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Rosinenpicken (343)

Milhaud-Oper

wiederentdeckt



Die beiden Florestine aus Herbert Föttingers Inszenierung La mère coupable von Darius Milhaud im Theater an der Wien | Foto (C) Herwig Prammer

Bewertung:    



Insbesondere die divergierenden Lebensgeschichten von Graf und Gräfin aus Mozarts Figaros Hochzeit ca. 20 Jahre weitergesponnen und also neu bzw. hinzu erfunden gehabt zu haben ist gewiss dann eines der Verdienste von Madeleine und Darius Milhaud, die ihre Quasi-Folgeoper La mère coupable [= Mütterliche Schuld o. Schuldige Mutter o.s.ä.] im Jahre 1966 schrieben - sie den Text, er die Musik.

Das Theater an der Wien hat dieses merkwürdige und fast nie gespielte Stück jetzt wiederentdeckt und es durch Leo Hussain (Dirigent) und Herbert Föttinger (Regie) sowie ein exquisit zu nennendes SolistInnen-Ensemble allererster Güte aufgeführt - die Handlung (auf der Bühne Walter Vogelweiders und in den Kostümen Birgit Hutters) ist geheutigt und geht etwa so:

Graf/Gräfin sind die jeweiligen Einzeleltern "ilegitimer" Kinder. Er zeugte unehelich die Tochter Florestine, die er als Waise aufnahm. Sie ließ sich vom gealterten Cherubino (dem aus Mozarts Figaro) unehelicher Weise schwängern und gebar den Sohn Léon, der seither auch in dem französisch-gräflichen Besitztum wohnt; der Graf denkt aber, dass es sein Sohn wäre. Die zwei jungen Menschen, die natürlich nichts von ihrem jeweiligen Schicksal voreinander wissen, haben sich in sich verliebt. Droht inzuchtmäßig etwa ein Skandal? (Wohl eher nicht, da ja die Kinder jeweils andre Väter/Mütter haben als halt die ihres gräflichen Doppels.) Dennoch sorgt der "unwissende" Graf mit Hörnern, was er aber noch nicht weiß, entsprechend vor und will, dass der zum Grafenhaus gehörende Verwalter Begearss, ein perfider Intrigant, die "Waisentochter" Florestine zur Frau bekommt etc. pp. Ja und auch Figaro sowie Suzanne sind in der mehr undurchsichtig-wirren Handlung mit von der Partie - in recht vergessenswerten Nebenrollen.

Lange Rede kurzer Sinn: Die Wahrheit kommt zum Schluss ans Licht, und Graf & Gräfin finden wieder zueinander, und auch Florestine & Léon können (fernab jedweden Inzests) heiraten, und Friede, Feude, Eierkuchen...

Markus Butter und Mireille Delunsch agieren/singen ein sehr sehens- und auch hörenswertes Grafenpaar. Die Jugendlichen sind mit Frederikke Kampmann (Florestine) und Andrew Owens (Léon) bestens gecastet. Aris Argiris (als Figaro) sowie Angelika Kirchschlager (als Suzanne) verkörpern das in die Jahre gekommene Domestikenpärchen. Stephan Loges mimt diesen verwalterischen Intriganten. Eltern sowie Kinder werden dann noch von vier stummen Tanz-Doublen szenisch (und völlig überflüssig!) kommentiert.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien musiziert Milhaud-Musik, die stellenweise ziemlich jazzig klingt und keine merkenswerten (also nachsingbaren) Melodien in sich birgt - so bisschen in der Art von Lulu, aber nur ein bisschen.

Das Hervorholen der fast total vergessnen Partitur nach so viel Jahren muss dann schon als aufsehenerregendes und singuläres Wagnis nachbezeichnet sein; es gab und gibt in dieser Spielzeit grade mal fünf Vorstellungen.

Ja, die Wiener haben so was einfach drauf!



Personnage aus La mère coupable im Theater an der Wien v.l.n.r.: Frederikke Kampmann (Florestine), Markus Butter (Le Comte Almaviva), Andrew Owens (Léon), Mireille Delunsch (Rosine, Comtesse Almaviva) und Angelika Kirchschlager (Suzanne) | Foto (C) Herwig Prammer

Andre Sokolowski - 12. Mai 2015
ID 8635
LA MÈRE COUPABLE (Theater an der Wien, 10.05.2015)
Musikalische Leitung: Leo Hussain
Inszenierung: Herbert Föttinger
Bühne: Walter Vogelweider
Kostüme: Birgit Hutter
Licht: Emmerich Steigberger
Dramaturgie: Ulrike Zemme
Besetzung:
Le Comte Almaviva ... Markus Butter
Rosine, Comtesse Almaviva ... Mireille Delunsch
León ... Andrew Owens
Florestine ... Frederikke Kampmann
Figaro ... Aris Argiris
Suzanne ... Angelika Kirchschlager
Begearss ... Stephan Loges
Maître Fal ... Christoph Seidl
Die andere Gräfin ... Irina Mocnik
Die andere Florestin ... Theresia Gabriel
Der andere Graf ... Pavel Strasil
Der andere Léon ... Johannes Kemetter
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Premiere war am 8. Mai 2015
Weitere Termine: 15., 17. 5. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-wien.at


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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