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RUHRTRIENNALE 2016

Vollmondige

Klänge


Werke von Stockhausen


Bewertung:    



Karlheinz Stockhausen beschrieb seine Kompositionen wie Planeten oder Monde, die im Kosmos kreisen. Während der Vollmond am 18. August über der Jahrhunderthalle in Bochum aufging, wurde in der Halle 3 im Rahmen der RUHRTRIENNALE Musik des Komponisten (1928-2007) zur Aufführung gebracht. Der Gesang der Jünglinge im Feuerofen (1956), ein biblisches Thema aus dem Buch Daniel, eröffnet vom Tonband abgespielt den Konzertabend. Es ist eine der ersten elektronischen Musikkompositionen von Stockhausen und war zur Zeit der Uraufführung im WDR-Sendesaal etwas völlig Neues in der Musikgeschichte. An seiner elektronisch bearbeiteten Collage von Gesangsaufnahmen eines Knaben und direkt elektronisch erzeugten Klängen arbeitete Stockhausen Mitte der 1950er eineinhalb Jahre lang bis zur Erstausstrahlung. In der großräumigen Bochumer Halle ergibt sich eine eindrucksvolle Akustik, indem sich schräg und verzerrt wirkende Klänge auf die jeweils in den Ecken verteilten Lautsprecherboxen verlagern und die Töne mal in der Nähe und mal in der Ferne in eine Spannung zueinander treten.

Das längste Stück des Abends ist Stockhausens Frühwerk Carré (1960). Hierbei spielen um das Publikum herum auf vier Bühnen platziert etwa zwanzigköpfige Orchester und jeweils vierstimmige Chöre. Carré ist die erste Komposition Stockhausens nach seiner Idee der „Momentform“ – die Musik soll hierbei nichts erzählen, sondern als Gesamteindruck erklingen. Der Zuhörer wird eingeladen sich dem Ton, der im jeweiligen Moment da ist, ganz zu öffnen. Ein meditatives Hörerlebnis, das mal dicht volltönend und mal zart und leise erklingt und abstrakt erscheint, da sich keine eindeutige Melodie ergibt. Die Mitglieder der Chöre beispielsweise vollführen kurze, einander antwortende, gedehnte Vokallaute, zischende Mundakrobatik und klatschen plötzlich synchron in die Hände, ohne dass ein im traditionellen Sinne erzählender Gesang entsteht. An der spannungsvollen Performance beteiligten sich mindestens 120 Personen. Die Chöre und Orchester interagieren miteinander, spielen mal abwechselnd, mal zu zweit oder zu dritt, aber immer punktgenau. Es ist eine große Leistung, ein derartiges klanglich-räumliches Erleben live zu vermitteln.

Stockhausens letzte elektronische Komposition Cosmic Pulses entstand 2007 in seinem Todesjahr. Überlagerungen und Verschiebungen sollen den Zuhörern kosmische Harmonien eröffnen. Stockhausen war immer sehr von Ideen, Religion und Spiritualität geleitet. Der anfängliche christliche Glaube wich mehr und mehr den Glauben an esoterische Lichtwesen, an Außerirdische mit höherer Intelligenz und an Widergeburt zur Vervollkommnung. Diesen Gedanken muss man nicht folgen, um von der zukunftsweisenden Musik Stockhausens ergriffen zu sein. Die Bochumer Symphoniker und das ChorWerk Ruhr unter den musikalischen Leitungen von Rupert Huber, Florian Helgath, Matilda Hofmann und Michael Alber sorgen bei Carré für ungewohnte und bizarre Klangerlebnisse. Auch Stockhausens Soundcollagen schaffen anregende perspektivische Raumeindrücke. Stockhausen war musikhistorisch sicherlich innovativ und bedeutsam, doch die Hörgewohnheiten haben sich geändert und seine Kompositionen klingen heute hinsichtlich des klanglich-räumlichen Erlebens nicht mehr so neu und bahnbrechend wie zur damaligen Zeit.

Anders als von den Veranstaltern angegeben, betrug die Dauer des Konzertabends weit mehr als 2 Stunden und 15 Minuten. Dies war besonders für die Zuschauer im Publikum ärgerlich, die von weither mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist waren und noch zurückkommen mussten. So verließen einige Besucher das Konzert bereits vor dem letzten Stück.



Nach Stockhausens Carré in der Jahrhunderthalle Bochum | Foto (C) Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 19. August 2016
ID 9489
CARRÉ (Jahrhunderthalle Bochum, 18.08.2016)
Karlheinz Stockhausen: Gesang der Jünglinge im Feuerofen (1956), elektronische Musik
- Carré (1960), für 4 Chöre und 4 Orchester
- Cosmic pulses (2007), elektronische Musik

Musikalische Leitung: Rupert Huber, Matilda Hofman, Florian Helgath und Michael Alber
Klangregie: Kathinka Pasveer
Akustikberater: Igor Kavulek
ChorWerk Ruhr
Bochumer Symphoniker
Weiterer Termin: 19. 8. 2016
Eine Produktion der Ruhrtriennale


Weitere Infos siehe auch: https://www.ruhrtriennale.de


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de

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