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Premierenkritik

Ein neuer

Blaubart

an der KOB



Blaubart an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Iko Freese, drama-berlin.de

Bewertung:    



Walter Felsenstein hat mit seiner Blaubart-Inszenierung an der Komischen Oper Berlin Geschichte geschrieben. Mehr als dreißig Jahre (bis 1992!) lief das Stück in Berlin und wurde auch an anderen Bühnen (nach-)inszeniert. Jetzt - also 50 Jahre später - ein neuer Blaubart:

Stefan Herheim, Clemens Flick und Alexander Meier-Dörzenbach haben dafür eine deutschsprachige Fassung erarbeitet. Aber sie haben nicht nur das Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy übertragen. Zwei neue Figuren – nämlich Gevatter Tod und Cupido - erzählen eine eigene Rahmenhandlung. Der Sensenmann und der Zwerg berichten und kommentieren in farbigen Szenen die Geschichte um Ritter Blaubart, den König Bobèche und deren Frauen- und Machtgeschichtchen. So musste auch die Partitur ergänzt, modifiziert und im Sinne Offenbachs weiterentwickelt werden. Für Clemens Flick, verantwortlich für den musikalischen Teil der Neufassung, ist Werktreue nicht Notentreue sondern Geisttreue, wie er es im Programmheft ausführt. In der Popmusik würde man einfach sagen: Herheim, Flick und Meier-Dörzenbach haben Offenbachs Stück gecovert. Zwei Jahre haben sie daran gearbeitet.

Offenbachs Blaubart war von Anfang an ein Stück der Unterhaltungsindustrie. Und gute Unterhaltung ist gleich gute Komik. Wie kein anderer steht Karl Kraus dafür, der Offenbachs Stück zu einer Renaissance verholfen hat. Thema der Oper ist die Polygamie und die Bigotterie. Der Sexualtrieb ist der Antrieb der Menschheit, und so ist die Welt nur Abbild des durchsexualisierten Handelns. Offenbachs vielschichtige Musik lebt sich aus an den Spielarten der Sexualität. Das Orchester der Komischen Oper unter Stefan Soltész weiß alle Mittel der Partitur zu bedienen, minimalste Wechsel schaffen konträre Assoziationsräume. Gerade noch wirbt Blaubart (kongenial Wolfgang Aiblinger-Sperrhacke!) um eine neue Jungfrau, da wird er ihrer auch schon überdrüssig und lässt sie beseitigen. Das Bühnenbild von Christof Hetzer nimmt die farbigen und wollüstigen Vorlagen auf, eine vielfarbige plüschige Phantasiewelt steht da heute. Auch die Kostüme von Esther Bialas sind ganz auf Unterhaltung aus, farbig und frivol – Blaubarts Schoß ziert ein samtiger Penis.

Nun muss man schon ein gehöriges Maß an Lust für Operette mitbringen, um sich auf diese Barocksatire einlassen zu können. Das ist ein gutes Stück Arbeit - fast nur was für Freaks. Hinzu kommen Zitate und Referenzen an die große Felsenstein-Inszenierung. Ohne diesen Hintergrund sind die Lesbarkeit und damit auch der Genuss der Inszenierung schwierig. Beim normalen Publikum bleibt immerhin der Respekt für diese aufwendige phantasievolle Arbeit - und so respektvoll fällt auch der Applaus am Ende aus.




Blaubart an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Iko Freese, drama-berlin.de

Steffen Kühn - 24. März 2018
ID 10602
BLAUBART (Komische Oper Berlin, 23.03.2018)
Musikalische Leitung: Stefan Soltész
Inszenierung: Stefan Herheim
Bühnenbild: Christof Hetzer
Kostüme: Esther Bialas
Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach
Chöre: Jean-Christophe Charron
Licht: Phoenix (Andreas Hofer)
Besetzung:
Ritter Blaubart ... Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
König Bobèche ... Peter Renz
Königin Clémentine ... Christiane Oertel
Fleurette, danach Prinzessin Hermia ... Vera-Lotte Böcker
Prinz Saphir, anfangs Daphnis ... Johannes Dunz
Popolani, Alchemist im Dienste Blaubarts ... Tom Erik Lie
Graf Oscar, Minister des Königs ... Philipp Meierhöfer
Graf Mariza ... Christoph Späth
Boulotte, Bäuerin ... Sarah Ferede
Gevatter Tod ... Wolfgang Häntsch
Cupido ... Rüdiger Frank
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 23. März 2018.
Weitere Termine: 31.03. / 22., 27.04. / 10., 13., 20., 25.05. / 10.06. / 01., 13.07.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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