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MUSIKFEST BERLIN

Diverse Kurzeindrücke

aus 4 Konzerten
mit Neuer Musik


Bewertung:    



„Es hat uns wirklich aufgeweckt, das muss ich sagen – und mehr – elektrisiert… Jetzt bin ich ungeduldig darauf, mehr zu hören. Es war wie eine freudvolle elektrische Hinrichtung. Die alten Märtyrer traten oft singend an den Pfahl. Niemand geht so zum elektrischen Stuhl. Schade!“

(Henry Miller 1950 über Edgar Varèses Schallplatte mit u.a. dem Stück Ionisation)

*

Was Henry Miller 1950 über den radikalen Komponisten Edgar Varèse gesagt hat, kann man getrost über das MUSIKFEST BERLIN 2016 setzen. An 19 Tagen werden 27 Veranstaltungen mit über 70 Werken von rund 35 Komponisten präsentiert, aufgeführt von 20 Orchestern, Instrumental- und Vokalensembles sowie zahlreichen Solisten des internationalen Musiklebens und der Musikstadt Berlin. Klar, dass man sich nicht alles anhören kann, es gibt noch ein Leben neben dem MUSIKFEST. Aber schon vier ausgewählte Konzerte reichen aus, einem ungeduldig zu machen auf mehr spannende Programme, mehr selten gespielte Musikliteratur und auf mehr inspirierte Musiker:


* * *

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Jakub Hruša ergründet die geografischen Wurzeln György Ligetis Rumänischen Konzertes. Die Violinen schwelgen in zigeunerhaften Rhythmen, tänzerisch treibt die Piccolo-Flöte das Orchester vor sich her. Aber man spürt schon, wo es mit Ligeti mal hingeht, leicht verschobene Tonhöhen weisen die Richtung - Neue Musik. Da hat es dann das Schlagzeugkonzert der österreichischen Komponisten Olga Neuwirth nicht schwer. Neben dem Solo-Part Percussion befinden sich noch drei Schlagzeuger im Orchester. Allerlei Gebrauchsgegenstände werden zum Schwingen und Klingen gebracht: Autofedern, Bratpfannen, Metallplatten und ein riesiges Chiquita-Bananen-Blechfass. Intensive dynamische Szenen, die an die Schlagzeugliteratur Iannis Xenakis' erinnern, irrlichtern durch den Saal. Dvořaks 4. Sinfonie beruhigt die Gemüter dann wieder.


DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER BERLIN (Philharmonie Berlin, 11.09.2016)
György Ligeti: Concert Românesc für Orchester
Olga Neuwirth: Trurliade-Zone Zero für Schlagzeug und Orchester
Kompositionsauftrag Lucerne Festival | DEA
Antonin Dvorák: Symphonie Nr. 4 d-moll op. 13
Robyn Schulkowsky, Schlagzeug
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Dirigent: Jakub Hrůša




Das Konzert mit jeweils einem Stück von Heitor Villa-Lobos und Olivier Messiaen mit dem Orquesta Sinfónica Simón Bolivar de Venezuela hat dann eher dokumentarischen Charakter. Beide Stücke (Bachianas Brasileiras und die Turangalîla Sinfonie) sind Frühwerke der Komponisten. Man kann teilhaben an der Suche nach der eigenen Klangsprache und neuen Ausdrucksformen: Für den Basilianer Villa-Lobos dokumentiert sich das in der Beschäftigung mit dem klassisch europäischen Klangapparat eines Orchesters und dem Altmeister Johann Sebastian Bach - Messiaen bricht gerade aus diesem Kanon aus und besetzt sein Stück mit einem Ondes Martenot, einem elektronisch klingenden und sehr selten gespielten Instrument.


