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Opernkritik

Opernrarität

weckt vergeblich

hohe Erwartungen


DAS LIED DER NACHT
von Hans Gál


Foto (C) Jörg Landsberg

Bewertung:    



Den historischen Ereignissen der 1930er Jahre in Deutschland geschuldet, ist die Oper Das Lied der Nacht vom jüdischen Komponisten Hans Gàl (1890-1987) seit ihrer Uraufführung 1930 in Vergessenheit geraten. GMD Andreas Hotz hat sich diesem archivarischen Fundstück in Zusammenarbeit mit Mascha Pörzgen nun angenommen und für das Theater Osnabrück auf die Bühne geholt. Angekündigt als Glücksgriff unter den vergessenen Opern, ging eine hohe Erwartungshaltung der Inszenierung voraus, die sich ernüchternderweise als doch eher durchwachsen erwiesen hat. Zweifelsohne handelt es sich um eine Rarität, die von allen Beteiligten mit viel Leidenschaft und Professionalität umgesetzt worden ist. Allerdings zeigt sich auch, dass der Stoff dem Können des Ensembles nicht gerecht wird.

Dennoch geht zunächst ein großes Kompliment an Frank Fellmann, der sich äußerst kreativ für Bühne, Kostüme und Videoinstallationen verantwortlich gezeichnet hat. Übergroße Möbel zeigen die verzerrte Perspektive des jungen Mädchens, denn Lianora (so heißt sie) ist ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Sie selbst wie auch ihre Hofdamen wirken geradezu püppchenhaft dank bunter, geblümter Kleidung. Lianora trägt ein zweigeteiltes Gewand, welches beeindruckend simpel repräsentiert, dass sie weder Kind noch Erwachsene ist. Gut durchdacht ist auch besonders die Kleidung ihres Vetters, der um den Thron buhlt: Bekannt für sein ausschweifendes Liebesleben trägt der Lebemann Schlangen als Zeichen der Sünde und Verführung auf seiner Kleidung. Ähnlicher Thematik bedient sich die Traumsequenz, die Lianoras nächtliche Gefühlsregungen für ihren umschwärmten Sänger widerspiegelt. Imposant zeigt sich auch die Gestaltung der Fürstin-Äbtissin, die im grauen Habit und unsichtbar auf Stelzen stehend erscheint, so dass der Respekt, der ihr gezollt wird, überdeutlich wird.

Tadellos ist zudem die Ausführung der Rollen durch die Darsteller auf der Bühne. Bei den Hauptdarstellern sitzt jeder Ton. Auch die kindlich ambivalente Gefühlswelt Lianoras weiß Sopranistin Lina Liu detailliert in Mimik und Gestik darzustellen, wie auch Gritt Gnauck die Fürstin-Äbtissin souverän gibt und die Dame mit dem Beinamen „die Steinerne“ tatsächlich zu solcher werden lässt. Großartig anzusehen ist die Leidenschaft, die das Osnabrücker Symphonieorchester und insbesondere der an diesem Abend leitende Daniel Inbal dabei zeigen, die Inszenierung musikalisch zu begleiten.

Wie eingangs erwähnt ist jedoch als klarer Kritikpunkt zu sehen, dass alle Beteiligten künstlerisch weitaus mehr können, als Das Lied der Nacht herzugeben vermag. Statt melodiöser Arien gibt es mehr oder minder Sprechgesang zu hören, der leider nicht sonderlich eingängig ist. Auch scheint das Libretto an einigen Stellen mehr in die Tempi der Instrumentalbegleitung gepresst, als stimmig zu sein. Obwohl der Rhythmus zum dritten Bild hin sukzessive ansprechender wird, wirkt die Oper letztlich ein wenig langatmig und lässt den Funken – leider trotz aller kreativen und ambitionierten Leistungen - nicht überspringen.




Das Lied der Nacht von Hans Gál am Theater Osnabrück (C) Jörg Landsberg

Sina-Christin Wilk - 29. Mai 2017
ID 10052
DAS LIED DER NACHT (Theater am Domhof, 25.05.2017)
Musikalische Leitung: Daniel Inbal
Inszenierung: Mascha Pörzgen
Bühne, Kostüme und Video: Frank Fellmann
Choreinstudierung: Markus Lafleur
Dramaturgie: Ulrike Schumann
Besetzung:
Die Fürstin-Äbtissin ... Gritt Gnauck
Lianora, Erbprinzessin von Sizilien ... Lina Liu
Galwine, ältere Folgedame ... Elzbieta Schiffer
Hämone, jüngere Folgedame ... Susann Vent-Wunderlich
Tancred, Vetter Lianoras ... Rhys Jenkins
Der Kanzler-Reichsverweser ... José Gallisa
Ciullo, der Bootmann / der Namenlose Sänger ... Ferdinand von Bothmer
Opernchor und Extrachor des Theaters Osnabrück
Osnabrücker Symphonieorchester
Premiere am Theater Osnabrück: 29. April 2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-osnabrueck.de


Post an Sina-Christin Wilk

scriptura-novitas.de



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