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Premierenkritik

Claus Guths erste Regiearbeit an der Deutschen Oper Berlin kommt nicht gut an beim Publikum



Catherine Naglestad mit Salome-Doubel an der Deutschen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



"Als Salomé von Oscar Wilde 1896 in Paris zum ersten Mal auf die Bühne kam, verbüßte der Autor in London eine Zuchthausstrafe wegen 'grober Unsittlichkeit'. In Großbritannien und auch in den deutschsprachigen Ländern waren nur Privataufführungen des skandalumwitterten Stücks möglich. Eine solche besuchte Richard Strauss 1902 in Max Reinhardts 'Kleinem Theater' in Berlin. Ein Jahr später entschied er sich dazu, Wildes Text zur Grundlage eines Operneinakters zu machen. Die Uraufführung der Salome 1905 in Dresden war ein durchschlagender Erfolg für den Komponisten. Er fordert darin das Genre heraus: Eine rauschhafte und liebestrunkene Musik kontrastiert das denkbar grässlichste, monströseste Geschehen."
(Quelle: Deutsche Oper Berlin)


*

Claus Guth versetzt Strauss´ Salome in eine perfekte bürgerliche Welt in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Bühne ist ein riesiges Bekleidungsfachgeschäft à la Ladage & Oelke GmbH & Co. in Hamburg. Herodes, Salomes mächtiger Stiefvater, lebt dort in einer drögen Männerwelt. Die Typen sind austauschbar wie die unzähligen Schlipse und Sakkos in den Auslagen. Das ganz besondere Verhältnis zu seiner neuen Stieftochter, der kleinen Prinzessin Salome, steht im Mittelpunkt der Inszenierung. Salome wird durch mehrere Doubles omnipräsent auf der Bühne. Herodias, die gewesene Frau von Herodes´ Bruder, versucht ihre Tochter und die vielen Mädchendoubles zu schützen vor den begierigen Blicken und schlüpfrigen Bemerkungen ihres neuen Mannes und seiner Kumpanen.

Jochanaan, Gefangener am Hof ihres Stiefvaters, bietet Salome die Chance sich gegen ihren Stiefvater aufzulehnen. Entgegen den Verboten nimmt sie Kontakt zu ihm auf. Jochanaan ist im Gegensatz zu vielen Inszenierungen von Anfang an auf der Bühne präsent, deutlich stößt er Salomes Werben zurück. Jochanaan fungiert in Guths Inszenierung zu Beginn als Anti-Vater, Salome sieht in ihm eine Erlöser- und Retterfigur. Nachdem Jochanaan Salome verstoßen hat, wird er auch zum Feind. Er bekommt dann den gleichen Anzug wie Herodes verpasst, und es ist oft nicht klar, gegen wen Salome gerade kämpft. Besonders im Tanz der Salome, den Guth als trockenen Slapstick ohne jeglichen Zauber inszeniert, verwischen sich die Grenzen. Das rauschhafte und liebestrunkene Moment in der Beziehung Salome/Jochanaan geht in Guths Versuchsanordnung zum großen Teil verloren. Da passt dann die Musik auch nicht mehr zum Geschehen, und Alain Altinoglu kann sich mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin noch so abmühen, umkehren kann er das nicht. Catherine Naglestad singt trotz einer Sturzverletzung eine tolle Salome, Michael Volle in der Rolle des Jochanaan gibt dem musikalischen Geschehen Halt und beständige Kraft. Besonders krass wird der Bruch der Inszenierung mit dem Original am Ende: „Das Geheimnis der Liebe ist größer als das des Todes“ singt da die Salome. Doch welche Liebe, fragt man sich vergeblich nach dieser aufs Kämpferische reduzierten Inszenierung. Viele Zuschauer machen ihr Unverständnis durch intensive Buhs dann sehr deutlich.



Catherine Naglestad als Salome an der Deutschen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Steffen Kühn - 25. Januar 2016
ID 9097
SALOME (Deutsche Oper Berlin, 24.01.2016)
Musikalische Leitung: Alain Altinoglu
Inszenierung: Claus Guth
Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner
Licht: Olaf Freese
Dramaturgie: Curt A. Roesler und Yvonne Gebauer
Choreografie: Sommer Ulrickson
Besetzung:
Herodes ... Burkhard Ulrich
Herodias ... Jeanne-Michèle Charbonnet
Salome ... Catherine Naglestad
Jochanaan ... Michael Volle
Narraboth ... Thomas Blondelle
Ein Page ... Annika Schlicht
1. Jude ... Paul Kaufmann
2. Jude ... Gideon Poppe
3. Jude ... Jörg Schörner
4. Jude ... Clemens Bieber
5. Jude ... Stephen Bronk
1. Nazarener ... Noel Bouley
2. Nazarener ... Thomas Lehman
1. Soldat ... Alexei Botnarciuc
2. Soldat ... Tobias Kehrer
Ein Cappadocier ... Franz Xaver Schlecht
Ein Sklave ... Matthew Peña
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Premiere war am 24. Januar 2016
Weitere Termine: 29. 1. / 3., 6. 2. / 2., 6. 4. 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de



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