Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Musical

Auf der Suche

nach dem

wahren König



Artus - Excalibur am (C) Theater St. Gallen

Bewertung:    



Wenn Verführung, Macht und tiefgreifende Emotionen auf eine hochkarätig ausgewählte Besetzung, vielfältige Bühnenbilder und ein exzellent besetztes Orchester treffen, ist das durchaus eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Musical-Produktion.

Dennoch spürt man bereits zu Beginn, dass sich das Theater St. Gallen mit der neuen Produktion Artus - Excalibur, trotz mitreißender Melodien aus der Feder von Frank Wildhorn, auf einem sehr schmalen Grad zwischen bloßem Gefallen und absolutem Nichtgefallen bewegt. Zumindest anfänglich scheint die Geschichte um König Artus und das geheimnisvolle Schwert Excalibur, in schneller Szenenfolge serviert, dem Publikum nicht wirklich zu schmecken. Gar ein wenig lieblos, fast schon konzertant, wirkt hier die leicht vorhersehbare Handlung, welche den Zuschauer durch bewussten Einsatz lyrischer Texte in das späte fünfte und sechste Jahrhundert versetzt. Eine Zeit, in der das Land nach dem Verlassen der Römer extrem gespalten ist, in der Kriege toben und der Alltag durch das Machtstreben verschiedener Könige geprägt ist.

Hier beginnt plötzlich, wovon jedes Kind sicher schon einmal gehört hat. Die Sage um König Artus, den Zauberer Merlin und das geheimnisvolle Schwert Excalibur, welches durch bedachten Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Ordnung in der Welt sorgen soll.

Weitaus spektakulärer als die eigentliche Handlung an sich ist aber die grandiose Umsetzung dieses Musicals. Fernab vom häufig lediglich auf Kommerz gerichteten Musicalbetrieb in Deutschland konzentriert sich das Theater St. Gallen darauf, den Begriff Musical durch den Einsatz eines einfachen aber geschickten Bühnenbildes (Peter J. Davison) in Kombination mit einer ausnahmslos stimmgewaltigen Cast völlig neu zu definieren.

Die Bühne, welche größtenteils mit hellem Holz verkleidet ist, versetzt den Zuschauer bereits auf den ersten Blick in eine andere Zeit. Verstärkt wird dieser erste Eindruck durch die häufig wechselnden Projektionen in Kombination mit raffinierten Lichteffekten, welche großen Einfluss auf die jeweilige Atmosphäre innerhalb der Szene haben und von stimmigen Kostümen ergänzt werden.

Was wären aber glanzvolle Kostüme ohne die passenden Charakterdarsteller? Mit Thomas Borchert, der den Zauberer Merlin verkörpert und gleichzeitig wie ein Erzähler durch das gesamte Geschehen führt, hat man sich auf jeden Fall den Richtigen gesucht. Gewohnt stimmstark gelingt es ihm seiner Rolle die nötige charakterliche Tiefe zu entlocken, wenngleich ihm hierfür auf Grund der raschen Szenenfolge nur wenig Zeit bleibt.

Auch Sabrina Weckerlin (die sicherlich eine außergewöhnliche Größe in der Musicalszene darstellt) findet genügend Raum in der Schweizer Produktion, um sich schauspielerisch voll zu entfalten. Fast schon angsteinflößend gelingt es ihr, die Rolle der boshaften Morgana, der Schwester von König Artus, den nötigen Respekt einzuverleiben und den Zuschauer in die Welt des Bösen zu verführen.



Artus - Excalibur am Theater St. Gallen mit Thomas Borchert als Merlin und Sabrina Weckerlin als Morgana | Foto (C) Andreas J. Etter


Nicht weniger erwähnenswert an diesem Abend sind aber auch Annemieke van Dam als Guinevere, Patrick Stanke als König Artus und Mark Seibert als Lancelot. Mit viel Gefühl nehmen sie den Zuschauer mit auf eine Reise durch das Land der Emotionen und komplettieren mit einer dramatischen Liebesgeschichte den ansonsten etwas flachen Handlungsrahmen, der größtenteils aus Kampfszenen besteht. Unterstützt werden sie dabei von den vielen überraschend prägnanten Charakteren des Ensembles, welche man sonst wohl eher in einer der Hauptrollen erwartet hätte.

Bleibt abschließend die Frage offen, ob das Musical Artus – Excalibur die weite Anfahrt in die Schweiz rechtfertigt? Auf jeden Fall! Selbst wer sich möglicherweise an der doch recht oberflächlichen Handlung stören mag, wird durch ein grandioses Orchester unter der Leitung von Koen Schoots, authentische Kostüme und hochkarätige Stimmen sicher gefallen an dieser völlig neuen Produktion finden.
Benjamin Kramer - 18. Dezember 2014
ID 8330
ARTUS - EXCALIBUR (Theater St. Gallen, 06.12.2014)
Musikalische Leitung: Koen Schoots
Inszenierung: Francesca Zambello
Bühne: Peter J. Davison
Kostüme: Sue Willmington
Licht: Mark McCullough
Besetzung:
Artus ... Patrick Stanke
Guinevere ... Annemieke van Dam
Merlin ... Thomas Borchert
Morgana ... Sabrina Weckerlin
Lancelot ... Mark Seibert
Ector ... Alexander Bellinkx
Loth von Orkney ... Robert Johansson
Sir Gareth ... Kevin Foster
Oberin und Mutter Guineveres ... Colleen Besett
Lucan ... Gero Wendorff
Priester... Marc Lamberty u.v.a.
Chor des Theaters St.Gallen
Statisterie des Theaters St.Gallen
Sinfonieorchester des Theaters St.Gallen
Premiere war am 5. September 2004
Weitere Termine: 19., 29. 12. 2014 / 3., 17.1.; 7. 2.; 24. 4.; 15., 25. 5. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.theatersg.ch


Post an Benjamin Kramer



  Anzeigen:




MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ARCHIV
Konzerte + Musiktheater

CASTORFOPERN

CD / DVD

FREIE SZENE

INTERVIEWS

LEUTE MIT MUSIK

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski




Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de