ORQUESTA SINFÓNICA SIMÓN BOLÍVAR DE VENEZUELA (Philharmonie Berlin, 13.09.2016)
Heitor Villa-Lobos: Bachianas Brasileiras Nr. 2
Olivier Messiaen: Turangalîla Symphonie für Klavier, Ondes Martenot und großes Orchester
Jean-Yves Thibaudet, Klavier
Cynthia Millar, Ondes Martenot
Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela
Dirigent: Gustavo Dudamel




Werke der Britin Rebecca Saunders, des Berliners Enno Poppe und des deutschen Romantikers Franz Schubert stehen im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin auf dem Programm: Weltklassebratschistin Tabea Zimmermann prägt mit ihrem kongenialen Spiel den Abend. Enno Poppe dirigiert sehr präzise die Stücke seiner Kollegin Saunders. Sie hat sowas wie eine eigene Musiksprache gefunden: hoch aufgeladene Kompositionen erzeugen ihre Spannung aus einem räumlichen Kontext, mit Klang und Materialität setzt sich Saunders in ihrem Schaffen auseinander. Das Ensemble Resonanz agiert in teilweise großer Besetzung harmonisch und synchron wie ein Streichquartett, die wunderbare microdynamische Entwicklung in Ire und Fletch von Saunders werden präzise herausgearbeitet.


TABEA ZIMMERMANN & ENSEMBLE RESONANZ (Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin, 17.09.2016)
Franz Schubert: Ouvertüre für Streicher c-Moll D 8a
Enno Poppe: Tier für Streichquartett [2002]
Rebecca Saunders: Ire | Konzert für Violoncello, Streicher und Schlagzeug [2012]
- Fletch für Streichquartett [2012]
Poppe: Filz für Bratsche und Kammerorchester [2015]
Schubert: Symphonie Nr. 5 B-Dur D 485 für Kammerorchester
Tabea Zimmermann, Viola
Saerom Park, Violoncello
Ensemble Resonanz
Leitungen: Tabea Zimmermann und Enno Poppe




Frank Zappa und Edgard Varèse stehen sich beim Konzert im Haus der Berliner Festspiele gegenüber. Varèse, der Klangarbeiter, und Zappa, der populäre Musiker mit einem Hang zu asymmetrischen Rhythmen und deformierten Harmonien. Und das geht super gut. Varèse wird eingerahmt von zwei Blöcken Zappa. Schräge Gitarrensolos werden von den Violinen geadelt. Spaß pur ist das, wenn der Keyboarder vor Ekstase quasi im Sitzen tanzt. Geschickt hat man an diesem Abend die Drehbühne des großen Saales eingesetzt. Die Besetzung der drei Varèse-Stücke kommt nach dem energiegeladenen Zappa eingeschwebt. Varèses Musik ist gar nicht so weit entfernt von Zappa. Effekt und Spaß am Experiment prägen beide Persönlichkeiten. Varèses Ionisation für 13 Schlagzeuger ist ein schillernder Kosmos, der dem Unterhaltungswert der Schlussperformance des Zappa-Blocks in nichts nachsteht. Großer Applaus auch über diesen außergewöhnlichen Abend!


ENSEMBLE MUSIKFABRIK (Haus der Berliner Festspiele, 18.09.2016)
Frank Zappa: Revised Music for Low Budget Orchestra
- Lemme Take You To The Beach
- RDNZL

Edgar Varèse: Ecuatorial für Basstimme und Ensemble nach Texten aus dem Buch "Popul Vuh" der Maya
- Poème électronique für Tonband
- Ionisation für 13 Schlagzeuger
Zappa: The Black Page
- The Black Page #1
- The Black Page #2
- Echidna’s Arf (Of You)
- Don’t You Ever Wash That Thing?

Ali N. Askin: Arrangements und Transkriptionen (Frank Zappa)
Michael Leibundgut, Bass
Dirk Rothbrust, Drumset und Leitung (Frank Zappa)
Frank Wingold, E-Gitarre
Ulrich Löffler, Keyboards
Christopher Brandt, E-Bass
Paul Jeukendrup, Klangregie
Ensemble Musikfabrik
Leitung: (Edgar Varèse): Carl Rosman




Foto (C) Steffen Kühn

Steffen Kühn - 19. September 2016
ID 9558
Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinerfestspiele.de/musikfest


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

MUSIKFEST BERLIN

Neue Musik



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