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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

"Morgen, Kinder, wirds was geben!"



Bewertung:    



"New York hat seine berühmte Weihnachtsshow in der Radio City Music Hall. Etwas Ähnliches wollen wir für Berlin. Allerdings nicht mit weichgespülten Christmassongs, sondern mit der grandiosen Musik des Leipziger Thomaskantors." (Quelle: christoph-hagel.com)

Gesagt, getan.

Das neueste "Gefällt mir"-Resultat des schon seit Jahren sich sowohl als Produzent wie Regisseur und Dirigent behaupten wollenden und also mehr als ehrgeizigen Multi-Tausendsassas Christoph Hagel [wir erinnern hier blitzeisschnellhaft an seinen Mega-Akt der Johannespassion im Berliner Dom vom letzten Jahr] bedient sich aktuell in seiner Sicht des Bach'schen Weihnachtsoratoriums gleich vier unterschiedlicher Gewerke: Akrobatik, Tanz, Musik und Viehzucht.

Und so woll'n wir unverzüglich den für uns herausragendsten Star des Abends - Moritz Haase - hier erwähnen: Er wird im Programmheft als Luftakrobat kurz angezeigt; ja und so hängt er dann für uns (als in die "Handlung" des WO flugs eingebauter weißer Engel) an zwei Riesenbändern, welche von der Domkuppel für ihn und explizit zum extra hierfür ins WO hineingearbeiteten Eingangschor aus der Kantate Herz und Mund und Tat und Leben 'rabgelassen worden sind, schlingt sich hinauf, vollführt weit oben heikelste Bewegungskunststücke, um sich - nach der getanen Arbeit (ohne Netz und doppelten Boden!!) - ganz abrupt und scheinbar federleicht wieder "herabzustürzen", dass man justament in diesem Augenblick vor lauter Schreck und Angst um sein doch noch so junges 18 Jahre altes Leben kurz vor Ausbruch einer Herzattacke steht... À la bonne heure!

Das Deutsche Fernsehballett (!) wirkt auch mit. Wir erfahren, dass es nach der Wende "vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und der katholischen Kirche Deutschland übernommen und 2012 durch den Mitteldeutschen Rundfunk und die katholische Kirche Deutschland an den Berliner TV-Produzenten und Künstlermanager Peter Wolf verkauft" wurde - was diesen Auftritt hier, also in einer Kirche, irgendwie zu legitimieren schien; doch Scherz beiseite. Es ist immer wieder schön und aufregend, junge und schlanke Menschen tanzend zu erleben; die 10 Ausführenden walzen gleich mal zu Beginn ("Jauchzet, frohlocket"), und in Weihnachtsmänner-Mäntel eingehüllt, so wie beim Wiener Opernball. Es folgen ausschmückende Gruppenbilder zu dem einen und dem anderen Musikstück. Auch paar Kinder von der Staatlichen Ballettschule Berlin mischen da emsig mit. Alles sieht hübsch und rührend aus. Vier Choreografen [Namen s.u.] teilten sich die Arbeit.

Was das Musikalische betrifft - die beste Wahl sind da gewiss die SängerInnen des Ernst Senff Chores gewesen! Auch die InstrumentalistInnen von den Berliner Symphonikern leisten Solides. Johannes Gaubitz singt den Evangelisten und zuzüglich die Tenor-Arien (aus den WO-Kantaten I-III) - die muss er auch dann, wie seine KollegInnen genauso, szenisch illustrieren; stellenweise sieht das schon etwas gewollt und laienhaftig aus. Die Sopranistin Cristiane Roncaglio trägt ein sehr elegantes schwarzes Abendkleid; man denkt zuerst, es wäre doch nicht etwa die Netrebko, die sich in ein wegen schlechtem Wetter in den Dom verlegtes Waldbühnenkonzert verirrt hätte, zumal dann ihre Rückenansicht mit Verkabelungen auszumachen war so wie als könnte sie mit Putin während ihres Auftritts live verbunden sein... Marianne Schechtel (Alt) sowie Till Bleckwedel (Bass) sind dann auch noch mit dabei. Das Dirigat von Christoph Hagel: hemdsärmlig, konzeptlos; so wie immer.

Dietmar Telligmann führt seine Schafe während der Sinfonia kurz von links nach rechts und, etwas später, wiederum von rechts nach links.

Akustisch ist die Aufführung ein Groß-Desaster - zweifach schlimm, denn: Einesteils hört man den dombedingten grauenhaften Nachhall, andernteils klingt's aus den seitlich installierten Lautsprechern wie bei 'ner alten Schellackplatte; eine abschreckende Mischung. So was nennt sich Tonanlage? und womöglich sogar High Tech??

Freundlich-vorweihnachtliche Begeisterung.



Deutsches Fernsehballett tanzt Weihnachtsoratorium im Berliner Dom | Foto (C) Wolfgang Hilse

Andre Sokolowski - 5. Dezember 2014
ID 8302
WEIHNACHTSORATORIUM (Berliner Dom, 04.12.2014)
Musikalische Leitung und Inszenierung: Christoph Hagel
Choreografie: Yeri Anarika Vargas Sanchez, Aleks Uvarov, Norman Beck und Ingo Günther
Kostüme: Claudio Aguirre
Technik/Bühne: Uwe Lockner und PROLUX Veranstaltungstechnik
Licht: Arndt Sellentin
Ton: Volker Waßmann
Mit Johannes Gaubitz (Tenor), Marianne Schechtel (Mezzosopran), Cristiane Roncaglio (Alt), Till Bleckwedel (Bass/Bariton) sowie den GasttänzerInnen Barbara Voß-Kindt und Uwe Czebulla
Schüler der Staatlichen Ballettschule
Deutsches Fernsehballett
Ernst Senff Chor
Berliner Symphoniker
Premiere war am 4. Dezember 2014
Weitere Termine: bis 3. 1. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.weihnachtsoratorium-im-dom.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




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