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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Erbschleicher,

Ehebruch und

ein Evergreen


GIANNI SCHICCHI und
IL TABARRO von Puccini
an der Oper Bonn


Yannick-Muriel Noah als Georgette (sitzend) und George Oniani als Luigi in Il Tabarro an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Bewertung:    



Ein Chor enttäuschter Hinterbliebener vor dem Testamentsvollstrecker, sündiges Begehren und die Sühne für bittere Laster - am Neujahrsabend kochen Leidenschaften im Bonner Opernhaus hoch, und es geht ganz zur Sache. Regisseur Mark Daniel Hirsch hat zusammen mit dem Dirigenten Jacques Lacombe lustvoll und klangfarbenreich zwei Einakter Giacomo Puccinis als semikonzertante Aufführung in Szene gesetzt.

In Gianni Schicchi, frei nach einer Fabel in Dante Alighieris Göttlicher Komödie von 1321, wird chorisch geflucht, rhythmisch gezetert, und auch ein junges Liebespaar findet zärtlich wort- und sangesreich zueinander.

Buoso Donati wird an seinem Sterbebett von habgierigen Verwandten belagert, die sich von seinem Testament ein sicheres Auskommen erhoffen. Erschrocken entnehmen sie seinen letzten Aufzeichnungen, dass er sein Vermögen dem Kloster vermachen möchte. Alsbald toben sie vor Wut. Rinuccio schlägt vor, den schlauen Gianni Schicchi um Rat zu fragen. Er möchte dessen schöne Tochter Lauretta heiraten, wofür er von seinen Verwandten bisher nur getadelt wurde. Schicchi kommt und entwickelt tatsächlich einen Plan, wie die letztwillige Verfügung neu aufgesetzt werden kann. Die anderen ahnen noch nicht, dass das Vermächtnis erneut anders als erhofft lauten könnte.

Es ist ein Genuss zu sehen, wie sich die Verwandten des Buoso Donati gegenseitig anstacheln und Gianni Schicchi mehr und mehr an Macht gewinnt. Familienmitglieder schmettern und trillern ehrgeizig, konkurrieren miteinander, und plötzlich wird Schicchi reihum umgarnt. Bassbariton Renatus Mészár gibt den Titelhelden als geschickt kalkulierenden, geistreichen und wagemutigen Lebemann mit einer durchdringend ehrerbietigen Bassbaritonstimme. Den wohl dankbarsten Auftritt hat jedoch die südkoreanische Sopranistin Sumi Hwang, die in der Rolle der Lauretta die berühmte Arie „O mio babbino caro (O mein lieber Papa)“ – einen Bittgesang an den Vater - strahlend, mit zartem Schmelz in der Stimme und fein timbriert meistert und so der Oper zu einem emotionalen Ruhepunkt verhilft.

*

Weniger heiter ist der zweite Einakter des Abend: Puccinis Il Tabarro, frei nach Didier Golds Stück La Houppelande von 1910. Der Schiffer Marcello und seine Frau Giorgetta haben ihr Kind verloren. Giorgetta möchte der engen Welt auf dem Schiff entfliehen und träumt von einem Leben in der Stadt, wo sie und auch einer der Löscher, Luigi, aufgewachsen sind. Heimlich pflegt sie eine Liebesbeziehung mit Luigi, der Marcello bald auf die Spur kommt.

Die kanadische Sopranistin Yannick-Muriel Noah mimt die Giorgetta im Bühnenzentrum thronend schwermütig und verhärmt als gebrochene Figur. Nur sich eröffnende Duette mit Anderen verraten etwas von ihrer früheren Lebenslust. Der georgische Tenor George Oniani sorgt in seiner Rolle Luigis schließlich für Gänsehaut-Feeling, wenn er sehnsuchtsvoll, eindringlich und impulsiv ein glücklicheres Dasein in wildem Kolorit zeichnet.

Leider werden nur zwei der drei jeweils einstündigen Einakter aus Puccinis Triptychon Il Trittico am Bonner Opernhaus gezeigt. Die im Frauenkloster spielende, lyrische Oper Suor Angelica (Schwester Angelica), die im Sinne Puccinis einen zweiten Akt in seinem Zyklus der drei Stücke bilden sollte, wird leider nicht umgesetzt. Auch an die traditionelle Reihenfolge der Einakter im Sinne Puccinis hält sich die Bonner Vorführung nicht, so wird die heitere Opera buffa Gianni Schicchi als erstes, noch vor dem tragischen Stück Il Tabarro gezeigt, was den Höhepunkt des Zyklus mit der Arie „O mio babbino caro“ ein bisschen vorwegnimmt und so das Gesamterlebnis deutlich trübt. Nichtsdestotrotz eine solide semikonzertante Aufführung am Neujahrsabend mit einem gut aufgelegten Ensemble, einem exzellenten Orchester und glanzvollen solistischen Leistungen.



Gianni Schicchi an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Ansgar Skoda - 4. Januar 2018
ID 10454
GIANNI SCHICCHI | IL TABARRO (Oper Bonn, 01.01.2018)
Musikalische Leitung: Jacques Lacombe
Regie: Mark Daniel Hirsch
Licht: Friedel Grass
Choreinstudierung: Marco Medved

Gianni Schicchi
Gianni Schicchi … Renatus Mészar
Lauretta … Sumi Hwang
Zita … Ceri Williams
Rinuccio … Christian Georg
Gherardo … David Fischer
Gherardino … Maximilian Teschner
Nella … Ava Elisabeth Gesell
Betto von Signa … Leonard Bernad
Simone … Martin Tzonev
Marco … Fabio Lesuisse
Ciesca … Anjara I. Bartz
Magister Spinelloccio … Johannes Mertes
Amantio di Nicolao … Ivan Krutikov

Il Tabarro
Michele … Mark Morouse
Luigi … George Oniani
Il Tinca … Christian Georg
Il Talpa … Martin Tzonev
Georgette … Yannick-Muriel Noah
La Frugola … Ceri Williams
Ein Liederverkäufer … Johannes Mertes
Ein Liebespaar / Sopran … Ava Elisabeth Gesell
Ein Liebespaar/Tenor … David Fischer
Löscher … Ivan Krutikov, Johannes Mertes, Leonard Bernad, David Fischer
Midinettes … Marie Heeschen, Ava Elisabeth Gesell, Anjara I. Bartz, Sumi Hwang


Premiere an der Oper Bonn war am 1. Januar 2018.
Weitere Termine: 07., 21.01./ 04., 18.02.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de/


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