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Operette

Žilvinas Brazauskas, Ireene Ollino - um "bloß" zwei grandiose Beispiele herauszustellen



(C) HfM Hanns Eisler

Bewertung:    



Die Hochschule für Musik Hanns Eisler und die Kunsthochschule Berlin-Weißensee luden mit Szenenausschnitten aus Offenbachs La Périchole zu einer Musiktheater-Werkstatt in das ehemalige Stummfilmkino Delphi ein - wer da noch nie zuvor gewesen war; allein dieser grandiose Kinosaal mit seiner zig Jahrzehnte angesetzt habenden Patina ist ein Besuch hochwert:


"Das ehemalige Stummfilmkino wurde von dem Architekten Julius Krost geplant und als letztes Stummfilmkino 1929 mit 870 Plätzen eröffnet. Es ist mit dem Aufschwung der Kinobranche der 1920er und 1930er Jahre fest verbunden. Der Standort in Berlin Weißensee, direkt angrenzend zum Prenzlauer Berg, wurde durch die zahlreichen Filmproduktionsstätten auch 'Klein Hollywood' genannt. 1920 wurde Weißensee in die Gemeinde Berlin integriert und etablierte sich zur internationalen Filmstadt. Anfangs zeigte das Delphi noch überwiegend Stummfilme, wie den legendären und in unmittelbarer Nachbarschaft gedrehten Film Das Cabinet des Dr. Caligari. Auch wenn 1929 die Weltwirtschaftskrise den meisten Kinos ein jähes Ende bereitete, überstand das Delphi. 1959 wurde der Kinobetrieb jedoch eingestellt und das Haus verfiel in einen Dornröschenschlaf. Das Gebäude wurde im Foyerbereich in den Folgejahren als Gemüselager, Rewatex-Wäschereistützpunkt, Briefmarkengeschäft, Schauraum für Orgelbau oder als Lagerhalle der Zivilverteidigung der DDR genutzt. 2013 übernahm das Künstlerpaar Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider das Haus und gestalten es zu einem neuen Kunst- und Kulturort. Als das Gebäude 2016 zum Verkauf stand, gingen sie eine Partnerschaft mit der schweizer Edith Maryon Stiftung ein, die das Gebäude kaufte, um es für die weitere Entwicklung und dauerhafte Nutzung als öffentlichen Kulturort unter der Leitung von Per Aspera e. V. zu sichern. Das Innere ist heute überwiegend noch so erhalten wie es erbaut wurde und lässt den Charme des vorigen Jahrhunderts erkennen."

(Quelle: ehemaliges-stummfilmkino-delphi.de)


*

Der Musiktheater-Betrieb, auf den sich also die Studierenden der beiden vorgenannten Hochschulen mit dieser Leistungsschau in praxi vorzubereiten und auch erstmals richtig aufzustellen suchten, wurde sodurch mit zwei Dutzend musikalisch Ausführenden (SängerInnen und MusikerInnen) sowie ca. einem Dutzend künstlerischen "Machern" (RegisseurInnen und AusstatterInnen) personell repräsentiert.

Wir lassen uns jetzt hier - in Anbetracht der Überfülle des mit ziemlich auseinanderdriftenden Niveaus hier Angebotenem - "bloß" auf das für uns ohren- sowie augenscheinlich Auffälligste ein:

Zuallererst fällt schon mal Žilvinas Brazauskas auf, wie er dem ersten Teil der insgesamt dann vierblockigen Ab- und Vorgespieltseinsart mit seinen improvisatorisch-überbordenden und allseits Gute Laune konfettierenden Instrumentalkünsten initiatorisch auf die Sprünge half! Das ging dann, insbesondere durch/wegen ihn & ihm, so richtig prima los...

Der zweite Teil ließ singulärer Weise aufhorchen bei Sängerin Ireene Ollino, deren gesangliches bzw. stimmliches Spagat sowohl "ganz hoch" wie auch "ganz tief" ermisst. Sie war (und ist) die Quantenspringerin von allen ihren MitbewerberInnen. Ja, man darf sich ziemlich sicher sein, dass sie in ein paar Jahren für sie respektable Spitzenrollen an den drei Berliner Opernhäusern angeboten kriegen wird - wahrscheinlich wird sie irgendwann auch weltweit abräumen, dass es dann nur so kracht!!

Im dritten Teil fiel Sungho Kim (als Piquillo) mit seinem leidensresistenten lyrischen Tenorgebaren überdurchschnittlicher Maßen auf - auch bot uns Ausstatterin Lena Bohnet (Bühne und Kostüme) einen grellen als wie bunten Blick in ihre hübsch und sinnlich ausgedachte kleine Sado-Maso-Welt; Johanna Frech (die Regisseurin) setzte das ihr anvertraute Personal, das schön viel nackte Haut zur Schau stellte, gewieft in Szene.




Prima ausgestattete La Périchole-Operette
im ehemaligen Berliner Stummfilmkino Delphi | Foto (C) KE


Und am Schluss machte Regieanwärter Christoph Clausen - der das Warten-auf-Godot-Drama von Anton Tschechow über die Drei Schwestern zu der Offenbach'schen Operette konzeptionell unnachvollziehbar in Beziehung stellte - den für Opernregisseure immer wieder zu bemängelnden 1A-Fehler, dass er dann OpernsängerInnen (also Leute, die das Sprechtheater-Sprechen nicht gelernt haben und auch, selbst wenn sie's lernen würden, niemals richtig hinkriegen, weil sie halt SängerInnen und nicht SprechschauspielerInnen sind) aus Schauspieltexten deklamieren ließ; es klang einfach zum Ohrenzuhalten...

* * *

Alles in Allem: bunter Abend, jede Menge Eindrücke.

Andre Sokolowski - 24. Januar 2018
ID 10489
LA PÉRICHOLE (Ehemaliges Stummfilmkino Delphi, 23.01.2018)
Szenenausschnitte

Musikalische Leitung: Byron Knutson
Regie: Gabrielė Bakšytė, Ruth Asralda, Johanna Frech, Christoph Clausen und Corinna von Rad (Mentorat Regie)
Ausstattung: Lena Bohnet, Doris Mumhofer, Hana Reintges und Philine Stich
Mit: Sarah Bouchet, Miha Brkinjac, Camila Mandillo, Chiara Jarrell, Sungho Kim, Jeongmin Nam, Lia Naviliat Cuncic, Julie Nemer, Ireene Ollino, Biritta Poulsen, Shokri Francis Raoof, Marcel Raschke, Collin Schöning und Luzia Tietze sowie den Musikern Žilvinas Brazauskas (Klarinette, Gitarre, Klavier) und Hisato Tsuji (Klarinette)
Premiere war am 23. Januar 2018.
Weiterer Termin: 24.01.2018
Musiktheaterwerkstatt der HfM Hanns Eisler Berlin in Kooperation mit dem Studiengang "Kostüm- und Bühnenbild" der Weißensee Kunsthochschule Berlin


Weitere Infos siehe auch: http://www.hfm-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

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