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RSB mit

Strauss-

Einaktern



(C) RSB

Bewertung:    



Marek Janowski hatte mit dem RSB von 2010 bis 2013 alle großen Wagner-Opern aufgeführt und sie gleichsam (durch parallele CD-Mitschnitte) veröffentlicht. Der WAGNER-ZYKLUS gilt als Meilenstein in der weit über 90 Jahre währenden Geschichte des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin!

Nun steht es erst mal - da Janowski seinen Chefvertrag über 2016 hin nicht mehr verlängert - "oben ohne" da, und man darf außerordentlich gespannt sein, wie der Klangkörper aus dieser Falle bald und unbeschadet seiner physisch-künstlerischen Existenz/Autonomie heraus findet. Es ist gewiss nicht so, dass es womöglich keinen Dirigentennachwuchs weltweit gibt, aber das RSB war nunmal derart jüngermäßig auf den/seinen Übervater eingestellt oder sogar fixiert - es trat ihm impulsiv die Position eines Chefdirigenten auf Lebenszeit an - , dass es jetzt alle Kraft und allen Willen braucht, um eine Art Abnabelungsprozess (da ja der Alte letztlich nicht mehr will so wie die Musiker das wollten) jungbrunnenhaft stattfinden zu lassen. Sehr viel Zeit bleibt freilich nicht.

Ganz ungeachtet dessen gab's jetzt wieder zwei dieser bei Jung und Alt so sehr beliebten konzertanten Opernabende: mit Daphne und Elektra - beides Werke Richard Strauss', das erst genannte (aus dem Jahre 1938) ein bedeutungsschwaches Stück von altersstarrsinniger "reinster Kulinaria" - jenem gegenüber sich das zweitgenannte (aus dem Jahre 1909) noch immer so erfrischend-sucherisch als zeitlos-exzessive Seelendeutung ausnimmt. Immerhin liegen da 30 Jahre Lebens- und auch Komponierenszeit dazwischen.

*

In der Daphne gehts um Göttinnen und Götter, Mägde und Schäfer, einen Liebhaber in Menschengestalt und ein zu Baumgröße sich nach und nach entwickelndes Lorbeegewächs - unsäglich-grauenhafte Handlung!

Es wird hochkarätig und v.a. laut gesungen; Stefan Vinke (als Apollo) hält da ganz besonders stark und kräftig durch - nein, so eine Partie zu singen wünscht man nicht mal seinem Todfeind! (Singt man so was eigentlich dann freiwillig?) / Regine Hanglers Stimme: eine Offenbarung und ein Fest zugleich!! Ihr wiederum ist es zu danken, dass von "ihrer" Daphne immerhin betörend-leise Stellen in Erinnerung geblieben sind - entschwindend-schön während der großen Schlussszene, bei der sie sich dann über zwei Etagen weg bis fast unter das Dach des Hans-Scharoun-Baues hinaufbewegt...

Sehr atmosphärische und schöne Aufführung.



Regine Hangler (die Frau in Rot) war Daphne in der konzertanten Aufführung der gleichnamigen Strauss-Oper mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin | Foto (C) Sarah Chloé Mikus


* *

In Elektra geht die Post so richtig ab, das wissen alle ihre Fans. Du wirst von Gänsehaut zu Gänsehaut gehetzt. Musik, Text und Struktur des Einakters sind hochgenial. Darbietungen, ob szenisch oder konzertant, gehören zum Prestige der jeweils Ausführenden - vor paar Monaten gastierte die vielleicht authentischste Vermittlerin des Wurfs hier in Berlin, mit Christian Thielemann am Pult war das Elektra-Uraufführungsorchester elitärer Weise einbestellt: die Sächsische Staatskapelle Dresden - eine echte Steilvorlage also, nach wie vor; ja, nützt ja nix.

Auch Waltraud Meier (Klytämnestra) war da mit dabei: Sie hat diese Partie seit Jahren und Jahrzehnten drauf, sie hat sie sogar schon - weit vor ihrem Debüt als Wagner'sche Isolde - auf CD gestemmt, ganz anders als Kolleginnen von ihr, die Klytämnestra erst zu einem Zeitpunkt konditionell bezwungener Karrieren in ihr Repertoire verewigen; aber die Meier war schon immer anders als die Anderen! / Ihr optisch-stimmliches Erscheinungsbild legen beredtes Zeugnis davon ab, dass sie derzeit die wohl Interessanteste für diese Rolle ist. Es stockt Einem der Atem, wenn sie ihren alpträumeverarbeitenden Irrsinnsmonolog ablässt.

Catherine Foster (Elektra) und Camilla Nylund (Chrysothemis) verübten sich im exzessiven Abgesang des problematischen Geschwisterpaars - man wagt nicht zu behaupten, wer von Beiden gar die "Bessere" gewesen sein soll; Foster freilich, ohne jeden Zweifel, sang sie Alle an die Wand, Janowski muss es, schon der ungewöhnlich klaren Textverständlichkeit wegen, total genossen haben, insbesondere dann sie (Foster) zu dirigieren.

Günther Groisböck war als imposanter Orest zu vernehmen, Stephen Gould (Aegisth) hatte nicht wirklich viel zu tun.

Begeisterungstumulte.
Andre Sokolowski - 7. Mai 2015
ID 8629
DAPHNE (Philharmonie Berlin, 05.05.2015)
Daphne ... Regine Hangler
Gaea ... Daniela Denschlag
Leukippos ... Daniel Behle
Apollo ... Stefan Vinke
Peneios ... Sorin Coliban
1. Schäfer ... Konstantin Wolff
2. Schäfer ... Jeff Martin
3. Schäfer ... Axel Scheidig
4. Schäfer ... Georg Witt
1. Magd ... Sophie Klußmann
2. Magd ... Gala El Hadidi
Carlo Torlontano, Alphorn
Herren des Rundfunkchores Berlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Marek Janowski

ELEKTRA (Philharmonie Berlin, 07.05.2015)
Elektra ... Catherine Foster
Chrysothemis ... Camilla Nylund
Klytämnestra ... Waltraud Meier
Orest ... Günther Groissböck
Aegisth ... Stephen Gould
Die Aufseherin ... Carola Höhn
Die Schleppträgerin ... Isabelle Voßkühler
Die Vertraute ... Annerose Hummel
Pfleger des Orest ... Sascha Glintenkamp
Junger Diener ... Daniel Behle
Ein alter Diener ... Axel Scheidig
1. Magd ... Judith Simonis
2. Magd ... Gala El Hadidi
3. Magd ... Eve-Maud Hubeaux
4. Magd ... Abbie Furmansky
5. Magd ... Anja Fidelia Ulrich
Rundfunkchor Berlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Marek Janowski


Weitere Infos siehe auch: http://www.rsb-online.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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