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Premierenkritik

Dionysisch-

apollinische

Gratwanderung



Die Bassariden von Hans Werner Henze am Teatro dell´Opera, Rom | Foto (C) Yasuko Kageyama

Bewertung:    



Exakt vor 50 Jahren hat Hans-Werner Henze das Meisterwerk Die Bassariden komponiert. Aus diesem Anlass hat die Oper Rom mit einer schon längst überfälligen aber nun beeindruckenden neuen Inszenierung die diesjährige Opernsaison eröffnet (und zeigt vielleicht der Mailänder Scala den Weg). Sicherlich das Highlight dieser Saison!



Die Bassariden von Hans Werner Henze am Teatro dell´Opera, Rom | Foto (C) Yasuko Kageyama


Gewaltig-religiöse El Greco- und satte, voluptuöse Tintoretto-Szenen, neapolitanisches Chiaro-scuro gemischt mit apokalyptischen Bildern aus den heutigen und morgigen Nachrichten sind die Zutaten für diese bemerkenswerte Peuplum-Bildersymphonie, mit der Mario Martone und Sergio Tramonti Henzes gewaltige und kontrastreiche post-neoromantische Musik unterstützen.


Henze war Mitte 30, als das englische Poetenpaar W.H. Auden und Chester Kallmann ihm den Vorschlag machte (frei nach Euripides Bakchen) eine Oper zu schreiben. 1963 kam von den Salzburger Festspielen ein entsprechendes Bühnenangebot - Henze sagte ja, und Auden/Kallmann machten sich an das Libretto für Die Bassariden, die Henze dann mit knapp 40 Jahren komponierte.


Tramonti's Ausstattung leuchtet in venezianischem Tintoretto-Blutrot, in der Mitte sitzt ein nachdenklicher und besorgter Kadmus (Mark S. Doss) im Collin-Powell-Look... Findig und intelligent die Idee, eine vertikale Kupfermetallplatte am Bühnenende zu installieren, die sich – wenn nötig - nach vorne senken lässt und die das bunte Treiben spiegelverkehrt wiedergibt. Im Verlauf der nächsten zwei Stunden werden darauf Schlachtfelder, Kriegsschauplätze, orgiastische Schlangengruben oder das entscheidende Erdbeben zu sehen sein...



Die Bassariden von Hans Werner Henze am Teatro dell´Opera, Rom | Foto (C) Yasuko Kageyama


Nicht umsonst hatte Auden als Bedingung, den Auftrag anzunehmen, Henze einen Besuch der Götterdämmerung verordnet. Das Orchester wie der Chor sind daher (à la Wagner) auch gewaltig und nicht minder anspruchsvoll geraten!


Ladislav Elgr meisterte seine üppigen und hellen Dionysus-Arien ganz gut und war ein selbstsicherer, verschlagener, manchmal fast kindlicher Sieger. Schauspielerisch war er überzeugend in seiner Sado-Maso Aufmachung mit bodenlangem Nerzumhang. Veronica Simeoni als Agaue war umwerfend, sie hätte ihre Rolle – auch schauspielerisch - nicht besser machen können und war der Star des Abends. Mark S. Doss war ein ruhig-bedächtiger und besorgter Kadmus. Der schöner Bariton von Russel Braun (als Pentheus) schwang von tyrannisch-zweiflerisch zum schwächelnden Verlierer. Den Hauptmann gab Andrew Schroeder, der seine Proklamation durch ein Megaphon veräußerte - korrekt, unbestechlich, zackig und immer schön in Uniform salutierend. Der opportunistische Teiresias wurde von Erin Caves - die frivole und vergnügungssüchtige Autonoe von Sara Hershkowitz gesungen. Die gouvernantische Beroe verkörperte mit rundem Alt Sara Fulgoni. Die Schergen hatten faschistische Uniformen und liefen mit Maschinengewehren hinter den in Strapsen gekleideten Abtrünnigen her.

Der imposante Stefan Soltesz hatte das Orchester der Oper Rom ausgezeichnet durch diese beeindruckende Musik geführt.

Die lebhafte und bewusst chaotische Choreografie entwickelte Raffaella Giordano. Die z.T. barocken aber passenden Kostüme wurden von Ursula Patzak kreiert. Robert Gabbiani konnte wieder mal stolz auf seinen Chor sein.



Die Bassariden von Hans Werner Henze am Teatro dell´Opera, Rom | Foto (C) Yasuko Kageyama


Großes Lob, wie ja schon angedeutet, insbesondere für Regisseur Martone und den Bühnenausstatter Tramonti!!

Rom kann sich glücklich schätzen über diese insgesamt gelungene Ausnahmeproduktion.

Das Publikum schien zuzustimmen und war demzufolge voll begeistert.


Christa Blenk - 1. Dezember 2015
ID 9018
DIE BASSARIDEN (Teatro Constanzi, 27.11.2015)
Musikalische Leitung: Stefan Soltesz
Inszenierung: Mario Martone
Chöre: Roberto Gabbiani
Bühnenbild: Sergio Tramonti
Kostüme: Ursula Patzak
Choreografie: Raffaella Giordano
Licht: Pasquale Mari
Besetzung:
Dionysus ... Ladislav Elgr
Pentheus ... Russell Braun
Kadmus ... Mark S. Doss
Tiresias ... Erin Caves
Hauptmann ... Andrew Schroeder
Agaue ... Veronica Simeoni
Autonoe ... Sara Hershkowitz
Beroe ... Sara Fulgoni
Chor und Orchester der Oper Rom
Premiere war am 27. November 2015
Weitere Termine: 1., 3., 5. + 10. 12. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.operaroma.it


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr

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