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Neue Musik

60er-Jahre-Avantgarde

Lachen oder Weinen


Markus Hollop (Bass) und Lena Haselmann (Mezzosopran) in Aventures / Sur Scène / Nouvelles Aventures an der Staatsoper im Schiller Theater | Foto (C) Martin Koos

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"Ligeti schrieb seine beiden 'Aventures' für Sopran, Alt Bariton und Instrumentalisten 1963 bzw. 1966 und war gemeinsam mit Komponisten wie Dieter Schnebel auf der Suche nach einer neue Musiksprachlichkeit, die durch die Musikalisierung von Phonemen und Wortfragmenten und im Verzicht auf semantische oder poetische Bedeutung, entstehen sollte. Literarisch orientiert sich Ligeti am Dadaismus und sicherlich findet man besonders bei Kurt Schwitters, z.B. in der Ursonate historische Vorbilder. Diese Vorgehensweise allerdings auf musikalisches Material zu übertragen und dabei ein veritables Meisterwerk zu schaffen, blieb Ligeti vorbehalten. Es handelt sich dabei nicht mehr um die Vertonung eines Textes, sondern der Text wird in einem musikalischen Prozess im wahrsten Sinne des Wortes kom-poniert, also zusammen-gesetzt. Die Grenzen zwischen Musik und Text werden nivelliert, so dass in der Folge beides untrennbar ineinander fällt und nicht mehr voneinander zu trennen ist. Die vokalen Aktionen werden identisch mit den instrumentalen, und in diesem Sinne sind die 'Aventures' Musterbeispiele für das später so genannte 'Instrumentale Theater'. Mit dieser Bezeichnung bringt man in aller Regel Maricio Kagel, den Komponisten von 'Sur Scène' aus dem Jahr 1962, in Verbindung. In dem 'kammermusikalischen Theaterstück' für Sprecher, Sänger, Mimen, agierende Instrumentalisten und Tonband hören wir in einen professoralen musikgeschichtlichen Vortrag. Diese scheinbar ernsthafte und sinnvolle Erörterung verstrickt sich zunehmend in pseudophilosophischen Unsinn bis hin zur Abstrusität."

(Quelle: Staatsoper im Schiller Theater, 2015)


*

Unsinn und Abstrusität, Lachen oder Weinen – das war die Frage in der Werkstatt des Schiller Theaters. Unsinn, das ist die an Dadaismus erinnernde Blödelei, doch die Ernsthaftigkeit des Plots und der Inszenierung führt dann alles schnell ins Abstruse.

Die Aventures stehen in der Tradition der klassischen Avantgarde. Der Ausdruck Avantgarde stammt aus der französischen Militärsprache und bezeichnet denjenigen, der als Erster vorrückt. Heute werden unter Avantgarde politische und künstlerische Bewegungen zumeist des 20. Jahrhunderts verstanden, die sich durch eine besondere Radikalität gegenüber bestehenden politischen Verhältnissen oder vorherrschenden ästhetischen Normen auszeichnen. György Ligeti marschiert also mit menschlichen Lauten und schreiender Kammermusik gegen die ästhetischen Normen der 1960er Jahre. Mauricio Kagels Sur Scène zieht sich aus dem, was er gemeinhin unter Musik versteht, weitgehend zurück und weidet sich musikgeschichtlichem Bla-bla-bla.

* *

Dadaistische Musik oder Poetik leben vom Spontanen, von der Improvisation, Michael Höppner (Regie) aber inszeniert und choreografiert die 90 Minuten penibel durch, aus Lachern werden mit der Zeit ermüdende Effekte, gespielte Improvisationen wirken steif und vorhersehbar. Die Gesangsparts sind (zum Glück) mit Lydia Brotherton (Sopran), Lena Haselmann (Mezzo) und Markus Hollop (Bariton) glänzend besetzt, Respekt für diese Art von Wort- und Tonakrobatik!

Das Konzeptionelle dieser Stücke atmet den Geist des Historischen und hat uns ästhetisch heute nichts mehr zu sagen. Das kontinuierlich flüchtende Publikum spricht da Bände!



Lydia Brotherton (Sopran), Markus Hollop (Bass) und Lena Haselmann (Mezzosopran) in Aventures / Sur Scène / Nouvelles Aventures an der Staatsoper im Schiller Theater | Foto (C) Martin Koos

Steffen Kühn - 18. November 2015
ID 8986
AVENTURES | SUR SCÈNE | NOUVELLES AVENTURES (Werkstatt, 15.11.2015)
Musikalische Leitung: Max Renne
Inszenierung: Michael Höppner
Ausstattung: Günter Hans Wolf Lemke
Licht: Sebastian Alphons
Ton: Sébastien Alazet
Dramaturgie: Jens Schroth
Besetzung:
Sopran ... Lydia Brotherton
Mezzosopran ... Lena Haselmann
Bass ... Markus Hollop
Schauspieler ... Felix Theissen
Musiker ... Alba Gentili-Tedeschi, Jenny Kim und Alexandros Giovanos
Mitglieder der Staatskapelle Berlin
Premiere an der Staatsoper im Schiller Theater war am 14. November 2015
Weitere Termine: 19., 21., 24. 11. 2015

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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