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Der Mann mit der Glasharmonika



Lucia di Lammermoor an der Oper Köln | Foto (C) Bernd Uhlig

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Lucia di Lammermoor ist ("ihrem" Textbuch Salvadore Cammarano's, frei auf den Roman The Bridge of Lammermoor von Walter Scott, nach) eine typische Schmonzette: Schwester liebt den Todfeind ihres Bruders, und der Bruder zwingt die Schwester (anstatt seines Todfeinds) einen Anderen zu heiraten - deswegen knallt sie völlig durch, killt jenen ungeliebten Anderen, zwitschert anschließend ihre große Wahnsinnsarie und wirft sich ins Messer des sie leider viel zu spät erretten wollenden Geliebten. Ja und zwischen allen diesen hochzentralen zwischenmenschlichen Begebenheiten findet außerdem noch eine unentwirrbar-anstrengende Sub- und Nebenhandlung statt - so derart unentwirrbar-anstrengend, dass eine Nacherzählung schier unmöglich ist: Schmonzette halt.

Was Donizetti aus dem librettösen Schwachsinn musikalisch so herauszufiltern resp. aufzuwerten, anzureichern in der Lage war, hat sich - bis heute - "emotional" bewährt, obgleich seiner Musik, selbst in den tragischsten Momenten, so ein merkwürdiges Mitmach-Feeling innewohnt; man möchte permanent zu diesen arg markanten Rhythmen tanzen, singen, fröhlich sein - - also von tiefgehendster Trauer (nicht mit Rührung zu verwechseln) konnte/kann wohl kaum die Rede sein. Deswegen ist die Oper höchstwahrscheinlich auch partout nicht von den Weltspielplänen wegzudenken. Richtig so!

* * *

Eva-Maria Höckmayr [s. Telemanns Emma und Eginhardt an der Berliner Staatsoper] verfrachtete das Stück vom Hitlerisch-Faschistoiden bis zur ungefähren Nachkriegsära à la deutsches Wirtschaftswunder oder so - egal wie man es sehen wollte; dechiffrierbar schien das Alles nicht, und sollte ihr Regieansatz gar einer Aktualisierung angedient gewesen sein, konnte man nur ganz ratlos und mit unschuldigstem Unverständnis hierauf reagieren: Nix verstehen, njet!

Der Bühnenbau von Christian Schmidt war, wie wir es von ihm gewohnt sind, funktional und imposant; wir deuteten auf ein im Bauhausstil entworfenes Familienanwesen von hohem Anspruch und gediegenem Geschmack.

Kostüme und Perücken stammten von Saskia Rettig.

Olesya Golovneva [s. Krieg und Frieden von Prokofjew] war Lucia. Ihre Stimme hat gewiss das ganze Potenzial, was diese Mordspartie verlangt - allein die Art und Weise, wie sie sang, hielt dem in keiner Weise stand. Sie klang stets aussingender Weise "gleich", vermochte kaum Nuancen und Facetten (laut & leise, beispielsweise) aufzuweisen; und ihr Permanentvibrato muss als eigentlicher Hauptkoloraturverhinderer im Nachhinein gegeißelt sein. Schauspielern konnte sie jedoch sehr gut.

Das Gürzenich-Orchester wurde von der Star-Newcomerin Eun Sun Kim geleitet - sie wird es dem Anschein nach gewesen sein, die die Idee hatte Philipp Marguerre mit seiner Glasharmonika - ausschließlich bei der großen Wahnsinnsarie - sozusagen musikalisch einzubinden; er erledigte sämtliche Soloflöten-Stellen. Und das klang schon ziemlich sphärisch-abgehoben.




Olesya Golovneva als Lucia di Lammermoor an der Oper Köln | Foto (C) Bernd Uhlig

Andre Sokolowski - 17. Juni 2016
ID 9387
LUCIA DI LAMMERMOOR (StaatenHaus, 16.06.2016)
Musikalische Leitung: Eun Sun Kim
Inszenierung: Eva-Maria Höckmayr
Bühne: Christian Schmidt
Kostüme: Saskia Rettig
Licht: Nicol Hungsberg
Dramaturgie: Mark Schachtsiek
Chöre: Sierd Quarré
Besetzung:
Enrico ... Boaz Daniel
Lucia ... Olesya Golovneva
Edgardo ... Atalla Ayan
Arturo ... Taejun Sun
Raimondo ... Henning von Schulman
Alisa ... Judith Thielsen
Normanno ... Ralf Rachbauer
Glasharmonika: Philipp Marguerre
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 12. Juni 2016
Weitere Termine: 18., 22., 29. 6. / 3., 9. 7. 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.operkoeln.com


http://www.andre-sokolowski.de

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