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Premierenkritik

Kálmáns Arizona Lady als Berliner Erstaufführung



Bewertung:    



Barrie Kosky hat es (nach nur 2 Jahren im Amt) geschafft, "seinem" ihm anvertrauten Hause, der altehrwürdigen Komischen Oper Berlin, ein unverwechselbar-neues Profil zu geben - außer Opern aller Zeiten (insbesondere von Mozart [der schon immer hier gehätschelt und getätschelt wurde]) sind nun im verstärktem Maße Operette sowie Musical als abrufbares Repertoire präsent. Besonders Ersterem widmet der quirelige Künstlerintendant Aufmerksamkeit und Leidenschaft; das scheint - quasi im Nachhinein - die Wunde wett zu machen, die die Schließung des Berliner Metropol-Theaters (das zu DDR-Zeiten ausschließlich "nur" zur dauerhaften Operetten-Pflege zuständig gewesen war) bedeutete. Gewiss hat also (endlich wieder!) unsre gute alte Tante Operette eine Bühne für sich finden können - - und dem Kosky fallen nach und nach dann immer weitere und bis da ungehob'ne Schätze dieses Genres ein, die aufzuführen in der Hauptstadt sich im Künstlerischen wie Musikgeschichtlichen auf alle Fälle lohnten; in der Tat.
*

Jetzt stellte er Emmerich Kálmáns Arizona Lady (dessen allerletzte Operette, die der 1938 in die Staaten exilierte jüdisch-ungarische Komponist "nur" als Klavierauszug in Hinterlassenschaft gebracht hatte) als orchestrierte Fassung (Arrangement von Norbert Biermann) und Berliner Erstaufführung zur Debatte. Lediglich zwei Aufführungen gab und gibt es; leider auch bloß konzertant!

Der Klang-Kosmos ist bunt. "In 90 Minuten prallen in Arizona Lady Ungarn und der Wilde Westen nicht nur in Form der Hauptpersonen aufeinander. Auch musikalisch vereinte Kálmán kongenial seine musikalische Heimat in Europa mit den amerikanischen (Wild-West-)Klängen, die er im Exil in Kino- und Broadwayproduktionen kennengelernt hatte." (Quelle: komische-oper-berlin.de)

Hauptstars des Abends sind der Chor und das Orchester der Komischen Oper Berlin!! Alles, was sie von ihren Podien aus zu uns herüber singen und musizieren, kommt gezielt und sicher bei uns an; wir lassen uns sofort in ihrer Operetten-Wunderblase häuslich nieder, und wir harren halt in ihr solange aus bis sie dann - was auch sonst - an irgendeiner Stelle, wo wir's nicht sogleich erwarten wollten, bunt & leise über uns zerplatzt. Der Dirigent Kai Tietje (der auch zusätzlich Akkordeon- und Mundharmonika-Soli persönlich austeilt) hat den ganzen Laden voll im Griff.

Vokalsolistisch gibt es personelle Unterschiede von beträchtlich auseinandergehenden Niveaus: Die als der eigentliche Hauptstar vorschusslorbeerhaft gepries'ne Musical-Diseuse Katharine Mehrling (die mit Dagmar Manzel in der aktuellen Kosky-Produktion Ball im Savoy hier an der KOB um ihre Daseinsposition hübsch-arg zu wetteifern die Chance clever nutzt) lässt sich durch ihr dezentest mitgeführtes Mikro lauthals-stark, manchmal etwa zu lauthals-stark, zur Kenntnis nehmen; ihre rampensauartige Ausstrahlung freilich muss zusätzlich als eklatant gepriesen werden. Ihr zur Seite tut der Sänger Serkan Kaya (der angeblich auch im Udo Lindenberg-Musical Hinterm Horizont im Stage Theater am Potsdamer Platz als Hauptstar zu erleben sein soll) hübsch-gefällig und mit flotten Sprüchen allgemein begeistern; wenn er allenthalben auch noch singen könnte, wäre uns gewiss was Spritzigeres zu ihm eingefallen als der dröge Sacheintrag soeben.

Mirka Wagner und Michael Pflumm oder Jens Larsen sowie Stefan Sevenich (als mexikanische Tänzerin Bonita!) - allesamt mehr Operetten-Profis als das ihnen vorgesetzte "Haupt-Paar" - machen ihre Arbeit adäquat und meisterlich.

Das Stück schreit stark nach Szene - irgendwann mal, lieber Barry? Auch der tollen Orchestrierung wegen, bitte unbedingt!



Vorabmotiv zu Arizona Lady an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Gunnar Geller

Andre Sokolowski - 22. Dezember 2014
ID 8336
ARIZONA LADY (Komische Oper Berlin, 21.12.2014)
Konzertante Aufführung

Musikalische Leitung: Kai Tietje
Chöre: David Cavelius
Besetzung:
Lona Farrell, Besitzerin der Sunshine-Ranch ... Katharine Mehrling
Roy Dexter, Cowboy ... Serkan Kaya
Nelly Nettleton ... Mirka Wagner
Bonita, eine Mexikanische Tänzerin ... Stefan Sevenich
Chester Kingsbury jun. ... Michael Pflumm
Sheriff Harry Sullivan ... Jens Larsen
Arizona Boys ... Lindenquintett Berlin
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 21. Dezember 2014
Weiterer Termin: 30. 12. 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




 

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