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urbo kune

25 Stunden

in einer

idealen Stadt



Foto (C) Steffen Kühn

Bewertung:    



„die urbanistische oper ein tag und eine stunde in urbo kune erzählt im verlauf von 25 stunden vom werden, entstehen, funktionieren und wirken einer neuen mustergültigen stadt, die als die hauptstadt der vereinigten staaten von europa erdacht und errichtet wird. als abbild dieser stadt ist die oper ein mischwesen aus utopisch-künstlerischer fiktion und konkreten konzeptuellen entwurfsarbeiten. einen tag und eine stunde lang werden wir miteinander hören, denken, essen, trinken, sprechen, spielen, zeichnen, malen, feiern, schlafen und träumen.“
(klangforum Wien, 2014)


Seit Thomas Morus' Utopia finden sich in Geschichte, Politik, Gesellschaft, Religion und Wissenschaft immer wieder Entwürfe für neue Ansätze des Zusammenlebens und Zusammenhandelns von Menschen und Gesellschaften. netzzeit und f.e.a. haben mit dem Klangforum Wien die europäische Idee zum Anlass genommen, eine Utopie von den vereinigten Staaten von Europa zu entwickeln.


„Europa braucht eine neue, vereinende und identitätsstiftende Metropole, eine Stadt, die der Wissenschaft, der Bildung, der Kunst und dem Fest gewidmet ist, eine Stadt, die für alle offen und zugänglich ist. Wie diese Stadt funktionieren soll, wo sie entstehen wird, wer sie bewohnen wird, wie es dort riechen, klingen und aussehen soll, das sind Fragen, die im Zuge des Projekts mit den Mitteln des Musiktheaters erörtert werden.“
(klangforum Wien, 2014)


* * *

urbo kune ist Esperanto und heißt „gemeinsame Stadt“. Die Idee der Macher um Regisseur Michael Scheidl ist, die theoretischen Ansätze zu Europa mit Musik unserer Zeit anzureichern. Musikblöcke und Denkblöcke strukturieren die 25 Sunden währende Performance. Die Musik ist von Nicolaus A. Huber, Louis Andriessen, Beat Furrer und Georges Aperghis, Martin Schüttler, Mathias Spahlinger, Morton Feldman, Iannis Xenakis, Mats Gustafsson und vielen vielen mehr. Referenten aus den Arbeitsfeldern Ökonomie, Ökologie, Soziologie, Futurologie, Politik, Architektur und Kultur präsentieren in den Denkblöcken ihre Gedanken und Ideen von der Zukunft Europas und gemeinschaftlichen Zusammenlebens.

Nach der Uraufführung von urbo kune beim achtbrückenfestival in Köln Anfang Mai war das Projekt im Wiener Konzerthaus gelandet. Der große Saal wurde in eine Art öffentliche Agora verwandelt. Anstelle der festen Stuhlreihen im Parkett liegen Matten, Kissen und Decken bereit. Am Rande sind Tische mit Schachbrettern angeordnet. Von Anfang hat man die Möglichkeit, sich ganz individuell einzurichten in urbo kune. Auf der großen Bühne finden die Musik-Performances statt. Die Vorträge und Diskussionen werden abwechselnd von dort oder aus der Mitte der Agora heraus gehalten. Mehrere Leinwände übertragen die Redner und deren Charts. Die anderen Säle des Konzerthauses werden auch bespielt. Um sechs Uhr (am 24. Mai) hatte man die Möglichkeit, sich im Schönberg-Saal an einer Yoga Session, geleitet von Eva Furrer, zu beteiligen. Ein Percussion-Workshop mit Björn Wilker fand im Mozart-Saal statt.

Sich beteiligen und selbst handeln steht ganz oben auf der Agenda des Projektes. In den Fluren standen riesige Tafeln und Kreide zum Zeichnen bereit. In Passbildautomaten hatte man die Möglichkeit, sich vor der von Rem Koolhaas entworfenen europäischen Flagge abbilden zu lassen. Nach und nach im Verlauf der 25 Stunden wurden diese Möglichkeiten immer intensiver genutzt. Viele Gespräche ergaben sich am Buffet oder auch mit den Schlafnachbarn, ca. 30 Hartgesottene nutzten die Möglichkeit, im Großen Saal des Konzerthauses die komplette Nacht zu verbringen. Mit Pierluigi Billones Sgorgo Y, ein Stück für E-Gitarre aus dem Jahr 2012, startete es - um Mitternacht begann der Akt „Traumzeit“. Bizarre Klangkaskaden erschütterten den Saal, und man konnte sich noch nicht vorstellen, die ganze Nacht hier zu verbringen. Doch mit dem mehrstündigen Stück For Philip Guston von Morton Feldman aus 1984 versank der Raum in einen tranceartigen Zustand. Wachphasen wechselten sich mit Traum- und Schlafphasen ab. Der Input aus den Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen begann sich zu verselbstständigen. „Wir können den Bürgern die Angst vor der Zukunft nicht nehmen, wir können ihnen aber die Zukunft nehmen.“ (Arnon Grunberg); Sätze wie diese schwirrten durch den Kopf.

Als Gast in urbo kune fühlte man sich überaus gut aufgehoben. Zwischen den Konzerten animierte die Tänzerin Fabiana Pastorini einen gemeinsamen Dance for Health. Wem das nicht reichte, der konnte seinen Körper beim Yoga wieder mit Energie aufladen. Das Büffet war immer gut gefüllt, Punkt sieben Uhr (am 24. 5.) konnte man sich im Licht des neuen Tages am frisch duftenden Frühstück stärken. Die Konsequenz, mit welcher die künstlerische Idee von urbo kune neue, vereinende und identitätsstiftende Felder und Orte zu schaffen, durch das beteiligte Team umgesetzt wurde, schaffte eine authentische Atmosphäre, um über Themen wie Wachstum, Gleichberechtigung, private und öffentliche Räume und vieles mehr intensiv nachzudenken. Auch und gerade weil viele Themen kontrovers vorgetragen wurden, begann die Beschäftigung damit. Hier schloss sich der Kreis zur Musik unserer Zeit. Auch diese ist kontrovers, und es braucht Energie und den Willen, einen Zugang dazu zu finden.

*

25 Stunden Zeit für einen utopischen Ansatz, urbo kune schaffte eine spannende Auszeit im immer schneller werdenden Alltag unserer Zeit. Diese Zeit war gut investiert!



(C) Alex Püringer/netzzeit | Bildquelle: klangforum.at

Steffen Kühn - 28. Mai 2015
ID 8670
EIN TAG UND EINE STUNDE IN URBO KUNE (Wiener Konzerthaus, 23./24.05.2015)
urbo kune

Klangforum Wien
Vokalensemble NOVA
Johanna von der Deken, Sopran
Ursula Langmayr, Sopran
Mats Gustafsson, Saxophon
Krassimir Sterev, Akkordeon
Soumik Datta, Sarod
Yaron Deutsch, E-Gitarre
Sophie Schafleitner, Violine
Uli Fussenegger, Kontrabass
Joonas Ahonen, Klavier
Virginie Tarrête, Harfe
Björn Wilker, Schlagwerk
Lukas Schiske, Schlagwerk
Erwin Reichl, Stunt
Dirigent: Enno Poppe


Weitere Infos siehe auch: http://www.konzerthaus.at


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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