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Neue Musik

Psycho-Man


DER SANDMANN von
Andrea Lorenzo Scartazzini

(Libretto: Thomas Jonigk)


Agneta Eichenholz (Clara) und Daniel Schmutzhard (Nathanael) in Der Sandmann an der Oper Frankfurt | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Was für ein Abend! Ein kleines, feines, bösartiges, niederschmetterndes, erst angstmachendes, dann wieder komisches, rasend schnell vorüberziehendes Stück Musiktheater: Vertonte Dämonie, aber wie! Mit flirrenden Flötentönen und pieksigen Streichern, mit Xylophon und Windmaschine, Cembalo und Harfe. Und mit Akkordeon! (Ich liebe Akkordeon!) Andrea Lorenzo Scartazzini hat für seine Oper Der Sandmann (Libretto: Thomas Jonigk) eine effektvoll dramatische, psychologisch durchwirkte, grell leuchtende und auch ziemlich erotische Klangsprache entwickelt. Der am Pult waltende Hartmut Keil braucht folglich nicht viel mehr zu tun, als den Orchesterherd auf maximale Gradzahl zu drehen. Und die Musiker vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester scheinen auf ihren Instrumenten um ihr Leben zu spielen, ja, im Grunde so, als wäre die zeitgenössische Klassik schon immer ihr ureigenes Steckenpferd gewesen.

Intendant Bernd Loebe hat die Uraufführungsproduktion vom Theater Basel eingekauft, was auch Sinn macht, denn: Christof Loy hat inszeniert, Loebes Leib- und Magenregisseur. Loy komprimiert und konzentriert, führt die Personen präzise wie ein Uhrwerk und vergrößert die Wirkung des Stücks, indem er es auf ein Kammerspiel verkleinert. Dazu umrahmt Barbara Pral einen dunklen Kohlenkasten mit grellen Neonröhren, kleidet Ursula Renzenbrink das Bühnenpersonal in schwarz-weiß-rot (und etwas Strass): quasi eine Grundausstattung, die das Ganze aber perfekt ergänzt.

Worum geht’s? E.T.A. Hoffmanns Figur Nathanael bräuchte dringend psychiatrische Hilfe: Aufgewachsen beim Vater, einem Bestatter, der mit Toten mehr anzufangen wusste als mit dem eigenen Kind, durchleidet Nathanael nach dem Tod seines Peinigers ein Trauma, welches er sich mit dem autobiographischen Roman Der Sandmann von der Seele zu schreiben versucht. Was jedoch gar nicht so einfach ist, schaut doch der Vater in regelmäßigen Abständen vorbei, gemeinsam mit seinem ebenfalls toten Kollegen Coppelius im Schlepptau. Und dann ist da noch Clara, die Freundin, die Nathanaels Ablehnungs- und Versagungsängste vielmehr verstärkt, anstatt zu helfen…

Dass der Spannungsbogen zu keinem Zeitpunkt durchhängt, liegt auch an der klug zusammengestellten Besetzung: Thomas Piffka und Hans-Jürgen Schöpflin als diabolisches Untotenpärchen, die wunderbare Agneta Eichenholz in der Doppelrolle der Clara / Clarissa und der sich einen persönlichen Triumph ersingschauspielernde Daniel Schmutzhard als Nathanael.

Doch, ich bin mir sicher: Scartazzinis Werk wird sich durchsetzen!



<>Der Sandmann an der Oper Frankfurt | Foto (C) Monika Rittereshaus

Heiko Schon - 24. Oktober 2016
ID 9632
DER SANDMANN (Oper Frankfurt, 23.10.2016)
Musikalische Leitung: Hartmut Keil
Inszenierung: Christof Loy
Regie-Mitarbeit: Axel Weidauer
Bühnenbild: Barbara Pral
Kostüme: Ursula Renzenbrink
Licht: Stefan Bolliger
Choreografie: Thomas Wilhelm
Dramaturgie: Yvonne Gebauer
Chor: Tilman Michael
Besetzung:
Nathanael ... Daniel Schmutzhard
Clara / Clarissa ... Agneta Eichenholz
Vater ... Thomas Piffka
Coppelius ... Hans-Jürgen Schöpflin
Lothar ... Daniel Miroslaw
Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Uraufführung im Theater Basel war am 20. Oktober 2012
Frankfurter Premiere: 18. 9. 2016
Eine Produktion des Theaters Basel


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper-frankfurt.de


Post an Heiko Schon

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