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Opernkritik

Wonnen

der Tragik



Marina Costa-Jackson als Violetta Valéry in La Traviata an der Oper Köln| Foto (C) Paul Leclaire

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Eine Frau stürmt auf einen Mann zu, springt an ihm hoch, schlingt ihre Unterschenkeln um seinen Oberkörper und umarmt ihn dabei überschwänglich. Ein anderer Mann sieht dies, tritt hinzu und trennt die innige Umarmung. Er nimmt die Arme der Frau, lässt sie an ihrem Oberkörper hinabgleiten und geht flugs wieder fort. Die Frau verliert kurz darauf ihren Halt und gleitet langsam am Körper des ersten Mannes zu Boden. Sie rappelt sich sogleich wieder auf, und das soeben Vorgeführte wiederholt sich in immer schneller werdenden Abläufen. Choreograph Athol Farmer bettet diese (bei Pina Bausch geborgte) Tanzsequenz zu den Klängen der dramatisch facettenreichen Ouvertüre in Benjamin Schads Inszenierung von La Traviata ein. Auch später wird uns das symbolhafte Bild erneut im Bühnenzentrum zu dem dicht aufspielenden Orchester begegnen: Eine Frau liebt einen Mann und wird von einem anderen Mann daran gehindert, sich ihm vollends hinzugeben.

Giuseppe Verdis Oper von 1853 beruht auf Alexandre Dumas Roman Die Kameliendame von 1848, dem wiederum das reale Schicksal der Marie Duplessis (1824-1847) als Vorlage diente. Im Mittelpunkt von La Traviata (Italienisch für „Die vom Wege abgekommene“) steht die Kurtisane Violetta Valéry, die von einer todbringenden Krankheit gezeichnet ist. Alfredo Germont lernt sie auf einem ihrer prunkvoll-dekadenten Feste kennen und entwickelt aufrichtige Gefühle für sie. Auch die kapriziöse Gastgeberin bewahrt nur kurzzeitig ihre Contenance. Bald kann sie von den Gedanken an Alfredo nicht mehr ablassen und zieht zu ihm aufs Land. Doch hier besucht Alfredos Vater Giorgio sie. Er möchte die Ehre seiner Familie retten und drängt Violetta Alfredo zu verlassen. Violetta schreibt Alfredo mit gebrochenem Herzen einen Abschiedsbrief.

Tobias Flemmings Bühnenbild im Staatenhaus (der aktuellen Ausweichstätte der Kölner Oper) bietet, umgeben von einem Wassergraben und einer weiträumigen Treppe, zahlreiche Hingucker. Vorhänge und flexible, leichte Varianten von Wänden eröffnen zum Publikum hin offene Kammern oder Séparées, in die sich einzelne Gäste einer ausschweifenden Festgesellschaft, wie Violetta und Alfredo, zurückziehen können.

Die italienisch-amerikanische Sopranistin Marina Costa-Jackson überzeugt als anmutige, leidenschaftliche und verletzliche Violetta. Ihr geschmeidig schillernder, ausdrucksstark perlender und auch in den Höhen anpassungsfähiger Gesang sorgt für wohliges Gänsehaut-Feeling. An ihrer Seite behaupten sich der koreanische Tenor David Junghoon Kim als Alfredo und der italienische Bariton Lucio Gallo als Giorgio Germont klangfarbenreich, mit feinem Verve und nuanciertem Nachdruck. Auch Matthias Hoffmann in der Rolle des Marchese D’Obigny und Adriana Bastidas-Gamboa in der Rolle der Flora Bervoix setzen Akzente und sorgen stimmgewaltig und forciert für Dynamik. Rauschhaft-atemlos und in einem wahren Parforceritt werden die bekannten Arien und Duette aus Verdis vielleicht schönster Oper formvollendet dargeboten.




Adriana Bastidas-Gamboa als Flora und Matthias Hoffmann als Marchese D'Obigny in La Traviata an der Oper Köln | Foto (C)Paul Leclaire

Ansgar Skoda - 28. Oktober 2017 (2)
ID 10342
LA TRAVIATA (Staatenhaus, 20.10.2017)
Musikalische Leitung: Matthias Foremny
Inszenierung: Benjamin Schad
Bühne: Tobias Flemming
Kostüme: Ingrid Erb
Licht: Nicol Hungsberg
Chorleitung: Andrew Ollivant
Dramaturgie: Tanja Fasching
Besetzung:
Violetta Valéry … Marina Costa Jackson
Alfredo Germont … David Junghoon Kim
Giorgio Germont … Lucio Gallo
Flora … Adriana Bastidas-Gamboa
Annina … Judith Thielsen
Gastone … Young Woo Kim
Barone Douphol … Insik Choi
Marchese d'Obigny … Matthias Hoffmann
Dottore Grenvil … Igor Bakan
Giuseppe … Alexander Fedin
Diener Floras … Anthony Sandle
Bote … Julian Schulzki
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 15. Oktober 2017
Weitere Termine: 03., 09., 10., 12., 17., 18., 19., 23., 25.11. / 01., 03.12.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper.koeln


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