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Konzertkritik

RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN

Filmkonzert mit IWAN GROSNY


Bewertung:    



Berlin hat am vergangenen Sonntag gewählt. Russland übrigens auch. Dort wird Präsident Putin zukünftig noch mehr Macht erhalten: Er ist und bleibt, wenn man so will, ein Zar des 21. Jahrhunderts. Zugleich feiert ein russischer Filmregisseur seine Wiederauferstehung, der in der namhaften Liste Stalin-kritischer Künstler ziemlich weit oben steht - Sergei Eisenstein. Letztes Jahr lief auf der Berlinale Peter Greenaways Biopic-Collage Eisenstein in Guanajuato, deren Drehbuch „homosexuelle Propaganda“ enthält. Dies jedenfalls das Argument, welches zur Folge hatte, dass die russische Filmförderung - der Gosfilmofond - sich weigerte, bei der Finanzierung mitzumachen. Das MUSIKFEST BERLIN ermöglichte nun, dass der geniale, jüdische und, ja, auch schwule Eisenstein selbst zu Wort kommt - und zwar in Form seines Epos Iwan Grosnij mit der originalen Filmmusik von Sergei Prokofjew.

Diese kennt man in weiten Teilen aus dem von Abram Stassewitsch zusammengestellten Oratorium, welches ab und zu den Weg in die Konzertsäle findet. Jetzt wurde zum ersten Mal die vollständig rekonstruierte Musik der Iwan-Teile 1 und 2 aufgeführt – mit durchwachsenem Ergebnis. Glorios der Anfang: Die Ohren stürzen sich begeistert in das Blaue Meer, hängen an den Lippen der vulkanös brodelnden Marina Prudenskaya und des guttural schwarzfarbigen Alexander Vinogradov, sind zu Iwans Krönungszeremonie sowie der sich daran anschließenden Hochzeit ordentlich gespitzt. Doch etwa ab der Mitte des ersten Teils macht sich Monotonie breit: Ein orthodoxer Chorgesang folgt dem nächsten (von höchster Virtuosität: der Rundfunkchor Berlin), pompöse Szenen klingen pompös, feierliche feierlich (und so weiter und so fort), wogegen an sich nichts zu sagen wäre, würde Prokofjew hierfür nicht die immer gleichen Melodien hervorkramen. Hier eine Variation, dort ein Crescendo obendrauf – und dennoch klingt es wie gerade eben schon mal gehört. Zudem dreht das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Frank Strobel die Lautstärke so hoch, dass man sich fragt, wie viel Dezibel das Dach des Konzerthauses noch aushält bis es wegfliegt.

Und so strahlt dieses Kino-Konzert überwiegend auf der Leinwand: Großartige Schauspielkunst (wie etwa die von Nikolai Tscherkassow als Iwan und Serafima Birman als dessen intrigante Tante) in einem prächtig ausgestatteten Meisterwerk, welches als pathetisches Historiendrama beginnt, um in einer bitterbösen Satire zu enden. Machen Sie sich doch bitte selbst ein Bild: Arte strahlt den Film-Konzertmitschnitt am 7. November 2016 um 23.10 Uhr aus.




Filmstill aus Iwan der Schreckliche von Sergej Eisenstein © D.R. | Bildquelle: berliner-festspiele.de

Heiko Schon - 19. September 2016
ID 9562
RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN (Konzerthaus Berlin, 16.09.2016)
Sergej Eisenstein: Iwan Grosny
Musik von Sergej Prokofjew für Soli, Chor und Orchester op. 116
Erstaufführung der rekonstruierten Fassung von beiden Teilen des Filmes mit der Originalmusik
Marina Prudenskaya, Alt
Alexander Vinogradov, Bass
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Rustam Samedov)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Frank Strobel


Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinerfestspiele.de/musikfest


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