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Musical

Die Geschichte

hinter der

Ikone



Chaplin am Theater Osnabrück | Foto (C) Jörg Landsberg

Bewertung:    



Am Broadway längst Teil des Standradrepertoires, hat das Theater Osnabrück das Musical Chaplin über den gleichnamigen beliebten Filmstar nun als deutschsprachige Erstaufführung inszeniert. Hierfür adaptierte Christian von Götz das Buch von Thomas Meehan und Christopher Curtis, Nico Rabenald schrieb die deutschen Liedtexte. An-Hoon Song (2. Kapellmeister am Theater Osnabrück) zeichnete für die musikalische Leitung verantwortlich.

Bewusst wird die Bühne durch gezielten Einsatz von Licht und der Nutzung einer Leinwand mit flimmernden szenischen Eindrücken der Stummfilmzeit in Atmosphäre getaucht. Dem überwiegend schlichten Bühnenbild werden überzeichnete Protagonisten in knalligen Kostümen entgegengesetzt, die zum einen an die stilistische Handschrift des Regisseurs Tim Burton erinnern, zum anderen an die populären Vertreter des Elitedistrikts in Die Tribute von Panem. Die elenden Lebensverhältnisse anderer Gesellschaftsschichten werden durch Exzentrik überkompensiert. Auch wenn Charlies Kleidung mit dem Eintreffen in Hollywood farbenfroher wird, nimmt er stets eine eigene Position ein und passt sich nie ganz seinem Umfeld an.

Während seine Kunstfigur „Der Tramp“ – grandios mit Witz und Charme dargestellt durch Verena Hierholzer – als Alter Ago sein Leben begleitet und immer wieder leichtfüßig in bekannter Manier durch die Szenen tänzelt, lassen die Ereignisse hinter den Kulissen einen stetigen Wechsel von Schwermut und Heiterkeit erkennen. Inhaltlich hangelt sich das Musical an einzelnen Stationen in Chaplins leben entlang und erzeugt so eine dichte Geschichte, geprägt von Schicksalsschlägen, persönlichen Tiefpunkten, aber auch von Leidenschaft und Glücksmomenten. Herausgestellt wird, dass die Traumfabrik Hollywood auch Alpträume zu erzeugen vermag. Durch die Boulevard-Presse forcierte Schmutzkampagnen – darstellerisch und gesanglich beeindruckende Interventionen durch Katarina Morfa in der Rolle der Klatschreporterin Hedda -, sind ebenso bittere Realität wie die Tatsache, dass Charlies politisches Engagement und der Wunsch nach ersteren Rollen letztlich seinen beruflichen Niedergang besiegelt.

Als weiteres Glanzlicht des Abends erweist sich Hauptdarsteller Mark Hamman. Bekannt durch zahlreiche Nebenrollen löst er sich von diesem Image und zeigt, dass er die Rolle des Charlie Chaplin zurecht besetzt. Gesanglich brilliert Hamman auf ganzer Linie und verleiht Chaplin eine runde Vocal Range, die Emotionen genau an der passenden Stelle zu vermitteln weiß. Auch der weibliche Gegenpart erweist sich als wahrer Glücksgriff. Celena Pieper, erst kürzlich mit dem Preis der BDG-Stiftung Gesang des Bundesverbandes Deutscher Gesangspädagogen ausgezeichnet, vertrat Erika Simons als Darstellerin der Oona Chaplin und stellte ihr Können als talentierte Sopranistin unter Beweis. Sowohl Hamman als auch Pieper entfalten ihr stimmliches Potenzial und überzeugen zudem durch ihre schauspielerischen Qualitäten, die den Protagonisten Charakter mit Tiefgang verleihen.

Nennenswerte Tiefen gibt es abgesehen von der Übersteuerung der Mikrofone nicht. Der Opernchor des Theaters Osnabrück, das Osnabrücker Symphonieorchester sowie das Ensemble haben dank komischer Elemente und anrührender Szenen ein stimmiges Gesamtwerk auf die Bühne gebracht, das einen einfühlsamen aber zugleich unpathetischen Einblick in das Leben des Mannes gibt, der sich hinter der Legende Charlie Chaplin verbirgt. Es wird ein Charakter gezeichnet, der mal Sympathie, mal Antipathie weckt und somit authentisch wirkt. Schnell wird deutlich, dass sich auch hinter dem Künstler Charlie Chaplin lediglich ein ganz normaler Mensch verbirgt, der mit Erfahrungen hadert, sich nicht immer glamourös gibt und letztlich auf der Suche nach seinem persönlichen Glück ist. Die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Chaplin ist gelungen und einen Besuch in jedem Fall wert!



Chaplin am Theater Osnabrück | Foto (C) Jörg Landsberg

Sina-Christin Wilk - 26. März 2018
ID 10604
CHAPLIN (Theater am Domhof, 23.03.2018)
Musikalische Leitung: An-Hoon Song
Inszenierung und Bühne: Christian von Götz
Kostüme: Sarah Mittenbühler
Choreografie: Kerstin Ried
Video: Melanie Kintzinger
Choreinstudierung: Markus Lafleur
Dramaturgie: Ulrike Schumann
Besetzung:
Charlie Chaplin ... Mark Hamman
Charlie Tramp ... Verena Hierholzer
Junger Charlie / Jackie ... Anna Maria Haschke
Sydney ... Tobias Rusnak
Hannah ... Susann Vent-Wunderlich
Hedda ... Katarina Morfa
Oona ... Erika Simons
Sennett / Douglas Fairbanks ... Stefan Mosemann
Alf ... Silvio Heil
Karno / Jacobs ... Stefan Kreimer
Mildred ... Marlene Jubelius
Sekretärin Hedda ... Heike Hollenberg
Mc Granery ... Lennart Christan
Statisterie und Opernchor des Theaters Osnabrück
Osnabrücker Symphonieorchester
Premiere am Theater Osnabrück: 10. März 2018
Weitere Termine: 06., 20., 24.04. / 02., 15., 19., 21., 31.05.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-osnabrueck.de


Post an Sina-Christin Wilk

scriptura-novitas.de



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