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Das Lied der Frauen vom Fluss an der Oper Köln | Foto (C) Paul Leclaire

Bewertung:    



Ein visuell und musikalisch eindrucksvolles Feuerwerk kreativer Ideen und weit zurückreichender Einflüsse vereint das 2015 am Luzerner Theater uraufgeführte Das Lied der Frauen vom Fluss. Der spanische Multimedia-Künstler Carlus Padrissa (von La Fura dels Baus) kombiniert in dem Musiktheaterstück eindrucksvolle Installationen, sehenswerte Requisiten, Bildprojektionen, Lichteffekte, Tanz, Akrobatik und Poesie. Doch vor allem die Aneinanderreihung der von der musikalischen Leitung Howard Arman ausgewählten und bearbeiteten, eindrücklich vorgetragenen Arien aus rund ein Dutzend Opern der Barockzeit und der Romantik lässt einem vor der Kulisse ungewöhnlicher, futuristisch und surreal anmutender Bühnenszenerien den Atem stocken.

Die sehenswerte Vorführung behandelt in sieben ineinander fließend übergehenden Teilen existentielle Themen. Zu Beginn wird im ersten Teil „Unzufriedenheit/ Selbstmord/ Pakt“ die Dramenexposition in Faust anzitiert. Im zweiten Teil „Versuchungen“ geht es um Selbstzweifel und einen Tanz der Gespenster. Gewissensbisse leiten den dritten Teil, eine „Reise in den inneren Kosmos“ ein. Im vierten Teil machen sich die Figuren einen Gottessimulator auf der „Suche nach dem Gottesteilchen“ zunutze. Der fünfte Teil behandelt die „Suche nach der Schönheit“, und es wird eine „Erschaffung des Paris“ zelebriert. Im sechsten und im siebten Teil schließt sich der sichtlich breit gefächerte Handlungskreis in einem „Erwachen in Licht und Tod“.

Klangmaschinen spielen experimentelle Rhythmen wie von Geisterhand, Sängerinnen (die Sopranistinnen Maria Kublashvili und Claudia Rohrbach) bewegen sich während ihres Vortrages wie Meerjungfrauen in fahrbaren, mannshoch mit Wasser befüllten Aquarien. Während um einen beweglichen Operationstisch versammelte Chirurgen einem sichtlich aufgebrachten Patienten (Adriana Bastidas Gamboa als Faust) Spritzen für eine Geschlechtsumwandlung verabreichen, erklingen sphärische Gesänge. Expressionistisch anmutende Fuhrwerke rollen immer wieder durch den, beidseitig von Zuschauertribünen umgebenen, ebenerdigen Bühnenraum. Solisten singen in diese unförmigen Gefährte eingespannt oder aufgehängt. Obwohl sie durch die Gerätschaften stets unkontrolliert in Bewegung scheinen - mal hoch- oder mal heruntergezogen werden - sorgen sie mit wohlmodulierten, in feinen Klangfarben leuchtenden Gesang wiederholt für Gänsehaut-Feeling.

Tänzer in hauteng körperbetonten, abstrakten Ganzkörperkostümen schwingen sich gleitend an Drehobjekten empor. Sie formen Figuren oder winden sich athletisch in der Luft und auf dem Boden im Rhythmus der Musik. Zu neu arrangierten und leicht verfremdeten bekannten Kompositionen von Henry Purcell über Georg Friedrich Händel und Jacques Offenbach bis hin zu Franz Liszt gesellen sich ausdrucksstarke Klänge von Howard Arman. Auch Solisten des Gürzenich-Orchester tanzen an diesem Abend mal bewusst aus der Reihe und liefern sich gar improvisiert wirkende Dialoge. So erheben sich einige der Bläser und Geiger während des Spiels von ihren Sitzen und bewegen sich leidenschaftlich im Raum.

Gesanglich, orchestral und choreographisch wurden alle Sinne angesprochen. Nur von den Tänzern während der Vorstellung im Publikum verteilte Gaben wie Trockenfrüchte hätte man sich sparen können. Schließlich lenkten diese im Mund teilweise laut knackenden Darbringsel etwas von der Performance ab. Es bleibt zu hoffen, dass dieses aufregende Juwel experimenteller Opernkunst bald wieder zu sehen sein wird.




Claudia Rohrbach (Sopran 2) und Adriana Bastidas Gamboa (Faust/Fausta) in Das Lied der Frauen vom Fluss | Foto (C) Paul Leclaire

Ansgar Skoda - 11. Juni 2017 (2)
ID 10078
DAS LIED DER FRAUEN VOM FLUSS (StaatenHaus Saal 3, 06.06.2017)
Musikalische Leitung: Howard Arman
Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus)
Bühne & Sound Machines: Roland Olbeter
Kostüme: Chu Uroz
Choreografie: Sandra Marín Garcia
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Georg Kehren und Marc Rosich
Video: Fritz Gnad 
Besetzung:
Fausta … Adriana Bastidas Gamboa
Sopran 1 … Maria Kublashvili
Sopran 2 … Claudia Rohrbach
Tenor 1 … Jeongki Cho
Tenor 2 … Martin Koch
Bassbariton … Matthias Hoffmann
Sprecher … Lennart Lemster
Tanzensemble … Adrián Castelló, Ayberk Esen, Roberto Junior, Tsui-Shuang Lai, HyunJin Lim und Ayako Toyama
Statisterie der Bühnen Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Uraufführung im Luzerner Theater war am 10. Januar 2015.
DEA an der Oper Köln: 20. Mai 2017
Eine Koproduktion mit dem Luzerner Theater


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper.koeln


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