Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Neue Musik

Unverständliche

Traumreise



Die Antilope an der Oper Köln | Foto (C) Bernd Uhlig

Bewertung:    



Wie entkommt man dem zwanghaften Frohsinn einer ausgelassenen Betriebsfeier, wenn einem nicht heiter zu Mute ist? Victor springt aus dem Fenster des 13. Stockwerks. Gerade eben feierten hier noch seine Arbeitskollegen frenetisch. Paradoxerweise überlebt Victor den Sturz. Daraufhin beginnt er eine nächtliche Odyssee oder auch Traumreise, die tief auf seine Kindheit zurückgreift. Eine Konstante seines Weges mit mehreren Stationen ist, dass Victor nur auf Unverständnis trifft. Er findet keinen wirklichen Ansprechpartner für sein Mitteilungsbedürfnis.

*

Die Antilope des österreichischen Komponisten Johannes Maria Staud (Libretto von Durs Grünbein) widmet sich als musikalische Groteske dem Phänomen der Kommunikation. Der Hauptprotagonist wird von den anderen Figuren und zunächst auch vom Publikum über weite Strecken nicht verstanden. Der kroatische Bariton Miljenko Turk singt den Victor zurückgenommen spannungsvoll mit großen Sprüngen changierend in einer Phantasiesprache, was teilweise sehr ermüdet. Die Handlung gliedert sich in Kreisform in sechs Bilder, wobei sich ganz am Ende das letzte Bild der Firmenfeier wiederholt. Neben klangfarbenreiche Musik und nuanciert gedehntem Gesang treten Zuspielungen von Band und gesprochene Szenen. Mit hoher Präzision werden Elemente klassischer Opernmusik verzerrt und durch verschiedene Genres wie das Sprechtheater und Tonbandeinspielungen (mit Gläserklirren, Gespräche und Gelächter) ergänzt. Als archetypisches Thema geht es inhaltlich um Codes für Zugehörigkeiten und eine Flucht vor namenloser Homogenität. Es lassen sich nicht alle Rätsel wieder auflösen, welche die Oper bewusst auch in seinem relativ sinnfreien Titel aufwirft.

Victor ist entgegen seinem Namen (Victor – Der Siegreiche) ein Verlierer. Mit einer seltsamen Sprache, dem „Antilopischen“, verschafft er sich selbst Ausdruck, ohne dass seine Mitmenschen dieser Sprache mächtig sind. Er begegnet anderen Menschen, die miteinander eine Nonsens-Kommunikation üben und aneinander vorbeireden. Es kommt so zu absurden Missverständnissen. Auch Victors Bemühen um eine Kontaktaufnahme misslingt stets. Verständlich wird Victor erst, als er sich alleine glaubt und eine großformatig auf der Bühne platzierte abstrakte Skulptur als „unnützes Kunstwerk“ beschimpft. Ebendiese Skulptur (Emily Hindrichs) singt später eine antilopische Arie – sparsam nur vom Klavier und einer Klarinette begleitet.

Die Oper handelt von Sprache und Identität. Mit lyrischen Momenten überzeugt sie insbesondere in der Umsetzung der schillernden Partyszenen mit feschen Tanzeinlagen und ausgefallenen tierischen Kopfbedeckungen (Kostüme: Ingrid Erb). Das Stück über den Mut zum Anderssein wirkt ansonsten etwas verkopft und musikalisch etwas unausgegoren schräg und zu einseitig disharmonisch. Trotzdem bleiben insbesondere die Bilder der Begegnungen Victors, teilweise gespenstischen Figurenkonstellationen in David Lynch-Filmen ähnelnd, lange in Erinnerung.




Miljenko Turk als Victor (vorne) in Die Antilope an der Oper Köln | Foto (C) Bernd Uhlig

Ansgar Skoda - 18. März 2017
ID 9917
DIE ANTILOPE (StaatenHaus, 12.03.2017)
Musikalische Leitung: Howard Arman
Inszenierung: Dominique Mentha
Bühne: Ingrid Erb und Werner Hutterli
Kostüme: Ingrid Erb
Licht: Nicol Hungsberg
Chorleitung: Sierd Quarré
Dramaturgie: Georg Kehren und Christian Kipper
Besetzung:
Victor … Miljenko Turk
die Sekretärin, die junge Frau, die Mutter, die Passantin … Claudia Rohrbach
eine Kollegin, eine Frau, die Skulptur … Emily Hindrichs
eine Kollegin, eine Frau, die alte Frau … Dalia Schaechter
ein Kollege, der junge Mann, ein Doktor … Martin Koch
ein Kollege, der Passant, ein Doktor … Michael Mrosek
der Chef, der Oberkellner, ein Doktor, der Wachmann … Lucas Singer
eine Frau … Constanze Meijer
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Uraufführung im Theater Luzern war am 5. September 2014.
Premiere an der Oper Köln: 5. März 2017
Weitere Termine: 18., 23. + 26.03.2017
Koproduktion von Lucerne Festival, Theater Luzern und Oper Köln


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper.koeln


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de

Neue Musik



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:






MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ANTHOLOGIE

BAYREUTHER FESTSPIELE

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KRITIKEN

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PORTRÄTS

PROMOTION

ROSINENPICKEN
Glossen zu Theater & Musik von Andre Sokolowski




Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de