beleuchtungseinrichtung: Gilles Bottacchi
Chor: Martin Wright
Besetzung:
Klytämnestra ... Waltraud Meier
Elektra ... Evelyn Herlitzius
Chrysothemis ... Adrianne Pieczonka
Aegisth ... Stephan Rügamer
Orest ... Michael Volle
Der Pfleger des Orest ... Franz Mazura
Die Vertraute / Die Aufseherin ... Cheryl Studer
Die Schleppenträgerin ... Marina Prudenskaya
Ein junger Diener ... Florian Hoffmann
Ein alter Diener ... Donald McIntyre
1. Magd ... Bonita Hyman
2. Magd ... Marina Prudenskaya
3. Magd ... Katharina Kammerloher
4. Magd ... Anna Samuil
5. Magd ... Roberta Alexander
Premiere beim Festival Festival d’Aix-en-Provence war am 13. Juli 2013
Berliner Premiere: 23. Oktober 2016
Weitere Termine: 1., 4. 11. 2016
Eine Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit dem Teatro alla Scala di Milano, dem Festival d’Aix-en-Provence, der Metropolitan Opera New York, der Finnish National Opera Helsinki und dem Gran Teatre del Liceu Barcelona


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

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