Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Premierenkritik

Falstaff am Oldenburgischen Staatstheater



Foto (C) Karen Stuke

Bewertung:    



Ein äußert schwungvoller Saisonauftakt, ein heiterer Abend. Dieser Falstaff könnte Kultstatus bekommen. Verdis gleichnamige Oper, die jetzt am Oldenburgischen Staatstheater Premiere hatte, verzauberte das Publikum mit schwungvollen Gesängen sowie spritziger Musik – Marco Chingari triumphierte als Falstaff.

Man darf sich genussvoll der Musik hingeben und doch Humorvolles erleben. Eben das genoss das Premierenpublikum am Samstag im Oldenburger Staatstheater, wo ein vergleichsweise werktreuer Falstaff für Glücksmomente sorgte. Dabei konnte sich Regisseur Tom Ryser auf ein komödiantenhaftes Ensemble stützen, welches seine Regiearbeit mit viel Spielwitz und großartiger musikalischer Leistung umzusetzen wusste. Erstklassige Unterstützung bekam das Team dabei vom brillant aufspielenden Oldenburgischen Staatsorchester unter Roger Epple, welches lautmalerisch und szenisch pointiert Verdis letzten Opernstreich wunderbar zum Klingen brachte.

Ryser lässt die turbulente Handlung in einer Theaterkulisse (Stefan Rieckhoff) spielen, eine Art Hommage an das klassische Globe Theatre. Es ist wohl auch eine Verbeugung vor dem Schöpfer der Vorlage, William Shakespeare, welcher von Verdi als „Vater" aller Belange des Theaters verehrt wurde. Sir John Falstaff, den Abenteurer des Hundertjährigen Krieges, den vagabundierenden dicken Ritter, hat es in das friedliche Windsor verschlagen. Seine Standesgenossen erkennen ihn nicht mehr als ihresgleichen an. Das von Krieg, Teuerung und Epidemien heimgesuchte England kann Falstaffs Bedarf an Genüssen nicht mehr befriedigen. In Windsor jedoch, im Windschatten der politischen Ereignisse, hat Bürgerfleiß eine Insel geordneten und stetig wachsenden Wohlstandes geschaffen. Falstaff und seine beiden Spießgesellen Bardolfo und Pistola haben sich das „Gasthaus zum Hosenbande“ zur Residenz erwählt. Hier praktizieren sie zwischen Pump und Freibeutertum eine Lebensform, die über kurz oder lang mit den Ordnungs- und Besitzregeln der aufstrebenden Bürgerschaft zusammenstoßen muss. Die Komödie nach einer Vorlage von Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor und Heinrich IV. und dem Libretto vom Arrigo Boito komponierte Verdi (1813-1901) mit 80 Jahren. Sie gilt als eines der großen Meisterwerke des Italieners.

Der Regisseur hat bei der Umsetzung der Oper genau auf die musikalische Dramaturgie gehört, jede noch so winzige Geste, Bewegung oder Mimik ist exakt auf die musikalische Vorlage abgestimmt. Als Beispiel dafür eignet sich das zweite Bild des ersten Aktes bestens, welches Verdi in einer Art Rondo-Scherzo komponiert hat und das Ryser in einer einträchtigen Choreographie der Männer- und Frauengruppen mit bestechender Virtuosität auf die Bühne bringt. Die Inszenierung versprüht köstlichen Humor und verkommt nicht zum Theaterklamauk, die Figuren sind mit viel Liebe und Zuneigung gezeichnet, werden nie der Albernheit preisgegeben, behalten auch in der menschlichen Niederlage ihre Würde.

Was die musikalische Leistung betrifft, gab Marco Chingari den Titelhelden vokal ebenso expressiv wie gewandt, ausgezeichnet auch Valda Wilson (Mrs. Alice Ford) und Melanie Lang (Mrs. Quickly). Die übrigen Rollen waren oft mehr als adäquat besetzt. Alexandra Scherrmann glänzte dabei als Nannetta und Yulia Sokolik in der Rolle als Meg Pag. Mykola Pavlenko spielte den Dr. Cajus komödiantisch hervorragend und Nicola Amodio gab dem Liebhaber Fenton als wäre ihm die Rolle auf dem Leib geschrieben. Als eifersüchtiger Ehemann Ford brillierte Richard Morrisson. In die Rolle des schrägen Dienerpaar Bardolfo und Pistola passten Alexander Murashov und Paul Brady stimmlich und darstellerisch hervorragend. Der Opernchor (Einstudierung: Thomas Bönisch) glänzte wie immer in seiner ganzen Brandbreite.
 
Ensemble und Orchester ernten nach dem der Vorhang gefallen ist großen Beifall und viele Bravos: Falstaff - ein unvergleichlich komödiantisches Theatererlebnis in Oldenburg!



Marco Chingari als Falstaff am Oldenburgischen Staatstheater - Foto (C) Karen Stuke


Mario Bartsch - 29. September 2014
ID 8134
FALSTAFF (Großes Haus, 27.09.2014)
Musikalische Leitung: Roger Epple
Regie: Tom Ryser
Bühne und Kostüme: Stefan Rieckhoff
Licht: Steff Flächsenhaar
Chor: Thomas Bönisch
Dramaturgie: Annabelle Köhler
Besetzung:
Sir John Falstaff ... Marco Chingari
Ford ... Richard Morrison
Fenton ... Nicola Amodio
Dr. Cajus ... Mykola Pavlenko
Bardolfo ... Alexander Murashov
Pistola ... Paul Brady
Mrs. Alice Ford ... Valda Wilson
Nannetta ... Alexandra Scherrmann
Mrs. Quickly ... Melanie Lang
Mrs. Meg Page ... Yulia Sokolik
Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Oldenburgisches Staatsorchester
Premiere war am 27. September 2014
Weitere Termine: 30. 9. / 3., 10., 12., 18. 10. / 20., 23. 11. / 13., 30. 12. 2014 / 17., 21. 1. / 11. 2. / 19. 3. / 15. 4. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://staatstheater.de


Post an Mario Bartsch



  Anzeigen:




MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ARCHIV
Konzerte + Musiktheater

CASTORFOPERN

CD / DVD

FREIE SZENE

INTERVIEWS

LEUTE MIT MUSIK

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski




Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de